Titel: Ueber die Achsen aus Gußstahl von Werner in Neustadt-Eberswalde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 2 (S. 461–463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi06_2
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Ueber die Achsen aus Gußstahl von Werner in Neustadt-Eberswalde.

Dem Besitzer des Carlswerks Werner bei Neustadt-Eberswalde ist es gelungen, Achsen von Gußstahl zu verfertigen, welchen er durch ein eigenthümliches, von ihm erfundenes Verfahren eine solche Zähigkeit zu geben weiß, daß das Brechen derselben nicht leicht zu befürchten steht. Dieß ist durch Versuche dargethan, welche zuerst am 25. Novbr. 1847 im Beiseyn mehrerer Eisenbahn-Directoren und anderer Techniker, sodann am 10. Decbr. durch den Regierungs- und Baurath Rothe und den Fabriken-Commissionsrath Brix vorgenommen wurden, wobei sich folgende Resultate ergaben:

Die Achsen hatten sämmtlich einen Durchmesser von 3 1/2 Zoll und 6 Fuß 2 Zoll Länge. Ihre Probirung erfolgte unter einem Fallgerüste, freiliegend auf 3 Fuß, durch Herabfall eines eisernen Bären von 6 Cntr. 13 Pfd. aus einer Fallhöhe von 13 Fuß.

Zuvor wurde eine Achse aus mehreren vorgelegten ausgewählt. Die Probirung derselben gewährte das Resultat, daß nach dreimaligem Fall des Bärs auf die freiliegende dreifüßige Länge eine Biegung von einem und einem halben Zoll erfolgte. Hierauf wurde die Achse umgewendet und vermittelst vier Schlägen

des erstem davon aus einer Fallhöhe von 13 Fuß
des zweiten „ 6 „
des dritten „ 5 „
des vierten „ 4 „

wieder gerade gebogen. Es zeigten sich nach diesem Geradebiegen an der Achse weder Risse noch Sprünge. Mit dem fünften Schlage aus 13 Fuß Fallhöhe wurde die Achse entgegengesetzt 9/16 Zoll eingebogen und nach dem sechsten Schlage aus jener Fallhöhe erfolgte der Bruch.

Eine zweite Achse wurde ebenfalls aus den zuvor noch nicht probirten ausgewählt.

Die Probirung aus der Fallhöhe von 13 Fuß ergab

beim ersten Schlage 9/6 Zoll
zweiten „ 1 „
dritten „ 1 3/16 „

Biegung auf die 3 Fuß freiliegende Länge. Beim vierten erfolgte der Bruch.

Hierauf wurde die eine Hälfte dieser letztzerbrochenen Achse wieder in gleicher Freilage (weniger ein paar Zoll) und Fallhöhe von 13 Fuß probirt. Dieses Stück bog sich

beim ersten Schlage um 5/8 Zoll
(zweiten nicht notirt)
dritten Schlage um 1 1/2 „
vierten Schlage um 1 3/4 „

und beim fünften erfolgte der Bruch. Ueberall zeigten die Brüche eine feine, völlig gleichförmige Masse und eine zackige, dem Gußstahl eigene Textur.

Schließlich wurde noch eine Probe mit einer Achse von 2 1/4 Zoll Durchmesser und 5 Fuß Länge gemacht, welche ebenfalls mit Fallhöhe von 13 Fuß und Freilage von 3 Fuß erfolgte. Diese Achse bog sich

beim ersten Schlage um 1/2 Zoll
zweiten „ 2 1/2 „
dritten „ 3 „

wurde umgewendet, durch mehrere Schläge anfänglich gerade, durch Fortsetzung derselben in entgegengesetzter Richtung gebogen und brach endlich beim 13ten Schlage. Bruch und Textur wie bei den vorigen.

Eine unter dem Dampfhammer aus Gußstahl geschmiedete Achse von 3 1/2 Zoll Durchmesser, 6 Fuß 2 1/2 Zoll Länge, 211 1/2 Pfd. wiegend, wurde bei ferneren Versuchen auf 3 Fuß freiliegend, den Schlägen eines gußeisernen Bären bei 13 Fuß Fallhöhe ausgesetzt, welche auf die Mitte der freiliegenden Länge erfolgten. Dabei wurden folgende Durchbiegungen beobachtet:

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Senkung der Mitte beim 1sten Schlage 6 Linien
2ten „ 10 1/2 „
3ten „ 14 „
4ten „ 17 „
5ten „ 19 „
6ten „ 21 „
7ten „ 23 „
8ten „ 25 „
9ten „ 26 „
10ten „ 27 „
10ten „ 28 1/2 „
12ten „ 29 1/2 „
13ten „ 31 1/2 „
14ten „ 33 „
15ten „ 33 „

Daß beim 15ten Schlage die Senkung nicht größer wurde, hat darin seinen Grund, weil durch die vorhergegangene Biegung der Raum zwischen der Unterlage und dem Achsenmittel sich bis auf 3/4 Zoll verkleinert hatte, die Achse also nach erhaltenem Schlage unten aufstieß, und vermöge ihrer Elasticität wieder zurückfederte. Sie wurde daher herausgenommen, um die beiden Unterlagen zu erhöhen, und bei der Gelegenheit genau besichtigt, ohne daß eine Spur von solchen Beschädigungen, die auf den baldigen Bruch hinweisen konnten, sichtbar war. Dann wurden die Fallversuche folgendergestalt fortgesetzt:

Senkung der Mitte beim 16ten Schlage 35 Linien
17ten „ (35) „
18ten „ 36 1/2 „
19ten „ 37 1/4 „
20sten „ 38 „

Da keine Aussicht war, auf diesem Wege den Bruch herbeizuführen, und zugleich zuverlässige Resultate zu gewinnen, so wurde die Achse herausgenommen, wobei sie sich als ganz gesund und unversehrt zeigte, und in umgekehrter Lage (die Krümmung nach oben gekehrt) auf die 3 Fuß von einander entfernten Unterstützungen gelegt. Die obige Biegung von im Ganzen 38 Linien = 3 Zoll 2 Linien verminderte sich demnächst:

beim 1sten Schlage des Bären auf 24 Linien
2ten „ „ 17 „
3ten „ „ 11 „
4ten „ „ 6 „
5ten „ „ 2 „
6ten „ ging die Mitte durch die Horizontale bis 3 Linien unter dieselbe,
7ten „ erfolgte der Bruch.

Bruchfläche fehlerfrei, feinkörnig und sehr dicht.

In der Versammlung des Vereins für Eisenbahnkunde vom 14. Dec., in welcher Commissionsrath Brix den Inhalt der Versuchs-Protokolle mittheilte und dabei eine Probe des Stahls von den probirten Achsen vorzeigte, sprach sich derselbe sehr günstig über die Werner'schen Gußstahlachsen aus, indem er der Ansicht ist, daß bei Verwendung dieses Materials eine nachtheilige Veränderung des innern Gefüges, wie sie an schmiedeisernen Achsen bei längerm Gebrauch eintritt, nicht zu befürchten steht.

Was den Preis der Gußstahlachsen betrifft, so verkauft der Fabrikant das Pfund zu 10 Sgr. (35 kr. rhn.), was bei einem Gewicht der Achse von 210 Pfd. 70 Thlr. per Achse ausmacht, ungefähr das Doppelte von dem, was die gewöhnlichen Achsen kosten. Da indessen anzunehmen ist, es können die Gußstahlachsen ihrer bedeutend großen Festigkeit wegen von geringeren Dimensionen als die eisernen seyn, so stellt sich das Verhältniß der Kosten minder günstig für erstere. (Eisenbahnzeitung, 1847 Nr. 52.)

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