Titel: Vaucher's Antifrictions-Metall für Radbüchsen, Zapfenlager etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 2 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi03_2

Vaucher's Antifrictions-Metall für Radbüchsen, Zapfenlager etc.

Hr. Dulong, Oberingenieur der Eisenbahn von Paris nach Sceaux, theilte der Société d'Encouragement seine Beobachtungen über die Legirung aus drei Metallen mit, welche der Baron Vaucher erfand und in Frankreich sich patentiren ließ.

„Diese Legirung ist wesentlich verschieden von dem Antifrictionsmetall der HHrn. Grafton und Goldsmith (polytechn. Journal Bd. XCVI S. 81), obgleich das Zink ebenfalls ihr vorherrschender Bestandtheil ist. Vaucher's Legirung hat keine unwandelbare Zusammensetzung, sondern man ändert dieselbe nach den Zwecken ab, wozu sie bestimmt ist; ihre Farbe ist graulichweiß; sie hat mehr Glanz als Zink und |236| etwas weniger als Zinn; ihr Bruch zeigt einen sehr starken Metallglanz und eine blätterige Krystallisation, sehr ähnlich derjenigen des Zinks. Sie ist leicht zu bearbeiten, nimmt eine schöne Politur an und fühlt sich merklich fettig an; ihre Harte und Dehnbarkeit sind nicht gleichbleibend, sondern variiren mit dem Verhältniß ihrer Bestandtheile; ihre Schmelzbarkeit, welche ebenfalls von der Zusammensetzung abhängt, stimmt ziemlich mit derjenigen des Zinks überein.

Dieser großen Schmelzbarkeit verdankt die neue Legirung die meisten ihrer schätzbaren Eigenschaften; dieselbe gestattet nämlich zu vielen Zwecken das Formen in Sand durch den Schalenguß zu ersetzen, so daß alle Handarbeit erspart wird, welche das Ueberarbeiten der in Sand gegossenen Artikel erfordert. Für Zapfenlager, Radbüchsen etc. gestattet diese Schmelzbarkeit der Legirung, das Metall in dünner Schicht mit ihr zu überziehen, so daß ein ähnliches Resultat erzielt wird, wie durch die Einsatzhärtung, nämlich eine harte Oberfläche und eine hämmerbare Hülse; dadurch lassen sich solche Gegenstände sehr wohlfeil herstellen und in brauchbarem Zustand unterhalten, weil man bloß die reibende Oberfläche zu erneuern braucht, ohne das ganze Stück zu ersetzen.

Um sicher zu seyn, daß sich der Ueberzug wegen seiner geringen Dicke nicht ablöst, verzinnt man das zu überziehende Stück; wenn es aus Bronze besteht, kann man es mit der Metalllegirung selbst verzinnen, nachdem man seine Oberfläche zuvor erneuert hat.

Da Vaucher's Legirung so leichtflüssig ist, so hat man auch keine Blasen zu befürchten und kann sich mittelst des Schalengusses die Kruste der gegossenen Stücke erhalten, welche dann viel dauerhafter sind, weil ihre Oberfläche immer viel härter als das Innere ist.

Für Radbüchsen, Zapfenlager etc. gewährt Vaucher's Legirung endlich noch den großen Vortheil, daß sie die Achsen conservirt und überhaupt alle eisernen Theile welche sich gegen sie reiben.

Die Versuche mit der neuen Metalllegirung, welche seit acht Monaten auf der Eisenbahn von Paris nach Sceaux fortgesetzt wurden, ergaben: 1) daß die Wagenbüchsen für Personenwagen dadurch um mehr als die Hälfte wohlfeiler hergestellt werden können; 2 daß die Büchsen nach dem Durchlaufen von 10,000 Kilometer keine merkliche Abnützung zeigten; 3) daß die Achsenspindeln sich in solchen Büchsen vollkommen conserviren und daß man auch viel weniger Schmiere braucht als bei den bronzenen Büchsen.

Anstatt neue Büchsen anzuschaffen, lassen wir jetzt die abgenutzten bronzenen Büchsen innen mit Vaucher's Legirung überziehen; in kurzer Zeit werden alle unsere Räder mit diesen neuen Büchsen versehen seyn.“ (Bulletin de la Société d'Encouragement, November 1847, S. 664.)

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