Titel: Verfahren eine Locomotive schnell mit Dämpfen zu versehen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 3 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi06_3
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Verfahren eine Locomotive schnell mit Dämpfen zu versehen.

Das Verfahren des Maschinenmeisters Fr. Wohnlich in Heidelberg zu diesem Zweck setzt allerdings das Vorhandenseyn einer bereits geheizten Locomotive voraus, gestattet aber dann, in etwa 20 Minuten eine Dampfspannung von etwa 30–40 Pfd. zu erzeugen; es beruht auf dem Principe, Luft in den Kessel zu pumpen, die dadurch erzeugte Hitze zur Erwärmung des Wassers mit zu benutzen, und die ausgestoßene Luft zur Anfachung des Feuers zu verwenden.

Es wird in folgender Art verfahren. Der Kessel wird, um möglichst wenig Wasser erwärmen zu müssen, bis zu 1 Zoll über dem Feuerkasten mit Wasser gefüllt, dann mit gespaltenem trockenen Holze angefeuert und wenn das Feuer lebhaft brennt, die Locomotive an eine andere schon geheizte gehangen und dann so lebhaft als möglich gefahren. Beim Fahren nach Vorwärts wird der Steuerhebel zurück gelegt, und der Regulator offen erhalten, und die Maschine pumpt sich in kurzer Zeit so voll Luft, daß die Ventile sich öffnen. Ist dieß eingetreten, so wird der Steuerhebel gewechselt und nun mit comprimirter Luft gefahren, wodurch das Feuer rasch angefacht wird. Ist kein starker Schlag der ausströmenden Luft mehr zu hören, so wird das erste Verfahren wiederholt. Die durch die eingepreßte Luft entwickelte Wärme fühlt man sogleich am Wasserstandzeiger. Eine Länge von 2–3000 Fuß zum Hin- und Herfahren genügt bei diesem Processe des schnellen Anheizens. Uebrigens wird so lange stark mit Holz gefeuert, bis die gewünschte Dampfspannung erreicht ist.

Bei den Coquerill'schen Locomotiven ist die Einrichtung getroffen, daß ein aus dem Kessel nach der Rauchkammer führendes Rohr durch einen äußerlich angebrachten Schlüssel geöffnet werden kann, sobald im Kessel nur schwache Dampfe vorhanden sind; diese fachen dann den Luftzug beim Ausströmen so an, daß man in 3/4 Stunden kräftige Dämpfe erhalten kann, während es sonst 1 1/2 Stunden Zeit dazu bedarf. (Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens, Bd. II S. 173.)

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