Titel: Ueber ein einfaches Mittel, das Ausweichen der Wagenräder aus den Schienen auf den Eisenbahnen zu verhindern; von Crelle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 1 (S. 74–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi01_1

Ueber ein einfaches Mittel, das Ausweichen der Wagenräder aus den Schienen auf den Eisenbahnen zu verhindern; von Crelle.

Dieses Ausweichen der Wagenräder verursacht, wie es die Erfahrung gelehrt hat, die schwersten, und auch wohl die häufigsten Unfälle Achsen- und Radbrüche, Schäden durch das Feuer und durch das Springen von Kesseln und Dampfröhren sind weniger gefährlich und weniger häufig. Gerade gegen die größte Gefahr, des Ausweichens der Räder aus den Schienen, ist aber jetzt auf Eisenbahnen der Schutz so gering und so unzureichend, daß es Fälle gibt, wo der Unfall nothwendig entstehen muß, und daß zu verwundern ist, daß er nicht noch öfter vorkommt. Der einzige Schutz gegen das Uebel besteht jetzt allein in den 1, höchstens 1 1/2 Zoll hohen Spurkränzen der Wagenräder, und wenn irgendwo bei dem Stoß zweier Schienenstücke das eine über, oder auch neben das andere vorspringt, oder eine Schiene stark abhängig sich gesenkt hat, so kann es, da die Wagen, auch auf schnurgrader Bahn niemals geradlinig, sondern immer in einer langgestreckten Schlangenlinie fortrollen, sehr wohl kommen, daß der Spurkranz eines Rades auf den Kopf der Schiene hinaufgesprengt wird, wo er dann auch unfehlbar an der äußeren Seite der Schiene von ihr hinunterrollt.

Nun gibt es, diesen Unfall zu verhindern, ein sehr einfaches, vollkommen sicheres und verhältnismäßig wenig kostbares Mittel, was auch schon, z.B. bei Dublin, |75| angewendet worden ist. Es besteht in hölzernen Schutzschienen, die man längsaus, parallel mit den eisernen Schienen und zwischen denselben, auf das Grundwerk der Bahn befestigt. Der Aufsatz des Obengenannten, der in Kurzem gedruckt und nebst der Zeichnung öffentlich bekannt gemacht werden wird, weist im Einzelnen nach, auf welche Weise die Schutzschienen angebracht werden müßten, damit sie die verschiedenen Bedingungen für ihre Leistungen erfüllen. Sie dürfen nämlich den Lauf der Räder, so lange dieselben in den eisernen Schienen bleiben, durchaus nicht hindern oder hemmen, sondern müssen nur dann erst von den Rädern berührt werden, wenn ein Spurkranz auf die eisernen Schienen hinaufgelangt ist, und dann die Räder in die Bahn zurücktreiben. Dabei müssen sie so stark und fest seyn, daß kein jemals hier vorkommender Seitendruck sie wegschieben kann. Die Schutzschienen bestehen in 6 Zoll breiten und 8 Zoll hohen Hölzern, die auf die Enden von Querhölzern aufgekämmt werden, welche ihrerseits in die Quer-Unterlagen der Bahn eingekämmt und in dieser Einkämmung durch Schraubenbolzen festgehalten werden, auf welche Weise keine Gewalt vermag sie aus ihrer Stellt zu rücken, während sie so hoch über die eisernen Schienen emporragen, daß die Räder niemals über sie hinwegspringen können, so daß sie also, so angeordnet, in der That einen vollkommen sichern Schutz gewähren.

Der Aufsatz berechnet, daß die Kosten dieser Schutzschienen, die sich auch sehr wohl an schon vorhandenen Eisenbahnen anbringen lassen, die durchschnittlichen Kosten einer Eisenbahn um etwa 5 Proc. erhöhen, daß ihre Erhaltungskosten etwa 2 pro mille der Baukosten der Eisenbahn wegnehmen würden und daß, wenn z.B. der Reinertrag einer Eisenbahn 5 Proc. des Anlage-Capitals beträgt, dieser Ertrag entweder um 4 1/2 pro mille vermindert werden würde, oder daß, wenn die Verminderung nicht stattfinden soll, die Fahrpreise um 9 Proc. erhöht werden müssen. Das letztere ist aber auch ohne alles Bedenken vollkommen zuläßlich, und es ist gewiß nicht zu fürchten, daß deßhalb die Benutzung der Eisenbahn abnehmen würde. Sie würde eher zunehmen. Denn, wenn z.B. Jemand jetzt für eine 20 Meilen lange Fahrt 1 1/2 Thaler bezahlt, wird er auch gewiß mit Freuden noch 4 Sgr. mehr zahlen, wenn er nun versichert ist, nicht mehr verstümmelt oder gar getödtet zu werden. Die Eigenthümer der Eisenbahnen aber würden, während ihre Einnahme sich nicht vermindert, noch den Gewinn haben, daß ihnen dann weniger Wagen durch Unfälle zerbrochen werden, während die Verstümmelung und Tödtung von Menschen, die sich abwenden läßt, nicht mehr ihr Gewissen belastet. Auch noch die Unfälle von Achsen- und Radbrüchen würden die hölzernen Schutzschienen mildern. Der Aufsatz des Verfassers ermahnt daher dringend an die Benutzung dieses sichern Schutzmittels. (Aus dem Bericht über die Verhandlungen der königl. preuß. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, durch Böttger's polytechn. Notizblatt, 1847, Nr. 20.)

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