Titel: Ueber das Oeffnen der Flaschen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 3 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi01_3
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Ueber das Oeffnen der Flaschen.

Nicht selten haften Glasstopfen durch die in dem Schlusse festgesetzten verschiedenen Stoffe so stark, daß man sie mit der einfachen Kraft der Hand nicht losmachen kann. Würde man an einen solchen Stopfen eine Zange oder Hebel anbringen, um ihn mit Gewalt zu lösen, so liefe man Gefahr, den Griff vom Stopfen abzubrechen. Man muß deßhalb aus der Dicke der Verbindungsstelle beider ungefähr beurtheilen, wie stark man drehen dürfe, ohne Gefahr zu laufen, das erwähnte Unglück anzurichten. Geht der Stopfen in dieser Art nicht los, so muß man andere Mittel anwenden Das wirksamste ist hiebei unstreitig das rasche Erwärmen des Halses in einer kleinen Weingeiststamme. Es beruht darauf, daß der Hals der Flasche, der zuerst erwärmt wird, sich auch zuerst ausdehnt, wodurch sein Volum sich vergrößern muß. Der Stopfen aber, der sich noch nicht ausdehnt, wird seine Dimensionen behalten und sich in den erweiterten Oeffnungen drehen lassen. Man hat deßhalb dahin zu sehen, daß die Erwärmung des Halses möglichst rasch geschehe, damit die Wärme nicht Zeit habe, auch in den Stopfen überzugehen und diesen ebenfalls auszudehnen. Zu diesem Zweck halte man den Hals der horizontal gehaltenen Flasche unmittelbar in die volle Flamme einer kleinen Weingeistlampe mit einfachem Dochte, und drehe sie rasch in dieser Lage um ihre Achse, um alle Stellen gleichförmig zu erwärmen. Nach einigen Secunden versucht man mit einer kraftvollen Drehung, ob sich der Stopfen gelöst habe, was in den meisten Fällen stattfindet. Gelingt es nicht zum erstenmal, so führe man den Hals schnell wieder in die Flamme, und versuche nach einigen Augenblicken wieder zu drehen, oder man schlage mit einem hölzernen Messerstiele von unten an den Griff des Stopfens. Löst sich der Stopfen, so lasse man ihn so lange von der Flasche, bis der Hals wieder vollkommen erkaltet ist; ohne dieß könnte er durch Zusammenziehung des Halses sich noch einmal klemmen. Ist der Inhalt der Flasche brennbar, so gebrauche man die kleine Vorsicht, ein Gefäß mit Wasser bei der Hand zu haben; man kann nämlich nicht wissen, durch welchen Zufall die Flasche zerbrechen und ihr Inhalt in Flammen gerathen möchte. Wäre der Inhalt Aether, so ist die Operation sehr gefährlich, man dürfte sie nur im Freien versuchen, die Flasche selbst in einem nassen Tuche fassen, und reichliches Wasser in offenen Gefäßen daneben stehen haben. In diesem Falle wäre statt der Spirituslampe Wohl besser, kochend heißes Wasser, was man aus einem Gefäße mit dünnem Ausguß über den Hals der Flasche gießen würde. In allen anderen Fällen ziehe ich die Spirituslampe vor, schon weil sie besser disponibel ist. Den Hals durch Reiben mit einem mehrmal umschlungenen Bindfaden zu erhitzen, ist minder bequem, erfordert (wenn man das eine Ende des Fadens nicht irgendwo befestigt) die Hülfe zweier Menschen, und die Wirkung dehnt sich auch in der Breite nicht so vollständig aus, wie die einer Flamme oder des heißen Wassers. (Mohr's Lehrbuch der pharm. Technik, S. 298.)

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