Titel: Niepce, über die Eigenschaften des Jods, des Phosphors etc., welche sie zur Reproduction von Kupferstichen etc. anwendbar machen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107, Nr. XIV. (S. 58–68)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/ar107014

XIV. Ueber einige Eigenschaften des Jods, des Phosphors, der Salpetersäure etc., welche sie zur Reproduction von Kupferstichen etc. anwendbar machen; und über Photographie auf Glas, von Niepce de Saint-Victor.

Aus den Comptes rendus, Octbr. 1847, Nr. 17.

Erster Theil. Vom Jod und seinen Wirkungen.

Ich glaube der Erste gewesen zu seyn, der eine Eigenschaft des Jods entdeckte, die man zu vermuthen weit entfernt war, die Eigenschaft, sich an den dunkeln Stellen eines Kupferstichs, einer Schrift etc. anzulegen und die weißen Stellen frei zu lassen. Man setzt einen Kupferstich fünf Minuten lang bei einer Temperatur von 12 bis 16° R. dem Joddampf aus; man verwendet dazu 15 Gramme Jod auf den Quadrat-Decimeter (bei niedrigerer Temperatur wäre längere Zeit erforderlich); man legt hierauf den Kupferstich auf mit Stärke getränktes Papier, welches man vorher mit Wasser befeuchtete, das vorher mit Schwefelsäure angesäuert wurde so daß es 1° Baumé zeigt. Es ist dieß bis jetzt die einzige bekannte Flüssigkeit, welche den Zeichnungen einige Haltbarkeit ertheilt; nichtsdestoweniger verschwinden sie endlich an der Luft und am Lichte; doch kann man sie durch Anpappen unter eine Glasscheibe lange Zeit erhalten. Die Abzüge bieten, nachdem man mit einem Linnenbausch darauf drückte, eine Zeichnung von bewunderungswürdiger Reinheit dar, werden aber beim Trocknen nebelig. Auffallend ist es, daß von einem Kupferstich mehrere Exemplare abgezogen werden können, ohne daß er frisch präparirt zu werden braucht und die letzten Abzüge sind immer die saubersten; denn wenn man den Kupferstich dem Joddampf sehr lange ausgesetzt läßt, nehmen die Lichtstellen, wenn das Papier mit Stärke getränkt ist, endlich Jod an; doch herrschen die dunkeln Stellen, so lange die Operation auch dauern mag, immer vor.

Es versteht sich, daß der Kupferstich durchaus keinen Schaden leidet und unzähligemal vervielfältigt werden kann.

Ich habe ein Mittel gefunden, durch dasselbe Verfahren jede Art von Zeichnung wiederzugeben, gleichviel ob sie mit fetter oder wässeriger Schwärze (sofern diese nur kein Gummi enthält), mit Tusch oder mit Bleistift angefertigt ist, kurz, was Striche hat, kann wieder erzeugt werden, nur müssen diese Zeichnungen wie folgt präparirt werden: man |59| legt sie einige Minuten lang in schwach ammoniakalisches Wasser, zieht sie dann durch Wasser, welches mit Schwefelsäure, Salpetersäure oder Salzsäure angesäuert ist und läßt sie trocknen; hierauf setzt man sie dem Joddampf aus und wiederholt das oben beschriebene Verfahren. Auf diese Weise kann man Copien oder Abdrücke von Zeichnungen machen, von welchen man bisher keine zu machen vermochte; sogar wenn sie im Papierzeug seyn sollten. Auch kann man von zwei Bildern, auf der Vorder- und der Rückseite eines und desselben Blattes Papier, nach Belieben nur ein einziges wiedererzeugen.

Ich habe als nothwendig angegeben, daß das Papier, welches die Zeichnung eines Kupferstichs aufnehmen soll, mit Stärke getränkt worden sey, weil in der That der Färbestoff der Zeichnung das Jodamylum ist. Demzufolge kam ich auf den Gedanken, die Oberfläche von Porzellan-, Opalglas-, Alabaster- und Elfenbeinplatten mit Stärkekleister zu überziehen und dann zu verfahren wie beim Papier. Dem Resultat war, wie ich erwartet hatte, unstreitig der Vorzug einzuräumen gegen die bloß auf gestärktem Papier erhaltenen Zeichnungen.

Wenn die so erhaltene Zeichnung vollkommen trocken ist, überzieht man sie mit Gemäldefirniß; und wenn man sie unter Glas setzen kann, so wird sie so fix, daß ich manche über acht Monate ohne alle merkliche Veränderung aufbewahren konnte.

Um einen Kupferstich zu copiren, bediene ich mich am liebsten des Opalglases, hinter welches ich ein Blatt Papier pappe, um es minder durchsichtig zu machen; man erhält auf dieser Platte eine verkehrte Copie; nimmt man aber eine Scheibe von gewöhnlichem Glas, die man dann umkehrt, so wird die Copie wieder eine richtige und man braucht nur ein Blatt Papier dahinter zu legen, um die Zeichnung hervortreten zu machen. Man kann eine solche Copie auch als Glasgemälde aufbewahren; dann muß aber die Zeichnung zwischen zwei Glasscheiben gebracht werden, um sie gegen jede Berührung zu schützen und damit ihre Haltbarkeit nicht leidet.

Letztere Anwendung eignet sich vorzüglich zur Darstellung von Geistererscheinungen.

Man kann Zeichnungen von verschiedenen Farben, z.B. blaue, violette, rothe hervorbringen, je nachdem die Stärke mehr oder weniger gekocht wurde; im erstern Fall ziehen sie mehr in Roth.

Ein mehr oder weniger dunkles Bister erhält man, wenn man ein solches Bild dem Ammoniakdampfe aussetzt; es würde aber seine erste Farbe wieder annehmen, wenn man es nachher firnissen wollte. Eine |60| auf diese Weise durch Ammoniak modificirte Copie darf man folglich nicht firnissen.

Ich gehe nun zu den Bildern auf verschiedenen Metallen über. Setzt man einen Kupferstich dem Joddampf aus (jedoch nur etliche Minuten, damit die Lichtstellen keinen Joddampf aufnehmen) und legt ihn hierauf, ohne ihn zu befeuchten, auf eine Silberplatte, die man unter die Presse bringt, so hat man nach Verlauf von 5–6 Minuten einen ganz treuen Abdruck des Kupferstichs; setzt man die Platte alsdann dem Quecksilberdampf aus, so erhält man ein dem Daguerreschen ähnliches Bild.

Bei Kupfer verfährt man wie eben für Silber angegeben wurde und setzt hierauf die Platte dem Dunste von Ammoniakflüssigkeit aus, die man etwas erwärmt, damit sich der Dampf besser entwickelt; die Kupferplatte darf aber dem Ammoniak erst ausgesetzt werden, nachdem die ersten Dämpfe desselben aus dem Kasten entwichen sind, dessen man zu dieser Operation in derselben Art bedarf, wie zum Quecksilber. Man reinigt hierauf die Platte mit Wasser und etwas Tripel. Das Bild erscheint nun schwarz, wie das vorhergehende; die durch Berührung mit dem Ammoniak hervorgebrachte Veränderung dringt sogar so tief in die Platte ein, daß sie nicht anders zum Verschwinden gebracht werden kann, als durch merkliches Abwetzen des Metalles selbst.

Letzteres Verfahren könnte die Arbeit des Kupferstechens mit dem Grabstichel erleichtern.

Auch auf Eisen, Blei, Zinn und Messing lassen sich solche Abzüge machen, doch ist mir noch kein Mittel bekannt, das Bild darauf zu fixiren.

Von den vielen Versuchen, die ich mit dem Jod anstellte, werde ich hier nur diejenigen anführen, deren Resultat ein sicheres ist. So machte ich von einem Kupferstich Abdrücke mit fetter Schwärze und setzte sie, nachdem sie trocken waren, dem Joddampf aus. Die Copien waren den obigen ähnlich, nur war die Zeichnung weniger deutlich. Hierauf machte ich mit Spindelbaumkohle, wässeriger Tinte (ohne Gummi) und mit Graphit Zeichnungen auf weißes (gestärktes) Papier, und alle diese gaben Copien, und liefern noch schönere, wenn man die Zeichnungen auf Papier macht welches zum Oelmalen präparirt ist. Ich nahm hierauf ein (ungefirnißtes) Oelgemälde und reproducirte dasselbe ebenfalls, mit Ausnahme einiger Farben, welche aus Substanzen bestehen, die kein Jod annehmen. Dasselbe kann mit colorirten Kupferstichen geschehen. Es wird dieß einleuchten, wenn ich sage, daß ein dem Quecksilber- oder Schwefeldampf ausgesetzter Kupferstich kein Jod mehr annimmt; |61| eben so wenn man ihn in mit Wasser verdünntes salpetersaures Quecksilber, salpetersaures Silber, schwefelsaures Kupfer, schwefelsaures Zink etc. taucht; Kupferoxyd, Mennig, Ultramarin, Zinnober, Operment, Bleiweiß, Leim, Eiweißstoff und Gummi haben dieselbe Wirkung. Doch lassen sich die mit diesen Substanzen gemachten Zeichnungen reproduciren, wenn man die oben angegebene Zubereitung mit einigen Modificationen damit vornimmt; überhaupt, kann ich sagen, fand ich keine Zeichnung, die ich nicht hätte reproduciren können, außer den mit Jodstärkmehl gemachten.

Ich komme jetzt an eine zweite Eigenschaft, welche ich am Jod entdeckte, die zur erstem in gar keiner Beziehung steht; daß es sich nämlich auf Reliefzeichnungen und allen Körpern anlegt, welche einen Schnitt (einen erhabenen Rand) haben, gleichviel von welcher Farbe sie sind und aus was sie bestehen.

So reproduciren sich alle trockenen Stempel auf weißem Papier auf das Vollkommenste.

Dasselbe Resultat erhält man auch mit andern elastischen Flüssigkeiten, Gasen oder Dämpfen, wie z.B. dem Rauch des der Luft ausgesetzten Phosphors und dem Dampf der Salpetersäure. Aber das Jod hat überdieß die anfangs erwähnte Eigenschaft; denn ich erhielt folgende Resultate. Ich vereinigte ein Stück weißes Holz und ein Stück Ebenholz; nachdem sie geleimt waren, hobelte ich sie miteinander, wodurch ich ein ganz ebenes weiß und schwarzes Täfelchen erhielt; hierauf setzte ich dasselbe dem Joddampf aus und legte es alsdann auf die Kupferplatte, wo sich dann nur der schwarze Streifen reproducirte. So fügte ich Kreide und einen schwarzen Stein, weiße und schwarze Seide zusammen und erhielt immer dieselben Resultate.

Alle diese Erscheinungen finden in der größtmöglichen Finsterniß, sowie auch im luftleeren Raume statt.

Ich wiederhole, daß wenn man die Gegenstände dem Joddampf zu lange ausgesetzt läßt, die weißen Stellen zuletzt sich damit imprägniren; doch stechen stets die dunkeln Stellen auf der Metallplatte stark davon ab.

Auch mit Chlor und Brom stellte ich Versuche an; ersteres lieferte dieselben Resultate wie das Jod; aber die Copie ist so schwach, daß man das Metall anhauchen muß, um ihrer gewahr zu werden, oder daß man die Kupferplatte dem Ammoniakdampfe und die Silberplatte dem Quecksilberdampfe aussetzen muß, damit sie deutlich zum Vorschein kommt.

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Mit Brom konnte ich nichts erhalten; alle Versuche hierüber stellte ich mit Silber- oder Kupferplatten an.

Eines Versuches glaube ich hinsichtlich der Theorie erwähnen zu müssen. Nachdem ich nämlich eine Schicht Stärkekleister auf eine silberplattirte Platte, wie man sie zur Daguerreotypie benutzt, und auf Kupfer aufgetragen hatte, setzte sich die Zeichnung eines Kupferstichs, welche ich auf der Kleisterschicht hervorzubringen beabsichtigte, auf das Metall fest, ohne auf der Kleisterschicht eine merkliche Spur zurückzulassen; es geht daraus klar hervor, daß das Jod in Folge einer größern Verwandtschaft als derjenigen zur Stärke, auf das Metall überging.

Zweiter Theil. Vom Phosphor.

Das Product der langsamen Verbrennung des Phosphors an freier Luft besitzt dieselbe Eigenschaft wie das Jod, sich auf die schwarzen Stellen aller Arten von Zeichnungen, von welcher chemischen Beschaffenheit sie auch seyn mögen, anzulegen.

Setzt man demnach einen Kupferstich dem Dampfe an der Luft langsam verbrennenden Phosphors aus, legt ihn hierauf auf eine Kupferplatte, die man dann einige Minuten unter die Presse bringt und setzt ihn hierauf dem Dampfe von Ammoniak aus, so erhält man eine ganz saubere und recht gut fixirte Zeichnung; beim Abheben des Kupferstichs von der Kupferplatte ist die Zeichnung noch ganz unsichtbar und es ist absolut Ammoniak erforderlich, um sie sichtbar zu machen, gerade so, wie wenn man sie auf einer Silberplatte erzeugen will, diese dem Quecksilberdampf ausgesetzt werden muß.

Ich zog schwarze und weiße Linien mit Oelfarbe auf Malerleinwand und setzte sie den Phosphordämpfen aus; nur die schwarzen Streifen erzeugten sich auf der Metallplatte wieder, also nur die schwarzen hatten sich mit Dampf imprägnirt, und, mit dem Kupfer in Berührung gebracht, wirkte die Dampfsubstanz auf das Metall, während die weißen Streifen, die sie nicht angenommen hatten, das Kupfer blank ließen. Als diese Platte dem Ammoniakdampf ausgesetzt wurde, trat das Bild recht sichtbar hervor.

Wie lange man auch einen Kupferstich dem Phosphordampf aussetzen mag, so imprägniren sich immer nur die schwarzen Stellen damit; wenn er aber lange ausgesetzt war, so erhält die Zeichnung auf der Platte den Anschein, als hätte man mit einem Stück Phosphor gezeichnet; und wenn man sie dem Ammoniakdampf aussetzt, so erscheint die Zeichnung gleichsam in Relief.

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Eine Silber- oder Kupferplatte, demselben Dampf ausgesetzt, reproducirt durch Berührung jede Art Zeichnung und zwar in positiven Abzügen. Es versteht sich, daß sie, um die Zeichnungen zum Vorschein zu bringen, dem Quecksilber- oder Ammoniakdampf ausgesetzt werden müssen.

Der Dampf des gelben an der Luft erhitzten Schwefelarseniks (Operments) ertheilt nach ungefähr 5 Minuten einem Kupferstich die Eigenschaft, sein eigenes Bild einer polirten Kupfer- oder Silberplatte, auf welche man ihn ohne alle weitere Behandlung aufdruckt, mitzutheilen. Diese Operation ist sehr leicht auszuführen und kann eben dadurch dem Kupferstecher mit Grabstichel sehr nützlich werden.

Dritter Theil. Von der Salpetersäure.

Salpetersäure gab mir folgende Resultate:

Wenn man einen Stich (gleichviel von welcher Zusammensetzung der Druckschwärze) dem aus reiner Salpetersäure sich entwickelnden Dampf aussetzt, ihn dann auf eine Silber- oder Kupferplatte legt und einige Minuten darauf liegen läßt, so erhält man eine sehr sichtbare negative Copie. Die weißen Stellen sind mit einem weißen Dampfe überzogen und die schwarzen Stellen sind das reine Kupfer.

Ein geölter Stich und mit Kohle auf weißes Papier gemachte Züge gaben dieselben Resultate. Ich setzte nun ein aus weißem Holz und Ebenholz zusammengesetztes Täfelchen demselben Dampfe aus und es reproducirte sich nur der weiße Streifen.

Ich muß bemerken, daß wenn man einen Kupferstich dem Dampfe dieser Säure lange ausgesetzt läßt, zuletzt die schwarzen Stellen imprägnirt werden wie die weißen, und die Metallplatte, auf welche man dann den Stich legt, sich mit einer gleichförmigen Schicht überzieht, welche keine Spur einer Zeichnung darbietet.

Ein Kupferstich kann zur Verfertigung nur eines einzigen, höchstens zweier Copien dienen; hierauf muß man ihn 24 Stunden an der Luft liegen lassen, ehe man sich desselben wieder bedient; oft reproducirt er sein Bild gar nicht mehr. Man ersieht hieraus, daß die Wirkung keine so entschiedene ist, wie beim Jod und Phosphor.

Dieser Dampf legt sich auch an Reliefs und erhabenen Rändern an; daher können Oelgemälde und trockene Stempel durch dieses Mittel sehr gut reproducirt werden.

Dieselben Wirkungen zeigt trockener Chlorkalk; nur muß derselbe etwas erwärmt werden, ehe man den Kupferstich dem sich entwickelnden |64| Dampfe aussetzt, welcher, wie die Salpetersäure, ein negatives Bild gibt.

Nachtrag.

Ich nahm Vogelfedern mit Schwarz und Weiß (aus dem Flügel der Elster oder dem Schwanze des Kibitzes) und setzte dieselben dem Joddampf aus; die schwarzen Stellen unterschieden sich von den weißen auf merkliche Weise; mit derselben Feder machte ich 8–10 Abdrücke auf Kupfer, die alle eine sehr deutliche Gränzlinie zwischen Schwarz und Weiß gaben.

Ich tauchte nun einen Kupferstich in Jodtinctur und erhielt zuletzt, nachdem ich mehrere Abzüge nacheinander auf gestärktes Papier gemacht hatte, eine ganz reine positive Copie, wie wenn ich mit Joddampf operirt hätte; dasselbe Resultat erhält man, wenn man den Kupferstich in Jodwasser taucht.

Ich muß bemerken, daß bei der Reproduction eines Kupferstichs alle schwarzen oder farbigen Punkte, deren es beinahe immer im Papierzeug gibt, sich wie die Striche des Kupferstichs wiedergeben; man muß sie in diesem Fall durch Betupfen mit Ammoniak oder sonst ein Mittel aus dem Abzug vertilgen.

Ehe ich die positiven Abzüge verlasse, um auf die negativen überzugehen, habe ich noch zu bemerken, daß mir Schwefelkies (Schwefeleisen) dieselben Resultate gab, wie Schwefelarsenik; doch ist letzteres vorzuziehen wegen der leichtern Ausführbarkeit des Verfahrens und weil es auf dem Kupferstich nicht die geringste Spur zurückläßt. Diese Zeichnungen widerstehen dem Scheidewasser.

Auch mit Quecksilberchlorid (Aetzsublimat) erhielt ich eine positive Copie; wenn man die Zeichnung mittelst Ammoniakdampf auf Kupfer überträgt, so tritt sie viel deutlicher hervor und ist sehr gut fixirt.

Ich komme jetzt auf die negativen Copien, die ich mit Körpern erhielt, welche die Eigenschaft besitzen, sich an den weißen Stellen eines Kupferstichs lieber anzulegen als an den schwarzen, wie z.B. die Salpetersäure. Folgende neuere Erfahrungen machte ich mit dieser. Ich tauchte Buchdruckerlettern in reine Salpetersäure (zog sie aber sogleich wieder heraus), brachte dieselben auf eine Kupferplatte und als ich sie nach einer gewissen Zeit wieder weghob, fand ich erhabene Schriftzeichen, die einer typographischen Platte ähnlich sahen.

Wenn man einen Kupferstich in Wasser taucht, welches mit Salpetersäure angesäuert ist, ihn dann so weit trocknen läßt, daß er nur noch etwas feucht ist, und ihn dann auf eine Metallplatte legt, so erhält |65| man einen gewöhnlich sehr deutlichen Abzug; sollte derselbe aber nicht deutlich seyn, so braucht man die Platte nur anzuhauchen, um die Zeichnung zum Vorschein zu bringen. Eine schwarz und weiße Feder, auf gleiche Weise behandelt, gab mir ebenfalls einen Abdruck, an welchem nur das Weiß hervorkam, das umgekehrte Resultat von demjenigen, wenn man die dem Joddampf ausgesetzt gewesene Feder auf dem Metall abdruckt.

Salzsäure hat ziemlich dieselbe Wirkung wie Salpetersäure; doch verdient letztere sehr den Vorzug.

Ich sagte, daß der Chlorkalk (unterchlorigsaurer Kalk), wenn man einen Kupferstich dem sich davon entwickelnden Dampf aussetzt, eine negative Copie gibt; es ist dieß das entgegengesetzte Resultat von demjenigen mit Chlor. Der Abzug fällt auch negativ aus, wenn man einen Kupferstich in Chlorkalklösung taucht, während er beim Einweichen desselben in reines Chlor positiv ausfällt.

Wenn man einen Kupferstich mit in Wasser aufgelöstem Chlorkalk in Berührung bringt oder mit dem Dampf, den derselbe erwärmt von sich gibt, so werden, wenn man diesen Kupferstich auf blaues Lackmuspapier legt, die weißen Stellen desselben weiß reproducirt, während, wenn der Kupferstich dem Chlorwasser oder dem Dampfe desselben ausgesetzt wurde, die schwarzen Stellen roth hervorkommen. Doch muß, um diese Resultate zu erhalten, namentlich beim Chlorkalk, die Temperatur auf ungefähr 32° R. erhöht werden. Dieselben Wirkungen finden auf Silber und auf Kupfer statt.

Ueber die Photographie auf Glas.

Ich theile meine bisherigen Erfahrungen hierüber mit, zweifle aber nicht, daß Versuche, welche durch geübtere Hände unter günstigern Umständen angestellt werden, zu raschen Fortschritten Veranlassung geben werden.

Die von mir eingeschlagenen Verfahrungsweisen lieferten befriedigende, wenn auch nicht vollkommene Resultate; da alles von der Zubereitung der Platte abhängt, glaube ich das beste Verfahren zur Bereitung des Kleisters vorausschicken zu müssen.

Ich nehme 5 Gramme Stärkmehl, die ich mit 5 Grammen Wasser anrühre, welchen ich dann noch weitere 95 Gramme zusetze; hierauf mische ich 35 Centigr. Jodkalium, in 5 Grammen Wasser aufgelöst, hinzu. Ich setze das Ganze auf das Feuer; lasse, nachdem die Stärke gekocht ist, erkalten; passire es dann durch ein Leinentuch und gieße es auf Glasplatten, deren Oberfläche ich möglichst gleich damit überziehe. |66| Nachdem dieselben unten abgetrocknet sind, lege ich sie auf eine vollkommen horizontale Fläche, um sie darauf an der Sonne oder in einem geheizten Zimmer recht schnell trocknen zu lassen und einen Ueberzug ohne Riffe zu erhalten, d.h. damit das Glas sich nicht mit Kreisen überzieht, welche minder dick sind als andere Stellen (was meines Dafürhaltens durch das Jodkalium bewirkt wird). Ich bemerke, daß das Stärkmehl immer in einem Porzellangefäße gekocht werden muß und daß die Quantität von 5 Grammen zum Ueberziehen von 10 Stücken sogenannter Quart-Platten hinreicht. Man ersieht hieraus, daß man leicht eine große Menge Platten auf einmal Präpariren kann. Es muß auch darauf geachtet werden, daß keine Luftbläschen im Ueberzug bleiben, welche eben so viele kleine Löchlein im Lichtbild hervorbringen würden.

Ist die Platte so hergerichtet, so braucht man nur essigsalpetersaures Silber mittelst eines in diese Flüssigkeit öfters eingetauchten Papiers, auf dieselbe aufzutragen; hierauf nimmt man ein zweites, mit destillirtem Wasser getränktes Papier und fährt damit über die Platte. Ein anderes Verfahren besteht darin, die Stärkeschicht vorher mit destillirtem Wasser zu tränken, ehe man das essigsalpetersaure Silber aufträgt; im letztem Fall fällt das Bild wohl viel schwärzer aus, muß aber dem Lichte etwas länger ausgesetzt werden als beim ersten Verfahren.

Man bringt hierauf die Platte in die Camera obscura und läßt sie etwas länger darin, als wenn man es mit nach dem Blanquart'schen Verfahren bereiteten Papier11) zu thun hätte. Doch erhielt ich an der Sonne in 20–25 Secunden, und im Schatten in 1 Minute recht schwarze Bilder. Wenn man die Platte etwas erwärmt, braucht man noch weniger Zeit. Die Operation geht dann fort wie bei Papier, d.h. man bedient sich der Gallussäure, um die Zeichnung zum Vorschein zu bringen, und des Bromkaliums um sie zu fixiren.

Dieses ist das erste Verfahren, welches ich anwandte; als ich aber auf den Gedanken kam, mich des Albumins (des Eiweißes) zu bedienen, fiel die Operation in jeder Hinsicht besser aus und ich glaube daher, daß letzterm der Vorzug zu geben ist.

Meine Platten präparirte ich wie folgt: ich nahm von dem Eiweiß (das je frischer, desto klebriger ist) das klarste (das eiweißhaltige Wasser), brachte in dasselbe Jodkalium, goß es auf die Platten aus und ließ es |67| bei gewöhnlicher Temperatur trocknen (wäre die Temperatur zu hoch, so würde die Eiweißschicht Risse bekommen). Soll operirt werden, so wird das essigsalpetersaure Silber aufgetragen, indem man es so über die Platte gießt, daß ihre ganze Oberfläche auf einmal davon überzogen wird; noch besser ist es, sie in diese Flüssigkeit zu tauchen, um einen recht gleichförmigen Ueberzug zu erhalten.

Das essigsalpetersaure Silber macht das Albumin im Wasser unauflöslich und ertheilt ihm eine starke Adhäsion zum Glase. Mit dem Eiweiß muß es dem Licht etwas länger ausgesetzt werden als mit Stärke; auch die Einwirkung der Gallussäure muß hier länger dauern; hingegen wird auf diese Weise eine merkwürdige Reinheit und Feinheit der Züge erreicht, welche dereinst die Vollkommenheit eines Bildes auf der Silberplatte noch erreichen dürften.

Ich machte auch den Versuch mit Thierleim; derselbe gab ebenfalls sehr reine Zeichnungen (namentlich wenn er filtrirt wurde, was bei allen Gallerten nothwendig ist); dieselben lösen sich aber zu leicht im Wasser auf. Will man Stärke anwenden, so muß die feinste ausgewählt werden.

Nach den eben angegebenen Verfahrungsweisen erhielt ich negative Bilder. Positive machte ich keine; kann also auch nicht davon sprechen; ich vermuthe aber, daß man dabei verfahren kann wie beim Papier, oder indem man die Substanzen in das Stärkmehl bringt, aber nicht in das Eiweiß, welches sogar nicht durch die Kochsalzlösung Passiren darf. Bei Anwendung von Eiweiß muß die Platte in das Silberbad getaucht werden.

Um für Lichtbilder das Papier beibehalten zu können, rathe ich, dasselbe mit einer oder zwei Schichten Kleister oder Eiweiß zu überziehen; man erhält dann dieselbe Reinheit der Zeichnung wie bei den Copien, die ich mit Jod machte; doch glaube ich wird letzteres behufs der Photographie nie einen harten und glatten, mit einer merklichen Schicht überzogenen Körper ersetzen können.

Ich muß noch bemerken, daß man auf Opalglas sehr schöne positive Bilder erhalten kann.

Ist nicht zu hoffen, daß man durch dieses Verfahren dahin käme, auch Bilder von dem Lithographirsteine abzuziehen, wäre es auch nur durch Behandlung der reproducirten Zeichnung mit dem Crayon, wenn die andere Schwärzung sich nicht machen ließe? Ich erhielt sehr schöne Bilder auf einem mit einer Eiweißschicht überzogenen Schieferstein |68| (Oelstein). Auf diese Weise könnten die Graveurs in Kupfer und in Holz Bilder erhalten, die sehr leicht zu reproduciren wären.12)

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Man vergl. polytechn. Journal Bd. CVI S. 365.

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Hr. Chevreul hat der franz. Akademie der Wissenschaften bereits eine Abhandlung über die Theorie der Reproduction von gravirten, gezeichneten oder gedruckten Bildern nach Niepce's Verfahren eingereicht, welche wir aus den Comptes rendus im folgenden Hefte nachtragen. A. d. R.

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