Titel: Auffindung eines Ersatzmittels der Eichenrinde und Beschleunigung des Gerbprocesses durch Hrn. Hellmann zu Neckarsteinach.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 106/Miszelle 9 (S. 323–328)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj106/mi106mi04_9
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Auffindung eines Ersatzmittels der Eichenrinde und Beschleunigung des Gerbprocesses durch Hrn. Hellmann zu Neckarsteinach.

Von großer Wichtigkeit, sowohl in staatlicher wie in gewerblicher Beziehung, scheinen einige von dem Lederfabrikanten Hrn. Hellmann zu Neckarsteinach dem preußischen Gouvernement neuerdings angetragene Erfindungen werden zu können. Sie bestehen:

  • 1) in Auffindung eines Ersatzmittels der Eichenrinde, und
  • 2) in Ermäßigung des Gerbprocesses auf weniger als die Hälfte der bisher erforderlichen Zeit.

Als seine erste und in der That wichtigste Erfindung, als deren fast nothwendige Folgerung die vorher angeführten erscheinen, gibt derselbe ein einfaches, jedem nur einigermaßen intelligenten Gerber zugängliches Verfahren an, den Gerb- und Säuregehalt einer Pflanze auf ganz untrügliche Weise zu ermitteln. Zur genauen Analyse sind nur 12, höchstens 24 Stunden erforderlich. Soweit es aber nur für den Fabrikanten nöthig ist, den Gehalt der von ihm zu verwendenden Surrogate und Gerbbrühen zu ermitteln, genügt nach einmal erlangter Fertigkeit schon eine Zeit von einigen Minuten.

Daß eine solche Erfindung für die Gerberei von der allergrößten Wichtigkeit; daß man mit Hülfe derselben die Erfolge seiner Arbeit fast vorher berechnen kann; daß damit gewissermaßen die Basis zur wissenschaftlichen Forschung für diesen Industriezweig gegeben, und nur dadurch die Gerberei zu dem Höhepunkt gelangen kann, auf welchen: wir so viele andere Industriezweige erblicken; ja daß dadurch das Princip der Gerberei erst gefunden ist und das bisherige Verfahren vielfach umgestaltet und wahrhaft verbessert werden muß, wird Jedem einleuchten.

Ebenso gewiß ist aber auch, daß die Wissenschaft diesem Industriezweig bisher wenig förderlich gewesen, und nur dadurch der geringe Fortschritt der Gerberei seit einem Jahrhundert zu erklären ist.

Die von verschiedenen Chemikern gelieferten Analysen gerbstoffhaltiger Pflanzen sind von einander so abweichend (der eine gibt den Gehalt oft doppelt so hoch an, als der andere), daß dadurch dem Praktiker fast gar kein Halt geboten wird; eben so haben die bisher anempfohlenen Abkürzungen des Gerbprocesses den Fabrikanten nur Nachtheile, und somit ein gewisses Mißtrauen gegen angebliche Verbesserungen gebracht. Wenn daher die durch Hrn. Hellmann schon früher den Berliner Lederfabrikanten gemachten Mittheilungen, ungeachtet der miteingesendeten kleinen Probestücke, welche von vorzüglicher Gerbung zeugten, bei ihrer Unbestimmtheit nicht die Aufmerksamkeit fanden, die man bei der Wichtigkeit des Gegenstandes erwarten mußte, so darf dieß bei der Kostspieligkeit derartiger Versuche, wenn sie mißlingen und in Berücksichtigung des von Hrn. Hellmann für Mittheilung seiner Erfindungen geforderten Honorars, gar nicht befremden, da der daraus entspringende Vortheil, ohne Patentschuß, mehr der Gesammtheit zu gute käme, für den Staat aber bei der Wichtigkeit des Gegenstandes nur sehr gering wäre, da ihm schon durch die Gewinnung des fraglichen, bisher unbenutzten Surrogats eine weit größere Einnahme in Aussicht gestellt ist.

Durch die während der Anwesenheit des Hrn. Hellmann in Berlin vorgelegten größern Probestücke, so wie durch die damit verbundenen näheren Aufschlüsse über sein Verfahren, so weit dieß sein Geheimniß erlaubte, haben sich die Ansichten der Berliner Gerber wesentlich und nur vortheilhaft geändert. Hr. Hellmann hat sich dabei als einen der intelligentesten Fabrikanten erwiesen, der mit den gediegensten praktischen Kenntnissen und Ansichten von der Gerberei ebenso gediegene chemische Kenntnisse verbindet, welche die aus seiner Fabrik hervorgegangenen, anerkannt vortrefflichen Sohlenleder nicht, wie es gewöhnlich der Fall ist, als Resultat vieljähriger, aus der Praxis und durch kostspielige rein mechanische Versuche gewonnener Erfahrungen, sondern als fast nothwendige Folge seiner wissenschaftlichen Forschungen erscheinen lassen.

Gehen wir auf die Angaben des Hrn. Hellmann näher ein:

Zu 1. In Betreff des Ersatzmittels der Eichenrinde sprach sich derselbe dahin aus:

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Es sey dieß Surrogat eine bereits bekannte gerbstoffhaltige Pflanze, die in den Rhein- und Neckargegenden nur spärlich vorhanden sey, in Preußen aber, und sicher in nur mäßiger Entfernung von Berlin, reichlich und in großer Menge, in den Ostseeprovinzen jedoch ganz überreichlich und in vorzüglichster Qualität vorkäme, so daß davon schon jetzt der sehr bedeutende Gesammtbedarf an Gerbmaterial, der sich allein für Berlin auf 200,000 Cntr. beläuft, gewonnen werden kann.

Außerdem würde man dieß Surrogat wegen größerer Bequemlichkeit bei der Gewinnung so wie als Exportartikel, unbeschadet der Forst- und Landcultur, in noch bedeutenderen Quantitäten gewinnen können, und dadurch aus Staatsländereien ein beträchtlicher Gewinn zu erzielen seyn.

Die Kosten des neuen Gerbmittels zum Gerben von einem Centner Sohlenleder stellten sich bei den bisher am Neckar gemachten Versuchen, wo, wie wir schon vorher bemerkt, das Surrogat nur spärlich vorhanden ist und dadurch theurer wird, gegen die Kosten der besten jungen Eichenlohe, welche zu etwa 2 Thlr. für den Centner veranschlagt werden muß, nur um 5 Proc. billiger; jedoch unterliege es keinem Zweifel, daß in Preußen, Pommern und den Marken, ungeachtet dort der Centner Eichenrinde, bei zwar bedeutend geringerem Gehalt, viel billiger sey (er kostet 1 bis 1 1/6 Thlr.) als in der Neckargegend, dennoch billiger damit gegerbt werden könne, als das neckarthaler und rheinische Sohlleder mit junger Eichenlohe.

Die Dauer des ganzen Gerbprocesses stellt sich bei diesem Surrogat durchaus ebenso wie bei der Eichenlohe; der Grad der Gerbung steigt und fällt aber auch bei beiden stets mit dieser Dauer, sobald die übrige Behandlung nur gleich ist. Diese Dauer ist indeß ganz außerordentlich verschieden und beträgt häufig auf demselben Platz, bei dem einen Fabrikanten kaum die Hälfte, ja manchmal kaum ein Drittheil der Zeit, welche der andere in seinem wohlverstandenen Interesse dazu verwendet und verwenden kann. Vollständige, satte, gute Gerbung indessen, wie sie die von Hrn. Hellmann vorgelegten Proben besitzen, und welche nur von den vorzüglichsten niederländer und rheinischen Fabriken geliefert wird, ist höchst selten und nur durch mehrjährige Gerbdauer zu erreichen. Auch das Gewichtsergebniß der Sohlleder ist bei beiden Gerbmitteln das gleiche, weil es einzig und überall von der durch den Vorbereitungsproceß der Häute erreichten Fähigkeit den Gerbstoff aufzunehmen, und dem erlangten, wirklichen Gerbungsgrad der Leder abhängt.

Dieser längst und vielfach erprobte Erfahrungssatz bewährte sich auch bei dem neuen Fabricat aufs vollständigste. Es zeigten nämlich beiderlei Fabricate übereinstimmend ein gleich entsprechendes Uebergewicht, worunter bei Zahm-Sohlleder das Mehrgewicht über die Hälfte des Bruttogewichts der frischen Schlachthäute, wie sie vom Fleischer geliefert werden, bei Wildledern etc. aber das Mehrergebniß, oder die Zunahme über das volle Gewicht der trocknen Häute zu verstehen ist. In dieser Beziehung dürfte, nach der Ansicht des Hrn. Hellmann, eher noch ein Vorzug des neuen Gerbmittels vor der besten jungen Eichenrinde zu erwarten seyn. Daß sich aber in dem Gewichtsergebniß der Sohlleder die bessere Gerbung bekundet, weil durch sie das Gewicht unter allen Umständen bedeutend zunimmt, zugleich aber auch Qualität und Preiswürdigkeit des Fabricats mit erhöht wird, und sonach letzteres allenthalben am besten empfiehlt, ist jedem Lederkenner bekannt.

Die von Hrn. Hellmann vorgelegten Proben von deutschem Sohlleder, sowohl die mit Eichenrinde, wie die mit dem neuen Surrogat gegerbten, sind von vollkommen satter Gerbung. Die mit Eichenrinde gegerbten Besitzen eine sehr große Festigkeit, sind im Schnitt sehr glatt und auf das innigste gemengt. Die Farbe ist die gewöhnliche. – Die mit dem Surrogat gegerbten sind gleich fest, der Schnitt etwas dunkler, ebenfalls innig gemengt, nur nicht ganz so glatt, wie bei den vorhergehenden. Gegen Feuchtigkeit scheinen sie mindestens denselben Schuß zu gewähren, wie mit Eichenrinde gegerbtes Leder, da sie noch weniger Feuchtigkeit aufsaugen als diese, daher auch an der Luft schneller trocknen, und dabei wieder die frühere Festigkeit erlangen, welche sich auch, so lange sie naß sind, verhältnißmäßig nur sehr wenig verringert.

Die ganz eigenthümliche weiße Farbe dieser Proben, und die kleinen auf der Narbenseite sichtlichen Erhöhungen, welche gewissermaßen einem Anstrich gleichen, aber ungleich aufgetragen erscheinen, sind, nach den Angaben des Hrn. Hellmann, durchaus natürliches Ergebniß der Gerbung. Es scheint daher das Surrogat viel |326| mehr zu schleimen, als die Eichenrinde, bei welcher gerade das mehr oder minder starke Hervortreten des Schleims (von den Fabrikanten gewöhnlich Muth genannt) als ein sicheres Erkennungszeichen von besserer oder geringerer Gerbung betrachtet wird.

Noch muß bemerkt werden, daß die vorgelegten Proben des neuen Fabricats von dem ersten Versuch im Großen waren, bei welchem Hrn. Hellmann noch gar keine Erfahrung zur Seite stand, und sich daher bei ferneren Versuchen ein ungleich besseres Fabricat erwarten läßt; auch das Hervortreten der erhöhten Punkte wird vermieden werden können, obschon diese gerade beim Sohlleder ohne allen nachtheiligen Einfluß sind.

Nach den während des Gerbprocesses gemachten Erfahrungen ist Hr. Hellmann überzeugt, daß mit diesem Surrogat auch ein gleich gutes Fabricat, wie mit Eichenrinde, in Oberleder erzielt werden könne, wenn das Verfahren danach modificirt werde.

Die Anwendung des Surrogats ist angeblich nicht ganz dieselbe wie die der Eichenrinde, sondern beruht die Wirksamkeit mit auf der Eigenthümlichkeit des Verfahrens, so daß, wenn wirklich auch das Surrogat bekannt würde, damit noch nicht sobald ein gleiches Resultat zu erlangen wäre.

Die Haltbarkeit des neuen Fabricats hat sich durch einen von dem Gewerbverein für das Großherzogthum Hessen angestellten Versuch auf das beste bewährt. Bei Stiefeln, von denen einer mit dem besten niederländischen Sohlleder, der andere mit dem neuen Fabricat besohlt war, hat letzterer mindestens eine gleiche Dauer gezeigt. Das Urtheil des Verfertigers dieser Stiefel, eines anerkannt tüchtigen Schuhmachermeisters, spricht sich durchaus günstig über die Verarbeitungsfähigkeit des neuen Fabricats aus.

Zu 2. Die zweite gleich wichtige Erfindung, welche Hr. Hellmann anträgt, ist die Abkürzung der bisher nöthigen Zeit zum Gerben unbeschadet der Qualität des Fabricats, mit geringerem Lohaufwand und größerem Uebergewicht, gleichviel ob Eichenrinde, das neue Surrogat, oder irgend ein anderes Gerbmittel angewendet wird. Nach dem gewöhnlichen Verfahren, welches Hr. Hellmann früher auch angewendet hat, verbrauchte er zu einer frischen Schlachthaut, von 96 Pfd. Brutto-Gewicht, an bester junger Eichenrinde, wie sie am Neckar gewonnen wird und an Zeit:

Eichenlohe Zeit:
zum Vorbereitungsproceß 40 Pfd. Zollgewicht 3 Monat.
in dem 1. Grubensatz 100 „ „ 4 – 5 „
„ 2. „ 80 „ „ 5 – 6 „
„ 3. „ 70 „ „ 5 – 6 „
„ 4. „ 60 „ „ 5 – 7 „
––––––––––––––––––––––– ––––––––––––––––––––––––––––
zu einer Schlachthaut von 96 Pfd. Bruttogewicht 350 Pfd. Lohe und 22–27 Monat.

Dabei hatte die gebrauchte Lohe noch an Gerb- und Säuregehalt:

vom 1. Grubensatz 4° Gerbstoff 4° Säure.
„ 2. „ 6° „ 6° „
„ 3. „ 8° „ 10° „
„ 4. „ 10° „ 12° „

Das Nettogewicht dieser gegerbten Haut, bei ganz reeller Trocknung, wird auf 50 Pfd. angegeben, ein Gewicht, welches bei Berücksichtigung der Qualität und Schlachtung der Häute sich nur durch den großen Aufwand von so vorzüglicher Borke erklären läßt, für den Fabrikanten aber nur gewinnbringend ist, da, wie wir schon oben bemerkten, die Güte und somit auch der Preis des Fabricats damit in genauestem Zusammenhang steht. Die schon gebrauchte Lohe wurde wieder zum Vorbereitungsproceß anderer Leder verwendet.

Bei dem neuen Verfahren waren an Eichenrinde und Zeit erforderlich:

zum Vorbereitungsproceß nur die Brühen der bereits
gebrauchten Lohe

keine Lohe

2 Mon. Zeit.
zum 1. Grubensatz: 100 Pfd. Zollgew. 3 „
„ 2. „ 90 „ „ 3 „
„ 3. „ 70 „ „ 3 „
der 4. Grubensatz war nicht mehr nöthig, da die
Leder vollkommen satt gegerbt waren:
– „ „ – „
–––––––––––––––––––––––––
Zu einer frischen Schlachthaut von 96 Pfd. Bruttogewicht 260 Pfd. Lohe u. 11 Mon. Zeit.
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Dabei hatte die gebrauchte Lohe noch an Gerb- und Säuregehalt:

vom 1. Grubensatz 2° Gerbstoff 4° Säure.
„ 2. „ 3° „ 6° „
„ 3. „ 5° „ 8° „

Das Nettogewicht der auf diese Weise gegerbten Haut war, bei gleicher Trocknung, 54 Pfd., also 6 Pfd. über die Hälfte des Bruttogewichts der rohen Haut, und um 4 Pfd. größer als nach dem alten Verfahren. Die aus dieser gebrauchten Lohe gezogene Gerbbrühe dient und genügt zum Vorbereitungsproceß der folgenden Häute. Die Kosten- und Zinsberechnung würde sich, nach der Angabe des Hrn. Hellmann, wie folgt stellen:

a) bei dem gewöhnlichen Verfahren:

350 Pfd. Lohe, 100 Pfd. Zollgewicht 2 Tylr., = 7 Thlr.
die Haut 9 Thlr., daraus Zinsen zu 5 Proc. 2 Jahr aus 16 Thlr. = 1 „ 18 Sgr.
–––––––––––––––––––––
Thlr. 8 18 Sgr.

b) bei der neuen Behandlung:

260 Pfd. Lohe, 100 Pfd. Zollgewicht 2 Thlr., = 5 Thlr. 6 Sgr.
die Haut 9 Thlr., Zinsen aus 14 1/5 Thlr. auf 1 Jahr zu 5 Proc. – „ 21 „
–––––––––––––––––––––
Rthlr. 5 27 Sgr.
Hievon ab 3 Pfd. Mehrgewicht der Haut zum Durch-
schnittspreis von 36 Thlr. für 100 Pfd. Zollgewicht

1 Thlr.

13 Sgr.
–––––––––––––––––––––
Rthlr. 4 14 Sgr.

mithin der Vorzug des neuen Verfahrens von dem bisher üblichen, in Geldwerth ausgedrückt, 4 Thlr. 14 Sgr. für die Haut, welcher bei vereinzelter Anwendung dem Fabrikanten, bei allgemeiner Anwendung aber durch die Concurrenz dem allgemeinen, und somit auch dem Staat zu gute kommen würde.

Besonders kostspielige neue Einrichtungen sollen bei Anwendung dieses Verfahrens nicht erforderlich seyn, vielmehr jede nach gewöhnlicher Art eingerichtete Gerberei durch einfache Vorrichtungen auf den Standpunkt gebracht werden können, dieses Verfahren anzuwenden.

Wie wichtig schon eine Abkürzung des Gerbprocesses, die allenthalben mit gleich gutem Erfolg angewendet werden kann, selbst wenn sie nicht mit so bedeutender Kostenersparniß, wie die von Hrn. Hellmann angegebene, verbunden wäre, bei plötzlich eintretendem Bedarf, namentlich bei Kriegszeiten, seyn würde, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung. Viel wichtiger jedoch, und namentlich gerade für Preußen, ist die Auffindung eines Ersatzmittels der Eichenrinde, da gerade in den Provinzen, wo dieses Surrogat in großer Menge vorhanden seyn soll, das Verschwinden der alten Eichenbestände und die, in Betracht des wahrhaft ungeheuren Consums an Gerbmaterial, kaum erwähnungswerthen Fortschritte der Straucheichencultur, sämmtliche Gerbereibesitzer mit den gerechtesten Befürchtungen, selbst für die nächste Zukunft, erfüllen.

Möge hiegegen eingewendet werden, daß Preußen hinreichende Straucheichenanlagen zur Deckung des eigenen Bedarfs an Sohlleder besitze, so liegen doch diese gerade an den äußersten und gefährlichsten Punkten der Monarchie, und nicht jene rheinischen Fabriken waren es, welche zur Zeit der Roth während des Freiheitskriegs die preußische Armee mit Leder versorgten, sondern gerade die Fabriken der alten Provinzen, und namentlich die Berliner, Potsdamer und Brandenburger Fabriken. Diese haben aber die Concurrenz mit den vorzüglichen rheinischen Fabrikaten, weil ihnen das zur Sohllederfabrication wesentlichste und vorzüglichste Material, die junge Eichenrinde mangelt, nicht bestehen können. Sie haben in diesem Zweig der Gerberei fast ganz das Feld räumen müssen, und würden unter den jetzigen Umständen sich nie wieder zu solcher Höhe emporschwingen, und somit auch das nicht leisten können, was sie damals geleistet haben.

Gegenwärtig werden die rheinischen und niederländischen Fabricate bis zu den entgegengesetzten Gränzen unseres Staats, und über diese hinaus, geführt und erleiden durch Frachten und öfteren Zwischenhandel eine bedeutende Preissteigerung. Mit dem neuen Surrogat ist es aber Hrn. Hellmann unzweifelhaft, überall, wo dieses vorhanden oder zu beschaffen ist, ein dem rheinischen Sohlleder völlig gleichkommendes Fabricat erzielen zu können, und jedenfalls ist die Erhaltung eines so |328| wichtigen Industriezweigs wie die Sohllederfabrication, und seine möglichst gleichmäßige Verbreitung über das ganze Land, von der größten staatlichen Wichtigkeit.

Mögen die hier gemachten Angaben mit dazu beitragen, daß die von Hrn. Hellmann gemachten Anerbietungen in ihrer vollen Wichtigkeit von der hohen Staatsregierung erkannt, die verdiente Würdigung und Aufnahme finden, damit solche Erfindungen nicht, wie dieß häufig der Fall ist, dem Vaterland entzogen und vom Ausland ausgebeutet werden. W. Kampffmeyer. (Aus den Verhandl. des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1847 3te Lief.)

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