Titel: Penot, über das Zerspringen gläserner Röhren und Cylinder.
Autor: Penot,
Fundstelle: 1848, Band 107, Nr. LXVI. (S. 285–287)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/ar107066

LXVI. Bericht des Hrn. Penot über Bontemps' Abhandlung: das Zerspringen gläserner Röhren und Cylinder betreffend.38)

Aus dem Moniteur industriel, 1847 Nr. 1176.

Hr. Bontemps ist der Meinung daß gewisse Glaswaaren wegen Mangels gehöriger Kühlung leicht, zuweilen schon durch die geringste Reibung, brechen. Diese Ansicht ist sehr wahrscheinlich und wurde auch als mögliche Ursache dieses Uebelstandes von der Mülhauser Industrie-Gesellschaft in der bezüglichen Preisaufgabe erwähnt. Allein es wäre zu wünschen gewesen, daß dabei in die speciellen Ursachen eingegangen worden wäre, welche diese Erscheinung meistentheils veranlassen.

Einige Beispiele solchen Zerspringens werden darthun, wie schwer die Erklärung ist. Man bringe ein kleines Stück Metalldraht ganz leicht in eine Barometerröhre und lege diese auf einen Tisch. Es wird oft der Fall eintreten, daß sie mit Geräusch zerspringt, und zwar sogleich oder nach einigen Minuten; manchmal sogar erst nach einer Viertelstunde oder einer Stunde.

Eine ähnliche Erscheinung beobachtete man an Flaschen mit eingeriebenen Stöpseln, bei welchen die Tubulatur bloß in Folge der Reibung des Stöpsels, oft erst mehrere Stunden nach dem Verstopfen derselben, |286| sich vom Gefäß ablöste. Ich fand sogar in meiner verschlossenen Kammer, worin sich der Glasvorrath für mein Laboratorium befindet und in welche außer mir niemand kömmt, diese Trennung bei Flaschen, welche seit mehreren Monaten nicht angerührt worden waren.

Von 3 Duzend Lampenzuggläsern, die einmal auf einen Tisch niedergelegt wurden, fand man am andern Tag nur noch 5 Stücke ganz, ohne daß sie jemand berührt hatte.

Bei Stengelgläsern welche schon lange zum Reagiren gedient hatten, kam es zuweilen vor, daß der Fuß sich ablöste, nachdem eine bei gewöhnlicher Temperatur angewandte Flüssigkeit darin umgerührt worden war. Dasselbe sah ich bei Probirgläsern, welche mehrere Monate nicht benutzt worden waren, ohne daß ich die Ursache hätte ergründen können.

Will man nun auch mit Hrn. Bontemps annehmen, daß diese Fälle nur bei schlecht gekühltem Glas eintreten, so bleiben doch noch immer die besondern Umstände, welche sie begleiten oder hervorrufen, zu erklären übrig. Wenn das Brechen Folge einer Erzitterung ist, welche die Molecüle eines schlecht gekühlten Glases sogar durch eine schwache Reibung erfahren, wie kömmt es dann daß es oft erst sehr lange Zeit nach der Reibung, wo vorauszusetzen ist daß alle Erzitterung aufgehört habe, eintritt? Ebenso schwierig erklärt sich das Brechen von Glas, welches gar nicht berührt wurde und nur etwa kleine Temperatur-Veränderungen, wie sie in einem Zimmer stattfinden können, erlitten hatte, die übrigens zu gleicher Zeit sich auf alle Theile desselben erstrecken mußten.

Hinsichtlich der Mittel gegen das leichte Brechen des Glases ist es wahrscheinlich, daß wenn es die gezwungene Spannung seiner Molecüle gänzlich verlieren soll, die Erhitzung desselben nicht bloß bis nahe zum Schmelzpunkt, sondern bis zur völligen Schmelzung vorgenommen werden muß. Hr. Bontemps hält es für hinreichend, das Glas in siedendem Wasser zu erhitzen und allmählich erkalten zu lassen. Bekanntlich widerstehen die Porzellanschalen welche so behandelt wurden, unter Zusatz von etwas Asche zum Wasser, der Einwirkung der Hitze besser, und es brechen so behandelte Schüsseln weniger leicht beim Eingießen heißer Flüssigkeiten. Derartige Versuche sollten auch mit Glas angestellt werden.

Die von Hrn. B. angegebenen Mittel, um die zu schnelle Kühlung eines Glases zu erkennen, das Reiben nämlich mit einem harten Körper, oder die Wärme-Erzeugung durch Reibung, um zu sehen ob ihnen das Glas widersteht, können nach den oben angeführten Thatsachen |287| wohl nicht genügen, weil das Glas manchmal eine solche Reibung aushält und später unter dem scheinbaren Einfluß derselben Ursachen dennoch bricht.

Die von Hrn. B. vorgeschlagene Probe mit dem Polarisations-Apparat hat den Mangel, daß sie nur mit Stücken schon zerbrochenen Glases vorgenommen werden kann und auch nicht hinlängliche Gewißheit gewährt. Allerdings polarisirt schlecht gekühltes Glas das Licht, indem es dasselbe zersetzt; allein aus den Versuchen mehrerer Physiker, namentlich von Biot, Brewster und Seebeck, geht hervor daß das Glas diese Eigenschaft auch erhält, sobald seine Zusammensetzung nicht ganz gleichartig ist, oder seine Molecüle sich nicht alle in demselben physischen Zustande befinden; da dieß nun auch bei gepreßtem, ungleichmäßig erwärmtem Glas etc. der Fall ist, so könnte der Fall eintreten, daß ein Glas für schlecht gekühlt betrachtet würde, bei welchem dieser Fehler nicht stattfindet.

Polytechn. Journal Bd. CVI S. 358.

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