Titel: Verwendung fester Einbrennmasse als Nahrungsmittel auf Reisen; von Dr. Hammerschmidt in Wien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 16 (S. 400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi05_16

Verwendung fester Einbrennmasse als Nahrungsmittel auf Reisen; von Dr. Hammerschmidt in Wien.

Ein Nahrungsstoff, welcher wenig Raum einnehmend durch lange Zeit dem Verderben widersteht, ausgiebig ist und leicht genießbar gemacht werden kann, verdient besonders für den Reisenden Beachtung. Bei meinen vielfachen größeren Reisen und kleinen naturwissenschaftlichen Excursionen habe ich die praktische Anwendbarkeit eines solchen Nahrungsmittels in der sogenannten Einbrenn gefunden. Die Bereitung ist einfach folgende: Aus feinem Mehl mit frisch ausgelassener Butter und frischem Schweinefett (letztere beide zu gleichen Theilen) wird eine dicke Einbrenn gemacht und die nöthige Quantität Salz und Kümmel beigemengt. Noch flüssig wird diese Masse in ein mit einem eingeriebenen Glasstöpsel und weiter Oeffnung versehenes Glas geschüttet. Sobald diese Masse ausgekühlt ist, wobei sie ganz fest wird, verschließt man das Glas und kann so zubereitete Einbrennmasse Jahre lang benützen. Will man daraus Suppe bereiten, so darf man nur in einem Gefäß (auf Reisen sind dießfalls die sogenannten Schnellsieder mittelst Spiritus sehr anzuempfehlen) Wasser erhitzen und auf 1 Schoppen 1–2 Eßlöffel feste Einbrenn hineingeben. Sobald das Wasser siedet, rührt man die Flüssigkeit gut um, weil die Masse sonst leicht überschäumt, thut nach Bedürfniß Brodschnitten hinein und hat sich so binnen drei bis vier Minuten ohne alle Weitläufigkeit eine wohlschmeckende, nahrhafte Speise bereitet. Ich habe die Annehmlichkeit einer solchen genießbaren warmen Speise, wenn man ermüdet, durchnäßt in einem unwirthbaren Unterstandsort oder bei unbehülflichen Wirthen ankommt, oft empfunden und glaube daher mit dieser Notiz manchem Reisenden und Naturforscher einen Dienst zu erweisen. Ein Glas mit 1 Schoppen fester Einbrennmasse genügt auf wenigstens 15 Schoppen Suppe. Wenn man dafür sorgt, daß die Oeffnung des Glases immer nach dem Gebrauche geschlossen werde, so hält sich diese Masse durch mehrere Jahre. Ich hatte aus einem Glas solcher festen Einbrennmasse auf einer Reise in Norddeutschland beinahe die Hälfte benützt, bei der Zurückkunft nach Hause wurde das halbleere Glas nicht weiter beachtet, bis es mir nach länger als einem Jahre wieder unter die Hände kam; ich ließ mir daraus Suppe kochen und fand die Einbrenn ebenso genießbar als ganz frische. Dadurch aufmerksam gemacht, bewahrte ich die übriggeblieben Masse noch durch zwei Jahre und fand sie auch nach dieser Zeit, also nach fast 3 1/2 Jahren, weder ranzig noch sonst verdorben, sondern vollkommen genießbar. Die Verwendbarkeit dieser festen Einbrennmasse auf Reisen, insbesondere auch während Seereisen, kann ich also aus Erfahrung nur bestens anempfehlen. (Allg. österr. Zeitschr.)

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