Titel: Leonhard's elektrischer Telegraph; von Dr. Garthe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 2 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi02_2

Leonhard's elektrischer Telegraph; von Dr. Garthe.

Im gegenwärtigen Augenblick ist die Köln-Mindener Eisenbahn-Direction damit beschäftigt, die Wegstrecke von Deutz nach Minden mit einem elektrischen Telegraphen versehen zu lassen. Sie entspricht dadurch einem einer jeden Eisenbahn in so vielen Beziehungen notwendigen Bedürfnisse, indem sie dadurch vor allem das Leben der sich ihr anvertrauenden Personen in einem bedeutend erhöhten Grade in Schutz nimmt.

Die Wahl eines der vielfachen elektro-telegraphischen Systeme zur definitiven Einführung steht bevor, und es sind drei derselben, von den Erfindern selbst, zwischen den Stationen Deutz, Mülheim, Küpersteg und Langenfeld aufgestellt und zu verschiedenen Zeiten in ihren Leistungen beobachtet worden, wobei es dem Verfasser gestattet war, mehrmals den Versuchen beizuwohnen. Nur der Leonhard'sche Telegraph durfte in allen seinen Einrichtungen untersucht werden, während die beiden anderen, der HHrn. Fardely und Dr. Cramer, zum großen Theile unter versiegeltem Verschlusse waren. Aus den beiden letzteren konnte der Verfasser mit Sicherheit entnehmen und hat es bei den Versuchen bestätigt gefunden, daß der Leonhard'sche Telegraph zwei Eigenthümlichkeiten besitzt, die diesen abgehen, und die eine große Sicherheit bei der Anwendung herbeiführen. Diese beiden Merkmale sind: 1) die größere Unabhängigkeit des Ganges der Maschine von dem Willen des Telegraphisten; 2) die sinnreiche Einführung der Gegenkette zur vollständigen Vernichtung des im Elektro-Magnet gebliebenen Rückstandes magnetischer Kraft.

Nach der Leonhard'schen Einrichtung treibt ein zu diesem Zwecke eigens angebrachtes Uhrwerk den Zeiger auf der Zeigerscheibe umher und der Telegraphist arretirt nur durch den Druck auf eine Feder und stellt so den Buchstaben oder das Zeichen fest, welches er zu geben beabsichtigt; er kann nie durch ein zu schnelles Drehen den großen Uebelstand herbeiführen, daß ein Ueberspringen oder ein Hängenbleiben des Zeigers eintritt, was bei Einrichtungen, die dieses Uhrwerk nicht besitzen, durch die Unachtsamkeit des den Telegraphen Bedienenden stets möglich ist.

Die sichere Wirksamkeit eines jeden elektrischen Telegraphen ist ferner nothwendig dadurch bedingt, daß der vor dem Elektro-Magnet liegende Anker zu der Zeit, wo er abfallen soll, auch wirklich abfalle. Dieß bewirkt Hr. Leonhard durch seine Erfindung der Gegenkette (im preußischen Staate patentirt). die er durch eine sehr ingeniöse Construction in dem Augenblicke zur Thätigkeit treibt, wo das Residuum der magnetisch störenden Kraft vernichtet werden muß. Und diesen Dienst leistet die Maschine vollständig, während sie, wenigstens in dieser vollständigen Art, den beiden |156| anderen Vorrichtungen abgeht. Die zwischen den Anker und die Pole des Magnets gelegten Lagen von Papier entsprechen ihrem Zwecke aus leicht zu übersehenden Gründen bei weitem nicht zureichend.

Was Hrn. Fardely's Telegraphen vor denen der beiden anderen einen Vorzug gibt, ist das Arbeiten mit offener Kette – eine Abänderung, welche Hr. Leonhard bei weiter bevorstehenden Constructionen ebenfalls an seinen jetzigen Einrichtungen herbeizuführen gedenkt.

Ein schnelleres Arbeiten ist mit den Telegraphen der HHrn. Fardely und Cramer möglich, aber nach des Obigen Ueberzeugung nur auf Unkosten Wünschenswerther Sicherheit. (Eisenbahn-Zeitung, 1847 Nr. 51.)

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