Titel: Ueber die Zusammensetzung verschiedener Gerbestoffauflösungen, welche man bei der Fabrication des Champagnerweins anwendet, um das Zähwerden desselben zu verhindern, und über Bacou's sogenannten weißen destillirten Gerbestoff; von Chevallier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 106/Miszelle 3 (S. 451–452)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj106/mi106mi06_3

Ueber die Zusammensetzung verschiedener Gerbestoffauflösungen, welche man bei der Fabrication des Champagnerweins anwendet, um das Zähwerden desselben zu verhindern, und über Bacou's sogenannten weißen destillirten Gerbestoff; von Chevallier.

Gerbestoff des Hrn. C....

Derselbe wird in kleinen Flaschen verkauft mit der Aufschrift: Gerbestoff des Hrn. C.... zu Châlons-sur-Marne, 1 Liter für 32 Hektoliter Wein ausreichend; 16 Francs das Liter.

10 Gramme dieser Flüssigkeit, welche eine Auflösung von Gerbestoff in Weingeist ist, hinterließen beim Abdampfen im Wasserbad 2,75 Gr. Rückstand, daher 100 Gr. 27,5 Gr. trockenes Extract enthalten. Durch Leim gefällt, lieferten 20 Gr. dieses Gerbestoffs einen Gerbestoff-Leim, welcher in der Wärme ausgetrocknet 5,25 Gr. wog, daher 100 Gr. Flüssigkeit 26,25 Gr. von diesem Niederschlag geben.

Gerbestoff des Hrn. D....

Dieser Gerbestoff ist ebenfalls in Weingeist aufgelöst. Die Flaschen haben die Aufschrift: 8 Fr. das Liter; concentrirte Gerbstoffauflösung, um das Zähwerden des weißen Weins zu verhindern; 1 Liter reicht für 10 Hektoliter Wein hin; bereitet von D...., Apotheker zu Avize.

10 Gr. dieser Flüssigkeit lieferten beim Abdampfen im Wasserbad 1,5 Gr. trockenes Extract, also 15 Proc.

20 Gr. Flüssigkeit mit Leimauflösung gefällt, lieferten 2,15 Gerbestoff-Leim oder 10,75 Proc.

Gerbestoff des Hrn. B....

Dieser Gerbestoff ist in Wasser aufgelöst und die Flüssigkeit offenbar durch Behandlung einer gerbestoffhaltigen Rinde, vielleicht Eichenrinde, bereitet; sie schmeckt schimmelig, wahrscheinlich von der angewandten Rinde. Die Flaschen haben die Aufschrift: 1 Liter für 2 Hektoliter Wein ausreichend; Preis 2 Frcs. per Liter; rother Gerbestoff des Hrn. B.... zu Epernay.

10 Gramme dieses Products hinterließen beim Abdampfen im Wasserbad 40 Centigr. trockenes Extract, daher die Flüssigkeit 4 Proc. davon enthält.

20 Gr. Flüssigkeit lieferten mit Leimauflösung einen Niederschlag, welcher getrocknet 35 Centigr. wog, daher die Flüssigkeit 1,75 Proc. Gerbestoff-Leim gibt. Uebrigens hat der entstehende Niederschlag keine Consistenz und die Flüssigkeit klärt sich nur sehr langsam.

Aus diesen Versuchen geht hervor:

1) daß der Gerbestoff des Hrn. C.... am meisten von der Substanz enthält, welche den Körper niederzuschlagen vermag, der das Zähwerden der weißen Weine veranlaßt (nämlich das Gliadin oder den Pflanzenleim);

2) daß der Gerbestoff des Hrn. D.... ebenfalls von guter Qualität ist;

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3) daß die wässerige Auflösung oder der rothe Gerbstoff des Hrn. B.... mit den vorhergehenden Auflösungen nicht verglichen werden kann, weil sie mit einer Rinde bereitet ist und daher nicht bloß Gerbestoff enthält, sondern auch eine extractive Substanz, die den Weinen, welchen man diese Auflösung zusetzt, einen fremdartigen Geschmack ertheilen kann.

Hr. Chevallier hatte bei seiner Untersuchung des sogenannten „weißen destillirten Gerbestoffs des Hrn. Bacou (man vergl. S. 304 in diesem Bande des polytechn. Journals) gefunden, daß die Flüssigkeit, wovon das Liter für 2 Fr. 25 Cent. verkauft wird, nur 2 Proc. Alaun und keine Spur von Gerbestoff enthält; er erklärte dieselbe daher als ganz werthlos, weil der Alaun das Gliadin oder den Pflanzenleim nicht niederschlagen und folglich den Gerbestoff nicht ersetzen kann. Die Verhandlungen über diesen Gegenstand nahmen am Tribunal von Epernay nicht weniger als vier Sitzungen in Anspruch und Hr. Bacou war von dem Gerbestoffgehalt seiner Flüssigkeit so überzeugt, daß er sich bereitwillig herbeiließ die Darstellung derselben vor Sachverständigen zu wiederholen Dabei stellte es sich heraus, daß bei dem von Bacou befolgten Verfahren, wenigstens im Anfang der Destillation, nothwendig Gerbestoff aus der Blase mechanisch in das Kühlrohr mitgerissen werden und so in die zuerst als Vorlagen angewandten Flaschen kommen muß. Da Bacou beim Verkauf seines Specificums unter der Benennung „weißer destillirter Gerbestoff“ offenbar keine Täuschung der Käufer beabsichtigte und bei seinen geringen chemischen Kenntnissen im guten oder stärksten Glauben handelte, so entband ihn das Gericht von der Anklage ohne Kosten. (Journal de Chimie médicale, November 1847, S. 607.)

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