Titel: Anwendbarkeit der Gutta-percha zur Metallmaternanfertigung von Holzschnitten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 6 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi04_6

Anwendbarkeit der Gutta-percha zur Metallmaternanfertigung von Holzschnitten.

Die Gutta-percha, seit kurzem in rohem Zustand und auch im gereinigten als Halbfabricat in den Handel gebracht, in unendlich vielen Fällen das Leder und den Kautschuk zu ersetzen geeignet, verspricht auch für die Buchdruckerkunst von Wichtigkeit zu werden. Weniger den Temperatur-Einflüssen ausgesetzt als der Gummi, und in jede beliebige Form zu bringen, ist große Aussicht für ihre Verwendung zu Druckwalzen vorhanden.

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Andererseits verspricht sie die erheblichsten Vortheile bei der Matrizirung kleiner und großer Holzschnitte, sowie gesetzter Schriftcolumnen behufs nochmaliger galvanischer Ablagerung. Die Schwierigkeit der Metallmatern-Anfertigung von Holzschnitten nimmt mit der Größe der letztern zu und hat bei Groß-Octavplatten schon ihre Gränze; sie wird um so unsicherer und aufhältlicher, wenn der Holzschnitt schon einmal gedruckt, und von den fettigen Ueberbleibseln der Buchdruckerschwärze oder Terpenthinresten gesättigt ist. In solchen Fällen bleibt die Vervielfältigung durch Stereotypie das einzige, wenn gleich den Ansprüchen an große Schärfe nur selten genügende Mittel. Aus gereinigter Gutta-percha aber lassen sich Matrizen, und zwar so groß herstellen, als überhaupt nur Holzschnitte vorkommen, wozu im folgenden eine kurze Anweisung gegeben ist.

Die Gutta-percha erweicht sich in heißem Wasser zu einer teigartigen, aber dabei noch immer zähen und ihre Verbindung nicht aufgebenden Masse. In diesem Zustande muß sie mit einem Mangelholze möglichst rasch zu entsprechend großen Platten verarbeitet werden, was auch mittelst eines Walzwerks geschehen kann, vorausgesetzt daß bei diesem die Cylinder mit Triebrädern unter einander verbunden sind (man vergl. Hancock's Patent S. 25 in diesem Bande des polytechn. Journals). Auf einfachen Walzwerken, wo die zweite Walze nur der Bewegung der ersteren folgt, erhält man keine ebene gleichförmig glatte Platte, es tritt vielmehr zu leicht ein Verschieben der teigigen Masse ein, und eine ungleiche Fläche ist die Folge. Hat man aber eine solche, allenfalls nach mehrmaligem Erweichen der Masse, erzielt, so wird feine Kupferbronze oder noch besser ächte Silberbronze mit einer feinen Bürste sehr sorgfältig und ebenmäßig aufgetragen, welche an der Gutta-percha haftet und sie leitend macht. In diesem Zustande wird mittelst einer Schraubenpresse eine Abprägung des zu vervielfältigenden Holzschnittes in die Masse vollführt, welche auch die kleinsten Details der Gravüre ohne Fehler wiedergibt. Sehr zu empfehlen ist es, daß man den Holzschnitt vor dem Abprägen ebenfalls erst mit feiner Kupfer- oder Silberbronze ausbürstet, einmal, weil sich seine Bildfläche dann um so besser aus der Gutta-percha-Platte trennt, dann aber, weil auch die kleinsten Vertiefungen der Mater einen leitenden Ueberzug erhalten. Es braucht weder der Holzschnitt noch eine Schriftcolumne mit einer sie begränzenden Linie umgeben zu werden; der Eindruck wird, sofern nur die Masse bis zu dem gehörigen Grade von Aufnahmefähigkeit behandelt war, höchst correct ausfallen. Die Ablagerung hat für Jeden, der sich mit Galvanoplastik beschäftigte, keine Schwierigkeit. (Journal für Buchdruckerkunst, 1847 Nr. 19.)

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