Titel: Institut der Ehrenzeichen für die arbeitende Classe in Belgien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 106/Miszelle 1 (S. 447–448)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj106/mi106mi06_1

Institut der Ehrenzeichen für die arbeitende Classe in Belgien.

Die Ausstellung der Producte nationaler Industrie hat den König der Belgier veranlaßt ein Institut zu gründen, durch welches der Zweck – Hebung der Industrie – auf einem bisher noch nirgends betretenen Wege zu erreichen gesucht wird und welches ein sprechender Beweis der Sympathie der belgischen Regierung für die zahlreichste Classe der Gesellschaft, die arbeitende, ist. In Erwägung, daß nicht allein Gerechtigkeit, sondern auch Klugheit gebieten, Arbeiter und Handwerker an den Aufmunterungen Theil nehmen zu lassen, welche die Regierung der Industrie zugehen läßt, und diejenigen unter ihnen, welche sich durch Geschicklichkeit und Sittlichkeit auszeichnen, zu belohnen, hat der König der Belgier auf den Antrag des Ministers des Innern durch Decret vom 7. Nov. 1847 bestimmt wie folgt:

Art. 1. Zur Belohnung von Arbeitern und Handwerkern wird ein Ehrenzeichen geschaffen, welches die Attribute der Industrie und des Ackerbaues trägt.

Die Decoration trägt auf der Kehrseite den Namen des Decorirten und die Jahreszahl.

Die Decoration wird durch königliches Decret zuerkannt.

Art. 2. Die Decoration hat 2 Classen, bestehend, die erste in goldenen, die zweite in silbernen Medaillen.

Art. 3. Die Decoration wird an einem Kettchen von dem gleichen Metall auf der linken Brust getragen.

Art. 4. Sie wird ausschließlich denjenigen Arbeitern und Handwerkern zuerkannt, welche mit anerkannter Geschicklichkeit in ihrem Fach einen sittlichen Lebenswandel verbinden.

Art. 5. Ueber die Geschicklichkeit wird ausschließlich bei Gelegenheit der Ausstellungen erkannt durch die Jury, welcher die Beurtheilung der Producte der Industrie obliegt.

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Art. 6. Die Geschicklichkeit des Arbeiters oder Handwerkers wird als erwiesen angenommen,

a) wenn derselbe ein von ihm erzeugtes Product von ausgezeichneter Beschaffenheit ausstellt;

b) wenn ein Gewerbsmann, welcher ein ausgezeichnetes Fabricat zur Ausstellung gesendet, bezeugt hat, daß dem Arbeiter ein erheblicher Theil an dem Verdienst der Bearbeitung oder Erzeugung des Gegenstandes zukommt.

Bei Gegenständen, welche sich zur öffentlichen Ausstellung nicht eignen, wird ein Bericht des Unternehmers des betreffenden Industriezweiges als Zeugniß für die Geschicklichkeit des Arbeiters angesehen.

Art. 7. Die Jury wird sich über den Lebenswandel der Arbeiter, denen sie das Zeugniß gibt, Proben von Geschicklichkeit und Intelligenz abgelegt zu haben, zu unterrichten suchen und der Regierung nur Individuen zur Belohnung vorschlagen, welchen in sittlicher Beziehung nichts vorzuwerfen ist.

Art. 8. Die Decoration in Silber soll ausschließlich als erste Belohnung oder Auszeichnung zuerkannt werden. Die Decoration in Gold wird nur in Folge einer zweiten Bewerbung erlangt, wenn nämlich der Decorirte neue Beweise von Intelligenz, Fortschritten in seinem Fach und musterhaften Lebenswandel gegeben hat.

Art. 9. Die Jury für die Industrieausstellung vom Jahr 1847 ist beauftragt, dem Minister des Innern Vorschläge zur Belohnung solcher Arbeiter und Handwerker zu machen, welche entweder selbst ausgestellt oder durch ihre Leistungen einem der Ausstellenden Anerkennung verschafft haben.

Art. 10. Die Zahl der Ehrenzeichen oder Decorationen ist auf 1000 beschränkt, nämlich 200 der ersten Classe in Gold und 800 der zweiten Classe in Silber.

Art. 11. Die vorstehenden Bestimmungen können auch auf Feldarbeiter Anwendung finden.

Art. 12. Unser Minister des Innern ist mit der Vollziehung des gegenwärtigen Decrets beauftragt.

Brüssel, den 7. Novbr. 1847.

Leopold.

Auf Befehl des Königs der Minister des Innern
Ch. Rogier.

(Eisenbahnzeitung, 1847 Nr. 47.)

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