Titel: Ueber das Färben des Elfenbeins.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 7 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi01_7

Ueber das Färben des Elfenbeins.

Das Färben oder Beizen des Elfenbeins, welches mit Billardbällen, Spielmarken, Schachfiguren u.s.w. vorgenommen wird, stimmt mit dem Färben der Knochen beinahe vollkommen überein. Unter den zahlreichen Vorschriften hiezu sind folgende nach K. Karmarsch ganz zuverlässig:

1) Schwarze Farbe. Man legt das Elfenbein mehrere Stunden lang in eine verdünnte Auflösung des krystallisirten salpetersauren Silberoxyds (Höllensteins), welche keine überschüssige Säure enthält, worauf es beim Liegen durch die Einwirkung des Tageslichtes eine schwarze, etwas ins Grüne ziehende Farbe annimmt. Eine tief und schön schwarze Farbe erhält man, wenn das Elfenbein zuerst in einem durch Leinwand geseihten Blauholzabsude, und dann in Eisenvitriollösung oder essigsaurer Eisenoxydlösung gekocht wird.

2) Blaue Farbe. Schwefelsaure Indigauflösung, welche man mit Wasser verdünnt hat, erzeugt eine schöne blaue Farbe auf dem Elfenbeine, wenn man dieses in der Flüssigkeit liegen läßt, bis die verlangte Schattirung zum Vorschein kommt. Ist die Auflösung zu concentrirt, so greift die freie Schwefelsäure das Elfenbein an, erweicht es, und macht dessen Oberfläche uneben und rauh.

3) Grüne Farbe. Diese wird erhalten, wenn man das blaugefärbte Elfenbein einige Augenblicke in sehr verdünnte Zinnauflösung (Zinnchlorür), und dann in eine rein durchgeseihte heiße Abkochung von Gelbholz legt.

4) Gelbe Farbe. Man legt das Elfenbein einige Minuten lang in Wasser, dem man etwas Zinnsalzlösung zugemischt hat, dann sogleich im heißen Gelbholzabsud, welchen man durch Leinwand filtrirt hat. Die Farbe wird orange, wenn man dem Gelbholze bei der Abkochung ein wenig Fernambukspäne zusetzt. Eine sehr schöne und zugleich am Lichte nicht ausbleichende gelbe Farbe liefert das chromsaure Bleioxyd, welches auf dem Elfenbeine erzeugt wird, indem man letzteres zuerst in einer Auflösung von chromsaurem Kali, dann aber in Bleizuckerlösung kochen läßt. Um eine schöne hellgelbe Farbe hervorzubringen, reicht es auch schon hin, das Elfenbein 12 bis 18 Stunden lang in der concentrirten Auflösung des neutralen chromsauren Kali liegen zu lassen.

5) Rothe Farbe Wird das Elfenbein, nachdem es einige Minuten mit sehr verdünnter Zinnsalzlösung gebeizt worden ist, in ein kochend heißes, filtrirtes Decoct von Fernambukholz gelegt, so nimmt es eine vortreffliche rothe Farbe an, welche man durch Zusatz von Cochenille beim Absieden des Holzes noch verschönern kann. Gelbholz zieht die Farbe desto mehr ins Gelbe, je mehr man davon dem Fernambukholze zusetzt. Legt man das roth gefärbte Elfenbein in eine sehr schwache Auflösung von Potasche, so wird es kirschroth.

6) Violette Farbe. Diese wird erhalten, wenn man zuerst die obige Beize von Zinnsalzlösung, und dann einige Augenblicke lang einen heißen Blauholzabsud anwendet. Ist der letztere mit Wasser verdünnt, so entsteht Lilas. Wird das violett gefärbte Elfenbein in Wasser gelegt, welchem man einige Tropfen Salpetersäure beigemischt hat, so wird es schön purpurroth.

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Ueber das Färben im allgemeinen ist zu bemerken, daß dasselbe am besten vor dem Poliren vorgenommen wird. Das Elfenbein nimmt im polirten Zustande die Farben weniger gut an, und das nachfolgende Poliren nutzt die Oberfläche nicht so sehr ab, daß die Farben darunter Schaden leiden könnten. Doch müssen die Stücke nach dem Färben schon völlig wieder getrocknet seyn, wenn man sie polirt. Wenn die Farbe steckig ausgefallen ist, so läßt sich dieser Fehler oft dadurch ziemlich verbessern, daß man durch Reiben mit feingepulverter Kreide die dunkelsten Stellen blasser macht und dann noch einmal färbt. Wenn zum Färben eine heiße Flüssigkeit angewendet worden ist, so muß das Elfenbein nach dem Herausnehmen unmittelbar in kaltes Wasser gelegt werden, denn diese Stücke reißen sehr leicht, wenn jene Vorsicht vernachlässigt wird. (Prechtl's technologische Encyklopädie, Bd. V S. 257.)

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