Titel: Ahner's Vervollkommnung der Glyphographie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 2 (S. 312–313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi04_2

Ahner's Vervollkommnung der Glyphographie.

Die Glyphographie ist jetzt durch Hrn. Volkmar Ahner in Leipzig45) zu einer so praktischen Vollkommenheit gebracht worden, daß sie mit großem Vortheil überall angewendet werden kann, wo Zeichnungen aller Art durch die Buchdruckerpresse wiedergegeben werden sollen. Die Erzeugnisse aus dem vorjährigen geschäftlichen Betrieb desselben haben den Beweis gegeben, daß sie sich nicht nur mit eben der Leichtigkeit, wie ein in gleicher Manier ausgeführter Holzschnitt drucken lassen, sondern durch die jetzige Vervollkommnung des Hrn. Ahner auch ungemein billig herzustellen sind. Bei Betrachtung dieser auf glyphogravhischem Wege erzeugten Platten wird man leicht ersehen, daß sich durch dieses Verfahren nicht nur Platten für den Buchdruck, sondern auch jede Art von Stempel mit Schrift und Wappen u.s.w. mit Leichtigkeit anfertigen lassen, welche bei etwaiger Abnutzung mit Hülfe der Galvanoplastik durch neue ersetzt werden können, ohne daß dieselben nur im geringsten eine Veränderung erleiden. Die Ursache, weßhalb so mancher Herausgeber von illustrirten Zeitschriften, bei denen es hauptsächlich auf schnelles Erscheinen ankommt, die Glyphographie nicht dafür verwendete, lag darin, daß der galvanische Niederschlag zu viel Zeit erforderte, um allen Anforderungen genügen zu können; allein Hr. Ahner hat in jüngster Zeit auch diesen Uebelstand zu beseitigen gewußt, indem er ein Mittel fand, wodurch Zeichnungen aller Art ungemein schnell in Clichées gebracht werden können.

Obgleich eine Menge sehr gelungener Glyphographien sich in Herausgabe befinden, worunter besonders zu erwähnen sind: der Schutzgeist des Kindes in Contour; eine Scene aus dem Leben Friedrichs des Großen, in Holzschnittmanier ausgeführt; Aschenbrödel mit Unterdruck in Stahlstichmanier; Symbol der Künste und Wissenschaften in Punktirmanier; die Mühle im Schwarzwald in Radirmanier, sowie anatomische und botanische Abbildungen u.a.m., so ist Hr. Ahner doch zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Glyphographie noch viel mehr zu leisten vermag, wenn sich die Künstler mehr dafür interessiren. Um dieses aber zu erreichen ist es nothwendig, daß die Künstler mit dem ganzen Verfahren der für sie so wichtigen Kunst bekannt werden, um die großen Vortheile, welche ihnen durch dieselbe geboten werden, zu würdigen. Es wird sich jeder die unbedeutenden, aber nöthigen Handgriffe anzueignen suchen, wenn es ihm klar ist, mit welcher Leichtigkeit er seine Leistungen ohne fremde Beihülfe selbst zum Abdruck befördern kann.

Um diese Kunst nun allgemein und die Künstler des ganzen deutschen Vaterlandes auf sie aufmerksam zu machen, hat sich ihr Erfinder entschlossen, dieselbe in Deutschland auf dem Wege der Subscription zu veräußern, um so mehr, weil er neuerdings eine andere für Kunst und Gewerbe höchst wichtige Anwendung der Glyphographie erfunden hat, deren unabsehbare Vortheile auszubeuten nicht im entferntesten mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln im Verhältniß steht.

Es ist ihm nämlich gelungen, eine auf die glyphographische Urplatte mit der Nadel oder Bleifeder gemachte, dazu geeignete Zeichnung in eine vertiefte Matrize zu verwandeln, um diese als Form zum Pressen, Gießen oder Galvanoplastiren von Platten benutzen zu können, auf denen die glyphographische Zeichnung im Relief erscheint. Er erzeugt mit andern Worten durch die glyphographische Kunst, ohne ein |313| aus irgend einer Masse oder Substanz bestehendes Modell, eine Form, welche zur Vervielfältigung von Basreliefs benutzt werden kann, für alle jene Zwecke, zu deren Erreichung man sich der Pressung, des Gusses oder der Galvanoplastirung bedient hat, um erhabene Verzierungen hervorzubringen. Obgleich auf den ersten Augenblick jene Erzeugung etwas wunderbar erscheinen mag, und Sachvertraute es sich nicht werden denken können, wie man ohne vorhergegangene Modellirung durch eine bloße Planzeichnung eine vertiefte Matrize gewinnen könne, von der nach Belieben eine Anzahl Basreliefs durch irgend ein bekanntes Verfahren genommen werden kann, so hat Hr. Ahner doch einen Beweis dieser Möglichkeit geliefert, indem er in der Sitzung der polytechnischen Gesellschaft in Leipzig am 10. December ein Serviettenband, mit erhabenen Verzierungen und zugleich vertiefter Gravüre versehen, lediglich durch Glyphographie vermöge galvanischen Niederschlags erzeugt, vorgelegt hat, welches den vollkommenen Beifall der Gesellschaft erhielt. Jeder, der nur einigermaßen mit der Kostspieligkeit und Aufhältigkeit der Verfertigung von Modellen zur Erzeugung von erhabenen Formen zum Gießen, Pressen oder Galvanoplastiren vertraut ist, wird die ganze Wichtigkeit dieser Erfindung zu würdigen wissen. Die Glyphographie auf ihrem jetzigen Standpunkte, auf den sie durch Hrn. Ahner gebracht ist, dient dem Zeichner: seine Productionen ohne die Dazwischenkunft irgend einer der graphischen Künste zum Abdruck auf der Buchdruckerpresse sich selbst herzustellen. Einer viel größern Anzahl von Gewerben aber nützt die Glyphographie, und namentlich allen denen, welche erhabene und vertiefte Verzierungen jedes einzelnen oder beides zugleich, auf ihre Erzeugnisse anwenden; so unter andern den Gold- und Silberarbeitern, den Gürtlern, den Gießern in irgend einem Metall, den Prägern in irgend einem Stoff, sey es Metall, Papier, Leder, Gutta-percha, Papiermaché u.s.w. Die Vergütigung, welche Hr. Ahner für Mittheilung seiner Erfindung in Anspruch nimmt, wird für jeden einzelnen Subscribenten verringert durch die Zahl der überhaupt Subscribirenden und läßt sich daher nicht für den Einzelnen im Voraus bestimmen. Es ist demnach wünschenswerth, die Zahl derjenigen Herren Künstler und Fabrikanten zu wissen, welche geneigt sind, sich das Verfahren zu eigen zu machen, und werden dieselben hiedurch eingeladen, sich an Hrn. Volkmar Ahner in Leipzig in frankirten Briefen zu wenden. Da die Festsetzung eines Termins nöthig ist, um den Umfang der Subscription bemessen zu können, so werden alle hierauf Reflectirenden ersucht, mit ihren vorläufigen Anmeldungen bis zum 1. April 1848 zu erscheinen.

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Man vergl. darüber polytechn. Journal Bd. XCIX S. 237 und Bd. CI S. 324.

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