Titel: Ueber die Zuckerfabrication aus getrockneten Rüben; von C. Schedl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 10 (S. 396–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi05_10
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Ueber die Zuckerfabrication aus getrockneten Rüben; von C. Schedl.

Auf der letzten ungarischen Gewerbeausstellung zu Pesth waren mehrere Zuckerproben aus der Rübenzuckerfabrik zu Szigethvar ausgestellt, die namentlich um deßwillen allgemeinere Aufmerksamkeit erregten, weil sie einerseits das Emporblühen einer regern industriellen Thätigkeit in Ungarn bekundeten, andererseits aber einen sprechenden Beweis für die Vortrefflichkeit der so vielseitig angegriffenen Schützenbach'schen Fabricationsmethode abgaben, die man in dieser Fabrik ausschließlich befolgt. Bedürfte es noch anderer Beweise, um die praktische Nützlichkeit der gedachten Fabricationsmethode darzuthun, so könnte die Thatsache hier angeführt werden, daß die größte bekannte Rübenzuckerfabrik der Welt, die zu Waaghäusel in Baden, welche täglich 4000 Cntr. Rüben verarbeitet, seit 10 Jahren bloß diese Methode befolgt und erst vor 2 Jahren abermals bedeutend erweitert worden ist. Ueber die Vortheile, welche dieselbe gewährt, sind der Ausstellungs-Direction von der oben erwähnten ungarischen Fabrik folgende Notizen mitgetheilt worden:

Durch Zerschneidung und künstliche Trocknung der frischen Rüben werden durchschnittlich 81 Proc. Wasser verdampft, und demnach aus 100 Pfd. Rüben 19 Pfd. trockne Schnitte erhalten. Die nächsten Vortheile, welche die sogenannte Trockenmethode darbietet, bestehen also darin, daß bei dem Transporte der trocknen Schnitte wenigstens 4/5 der Kosten erspart werden. Erwägt man dabei, daß die Verarbeitung der getrockneten Rüben auf das ganze Jahr vertheilt werden kann, während die frischen Rüben in 90–120 Tagen verarbeitet seyn müssen, und daß eine Fabrik zur Verarbeitung von 200,000 Cntr. Schnitten, welche einer Million Centner frischer Rüben gleich kommen, weniger kostet, als vier Fabriken zur Verarbeitung von 50,000 Cntr. frischer Rüben, so ist es ferner einleuchtend, daß eine einzige die Trockenmethode befolgende Fabrik für ein Gebiet von 30 und mehr Quadratmeilen genügen kann; daß alle größeren Gutsbesitzer sich bei einer solchen Centralfabrik betheiligen, und auch die kleineren Landwirthe ihre Rüben an die auf zwanzig und mehr verschiedenen Punkten zu errichtenden Trockenanstalten leicht absetzen können.

Die erste Operation, welcher die Rübenschnitte in der Fabrik unterworfen werden, besteht darin, daß sie mit Wasser bis zur gänzlichen Erschöpfung ausgesüßt werden. Man erhält hiebei eine so concentrirte Lösung, daß man annehmen kann, daß die Hälfte des zum Trocknen der Rüben aufgegangenen Brennstoffes dadurch wieder eingebracht wird. Die andere Hälfte wird reichlich durch die Ersparnisse aufgewogen, welche sich beim Schneiden, Trocknen und Extrahiren gegen die Kosten des Reibens und Pressens ergeben.

In Betreff der Rentabilität wurden bei einem auf amtliche Veranlassung mit nicht einmal ganz vollkommenen Apparaten vorgenommenen Probesude folgende überaus günstige Resultate gewonnen. Aus 300,50 Cntr. getrockneter Rüben, welche 1580 Cntr. frische repräsentiren, wurden 127,81 Pfd. Zucker erster Krystallisation (à 22 Fl. Conv.-M.) und 25,07 Pfd. Zucker zweiter Krystallisation (à Centner 18 Fl. Conv.-M, also aus 1 Cntr. frischer Rüben 8,09 Pfd. von ersterm Zucker und 1,58 Pfd. von letzterm (zusammen 2 Fl. 4 Kr. im Werth) erhalten. Hieraus berechnet sich

die Brutto-Einnahme für die Producte aus 100 Cntr. Rüben zu 216 Fl. 40 Kr.
die Erzeugungskosten betragen in Ungarn 60 „ – „
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demnach beträgt der reine Fabricationsgewinn 156 Fl. 40 Kr.

Es ist hiebei noch zu erwähnen, daß die große Ausbeute von 9,67 Proc. trockenem Zuckermehl aus 100 Rüben nur bei Anwendung der vorzüglichsten (Kis Halaszer) Rüben erlangt wird.

Die Resultate stellen die Anzüglichkeit des Schützenbach'schen Verfahrens außer allen Zweifel und zeigen, daß es nur der allgemeinern Einführung desselben bedürfte, um durch die bereits vorhandenen Rübenzuckerfabriken (deren gegenwärtig 65 in der österreichischen Monarchie vorhanden sind, die mehr als 73,000 Cntr. Rohzucker jährlich erzeugen und mehr als 25,000 Menschen incl. der beim Rübenbau thätigen Feldarbeiter beschäftigen), ohne bedeutende neue Capitalanlage, schon im |398| nächstfolgenden Jahre ein 4–5mal größeres Zuckerquantum als bisher zu erzeugen. (Verhandl. des niederöster. Gewerbevereins, 1847, H. 13.)

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