Titel: Ueber Leuchtgas aus Excrementen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 9 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi04_9

Ueber Leuchtgas aus Excrementen.

Im polytechn. Journal Bd. CV S. 78 wurde aus dem Moniteur industriel mitgetheilt, daß franz. Chemiker ein Patent auf die Darstellung von Gas aus menschlichen Excrementen genommen haben. Letztere sollen mit Kalk zu einer teigigen Masse vermengt destillirt, und von 1 Kilogr. Excrementen sollen 240 Liter Gas gewonnen werden, während dasselbe Gewicht Steinkohlen nur 172 Liter Gas gibt. Von dem Gase wird gerühmt, daß es eine weit größere Leuchtkraft besitze, als dasjenige aus Steinkohlen u.s.w.

Zu dieser Mittheilung macht Hr. Prof. Schubarth in den Verhandlungen des Vereins zur Beförd. des Gewerbfl. in Preußen, 1847, vierte Lief., folgenden Zusatz:

„Vor 20 Jahren stellte in Berlin ein längst verstorbener Bürger und Fabrikant R. aus Excrementen Gas dar, und beleuchtete damit seinen Hof und Hausflur. Er trocknete die Materie, destillirte sie ohne Zusatz von Kalk in einer kleinen eisernen |317| Retorte und führte das Gas, nachdem sich vorher Ammoniak condensirt, durch Kalkmilch. Das Gas brannte mit geringerer Lichtintensität als Steinkohlengas, welches die englische Compagnie zu Berlin darstellte, die Flamme war aber entschieden weißer. Das Gas wurde einer vergleichenden chemischen Prüfung unterworfen, welche folgendes Resultat gab. Der Geruch desselben war dem faulender Fische nicht unähnlich, dabei, wie natürlich, empyreumatisch; es enthielt kein Schwefel-, aber Phosphor-Wasserstoffgas, durch Zersetzung der phosphorsauren im Harn enthaltenen Salze vermittelst der Kohle und des Wasserstoffs erzeugt; ferner war es schlecht gereinigt, es enthielt 9,25 Proc. kohlensaures Gas, was wohl ohne Zweifel an der geringeren Helligkeit, mit welcher dasselbe brannte, Schuld haben mochte; ferner enthielt es 5,5 Proc ölbildendes Kohlenwasserstoffgas. Das Gas aus Steinkohlen, welches die englische Compagnie darstellte, enthielt auch kein Schwefelwasserstoffgas, nur 2,50 Proc. kohlensaures, dagegen 6,8 Proc. ölbildendes Gas. – In dem Gehalte an Phosphorwasserstoffgas ist der Grund zu suchen, weßhalb die Flamme weißer war, als die von Steinkohlengas, indem bekanntlich Phosphor mit weißer Flamme verbrennt.“

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