Titel: Ueber die elektrischen Telegraphen der HHrn. Leonhardt und Dr. Kramer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 1 (S. 311–312)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi04_1

Ueber die elektrischen Telegraphen der HHrn. Leonhardt und Dr. Kramer.

Im zweiten Januarheft des polytechn. Journals S. 155 befindet sich ein Artikel vom Dr. Garthe aus Nr. 51 der Eisenbahnzeitung von 1847, welcher mehrfach einer Berichtigung bedarf, die auch seiner Zeit in der Kölnischen Zeitung bereits von Dr. Kramer selbst gegeben, von jenem Berichterstatter aber nicht beachtet worden ist. Es erscheint daher nothwendig, das Wesentliche jener Berichtigung hier noch einmal kurz zu wiederholen.

Hr. Dr. Garthe spricht dem Leonhardt'schen Telegraphen zwei Vorzüge vor denen des Hrn. Fardely und Kramer zu, nämlich: 1) die größere Unabhängigkeit der Maschine von dem Willen des Telegraphisten; 2) die sinnreiche Einführung der Gegenkette zur vollständigen Vernichtung des im Elektromagnet gebliebenen Rückstandes magnetischer Kraft.

Was den erstern Punkt betrifft, so ist zu bemerken, daß die Direction der Köln-Mindener-Eisenbahngesellschaft, bei welcher die HHrn. Leonhardt und Kramer concurrirten, sich bewogen gefunden hat, anstatt Dr. Kramer's mit Tasten versehenen Zeichengebers, welcher die oben gerühmten Vorzüge der Leonhardt'schen Zeichengebung in bei weitem erhöhtem Maaße gewährt, den andern (desselben Herrn), bloß mit der Hand umzudrehenden zu wählen, bei dessen Einführung es allerdings denkbar ist, daß ein sehr unvorsichtiger Telegraphist die Gränze der Geschwindigkeit, deren die Zeichenbringer fähig sind, überschreiten und folglich eine Wiedereinstellung der Apparate nothwendig machen könne. In der praktischen Anwendung hat der arbeitende Beamte den Kramer'schen Apparat „mehr in der Gewalt“ als den Leonhardt'schen, wenn nicht bei letzterem die angestrengteste Aufmerksamkeit angewandt wird, wie sich dieß bei jener Concurrenz evident herausstellte.

Den zweiten Punkt betreffend, ist die vollständige Vernichtung des im Elektromagnet gebliebenen Rückstandes magnetischer Kraft für den Zweck der Telegraphie unnöthig und läßt sich auf anderem Wege eine noch größere Sicherheit des Erfolges erreichen. Bei sehr mangelhafter Isolirung des Drahtes und zugleich großen Entfernungen versagen sowohl die Leonhardt'schen, wie auch alle anderen Telegraphen ihren Dienst in gleichem Maaße.

Wie sehr es endlich von jeher Dr. Kramer's Bestreben gewesen ist, einiger nicht unerheblicher Vorzüge wegen dem Telegraphen eine solche Einrichtung zu geben, daß der galvanische Strom erst dann durchgelassen wird, wenn der Apparat in Thätigkeit treten soll – wie bei Hrn. Fardely – geht daraus hervor, daß dessen erster druckender Telegraph, dessen Geheimniß er 1846 an Hrn. Leonhardt verkaufte, in der That in dieser Weise construirt war; überwiegende Gründe bewogen ihn indessen, diese schöne Einrichtung aufzugeben, und die andere anzunehmen, nach welcher im Ruhestande des Telegraphen das elektrische Fluidum den Draht continuirlich durchströmt.

So viel zur Würdigung des erwähnten Aufsatzes im Interesse der Wissenschaft und des dabei betheiligten Publicums. – Dr. Kramer wurde im December v. J. mit der Anfertigung und Aufstellung von elektromagnetischen Telegraphen-Apparaten für die ganze Linie der Köln-Mindener-Eisenbahn von Deutz bis Minden Seitens der Direction dieser Gesellschaft beauftragt, wie er auch dieselben Einrichtungen für |312| die Berlin-Hamburger und niederschlesisch-märkische Eisenbahnen contractlich übernommen und zu besorgen hat.

Bei der in diesem Monate hier noch stattfindenden Concurrenz für die Anlegung von elektromagnetischen Telegraphen für den preußischen Staat, wird es sich herausstellen, welcher Einrichtung von Apparaten die Prüfungs-Commission den Vorzug geben wird, ob dem des Hrn. Siemens, Leonhardt, Kramer oder eines Andern.

Berlin, im Februar 1848.

C. S.

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