Titel: Ueber die Zunahme der Rübenproduction im Zollvereine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 12 (S. 317–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi04_12

Ueber die Zunahme der Rübenproduction im Zollvereine.

Nach den Mittheilungen im Handelsarchive, welches vom k. preuß. Handelsamte herausgegeben wird, war die Zahl der Rübenzuckerfabriken und der behufs der Zuckergewinnung versteuerten Runkelrüben folgende:

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Textabbildung Bd. 107, S. 318
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Wir erlauben uns, diesen Zahlen einige Bemerkungen hinzuzufügen.

1) Die Quantität der allein in der Provinz Sachsen versteuerten Rüben verhält sich zu der in der ganzen Monarchie versteuerten fast genau = 2 : 3, beträgt also an 2/3 der letztern.

2) Vergleicht man die Zahlen der Provinz Sachsen mit dem Ergebniß des gesammten Zollvereins, so ergibt sich im Betriebsjahre 18 41/42 ein Verhältniß nahe wie 1 : 2, später aber nur wie 1 : 1,78; 1 : 1,171, 1 : 1,75; 1 : 1,52. Es ist also die Bedeutsamkeit der Zuckerindustrie in jener Provinz zu der des ganzen Zollvereins von 1/2 auf 1/1,52 oder nahe 2/3 gestiegen.

3) Schlesien verarbeitet von den im ganzen preußischen Staate verarbeiteten Rüben etwa 1/6 oder etwa 1/4 der in der Provinz Sachsen versteuerten Menge. Auch in diesem Theile der Monarchie hat sich die Industrie gehoben, obschon in einem weit geringern Verhältnisse, als in der Provinz Sachsen.

4) In der Provinz Brandenburg ist die Menge der verarbeiteten Rüben im Betriebsjahre 18 45/4 gegen 18 41/42 von 229000 auf 131000 herabgesunken, während sie in Posen fast im umgekehrten Verhältnisse zugenommen hat, von 71000 auf 101000.

5) In Ostpreußen ist die Production sehr unbedeutend und hat weder wesentlich zu- noch abgenommen; in Pommern hat sie etwas abgenommen.

6) In Westpreußen und Westphalen hat die Fabrication aufgehört; in der Rheinprovinz ist sie im Aufhören begriffen.

7) Was die übrigen Zollvereinsstaaten betrifft, so verhält sich die in ihnen zur Versteuerung gebrachte Rübenmenge zu derjenigen, welche im preuß. Staate versteuert worden ist, wie folgt: im Jahre 18 41/42 = 1,286 : 3,778; 18 42/43 = 0,416 : 2,076; 18 43/44 = 0,515 : 3,811; 18 44/45 = 0,498 : 3,396; 18 45/45 = 0,577 : 3,869, sie ist also von einer Höhe von 1/2,94 derjenigen Summe, welche der preuß. Staat allein versteuert, auf weniger als 1/6,66 herabgesunken.

8) Nächst Preußen hat Baden die bedeutendste Production; sie beträgt aber noch nicht 1/12 derjenigen von Preußen.

9) In fast allen Zollvereinsstaaten hat sich die Production gegen 18 41/42 vermindert, in einigen jedoch in den letzten Jahren wieder etwas gehoben, als in Baden, wo der Abschlag bedeutend war (von 607000 auf 218000, 18 45/46 wieder 317000), in Würtemberg (von 209000 auf 55700, 18 45/46 wieder 59,500). In Braunschweig hat sie sich ohne wesentlichen Abschlag von 54680 auf 65707 gehoben.

10) Ganz aufgehört hat die Production im Großherzogthum Hessen und Herzogthum Nassau.

11) Die Zahl der Fabriken, welche im Jahre 1838 158 betrug, hat sich im Jahre 1845 auf 96 vermindert, obwohl die Masse der verarbeiteten Rüben während jener 7 Jahre bedeutend zugenommen hat. Man schwärmte vor 10 Jahren enthusiastisch für den Rübenzucker; man betrachtete diesen Industriezweig als ein unfehlbares Mittel, ohne große Mühe reich zu werden. Man theilte die deutschen Lande in Zuckerprovinzen, mit denen die Actionäre eines vielfach angepriesenen Geheimverfahrens, gegen Zahlung hoher Prämien, von den Erfindern belehnt wurden. Wie viele sind bitter enttäuscht worden!

12) Im preußischen Staate waren 1845 77 Rübenzuckerfabriken thätig; es kamen also durchschnittlich 50250 Cntr. Rüben auf je eine Fabrik. In demselben Jahre bestanden 19 Fabriken im übrigen Zollvereine; es kommen daher nur 30367 Cntr. Rüben auf eine dortige Fabrik.

13) Die Fabriken in der Rheinprovinz sind ganz unbedeutend, da drei nur 2477 Cntr. Rüben versteuert haben. Dagegen befinden sich in der Provinz Sachsen nebst den Anhaltischen Herzogthümern, sowie in Baden, bedeutend große derartige Anstalten.

14) Angenommen 5 Proc. Rohzucker von den versteuerten Rüben, so hat die Summe desselben im Betriebsjahre 18 45/46 betragen: 222323 Cntr. Da aber der Rübenbau in vielen Gegenden vorzüglich zweckmäßig betrieben wird und die Gewinnungsmethode des Zuckers wesentliche Fortschritte gemacht hat, so können 6 1/2 Proc. in Anschlag gebracht werden. Dadurch würde sich die Summe auf 289020 Cntr. erhöhen.

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Ohne Zweifel wird dieser wichtige Gewerbzweig noch weitere und große Fortschritte machen, wozu er die Befähigung in sich trägt. Von welchem Nutzen für die Ackerwirthschaft, für Maschinenbau, für Kupferwaarenfabrication, für mehrere andere Gewerbszweige diese Industrie geworden ist, wie viele fleißige Hände dadurch in Thätigkeit gesetzt worden sind, wie sich dadurch in den Kreisen der Arbeiter Wohlstand verbreitet hat, davon kann man sich vorzugsweise in der Provinz Sachsen überzeugen, wo die Rübenzuckerfabrication auf einer außerordentlichen Höhe der Entwickelung sich befindet.

Möge nie ein Unstern diesem acht deutschen Gewerbszweige Gefahr bringen, sondern im Gegentheil günstige Verhältnisse dessen Wachsthum befördern. (Verhandl. des Vereins zur Bef. d. Gewerbfleißes in Preußen, 1847, S. 97.)

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