Titel: Die Anwendung der Gutta-percha zu chirurgischen Verbandmitteln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 5 (S. 465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi06_5

Die Anwendung der Gutta-percha zu chirurgischen Verbandmitteln.

Die Gutta-percha eignet sich ganz vortrefflich zur Anfertigung enganliegender Schienen bei Knochenbrüchen, und nachdem man bereits in England Katheter aus dieser Substanz in Gebrauch gezogen hatte, wendete der englische Arzt Smee mehreremale Schienen aus Gutta-percha bei gebrochenen Knochen an. Diese Versuche veranlaßten auch den deutschen Arzt Lorinser, nachdem er sich zuvor von der großen Brauchbarkeit dieses Stoffes bei Bougies und Pessarien überzeugt und die Geschmeidigkeit desselben im heißen Wasser kennen gelernt hatte, denselben zum Verbande von Knochenbrüchen anzuwenden, indem er z.B. beim Bruche des Oberarmkopfes einen in heißem Wasser weich gewordenen, etwa 3 Linien dicken, gut abgetrockneten Lappen von Gutta-percha unter die Achsel legte, die Enden desselben an der äußern Seite des Oberarms neben einander zog und zusammenklebte. Nach der Erstarrung dieses Verbandes lag derselbe so fest wie angegossen. – Ein zweiter Versuch wurde bei einem Unterschenkelbruche gemacht, wo ein gleich günstiges Resultat erzielt wurde. In beiden Fällen wurde der enganliegende Verband besonders gut und ohne Schmerzgefühl von den Kranken ertragen und schon das äußere Ansehen des Verbandes gab die Versicherung, daß er bis zu vollendeter Heilung unverrückt werde liegen bleiben können. Die Wegnahme des Verbandes wird sehr einfach dadurch erreicht, daß man die das Glied umgebenden Gutta-percha-Bänder durchschneidet und dann das Glied in warmes Wasser tauchen läßt, wodurch der Verband biegsam und abnehmbar wird. – Gutta-percha vereinigt als Verbandmittel nicht nur alle Vortheile des bisherigen Kleisterverbandes, sondern ist noch deßhalb vorzuziehen, daß er nicht in der ganzen Circumferenz der Glieder angelegt zu werden braucht, sondern vielmehr Zwischenräume gestattet, wo man kalte Umschläge und dergleichen erforderliche Mittel appliciren kann. Auch hat die Gutta-percha dadurch für die Chirurgie einen unberechenbaren Vortheil, daß der Wundarzt ohne weitere Vorbereitungen in den Stand gesetzt ist, sich augenblicklich einen genau passenden Unterlagstiefel und die Gelenkenden umschließende Schienen anzufertigen, was bei complicirten Knochenbrüchen und solchen, welche die Gelenkenden treffen, sehr wichtig wird und fernere chirurgische Anwendungen dieses Stoffes sehr bald allgemeiner machen werden.

Diese Notizen sind einer kleinen Schrift entnommen, welche den Zweck hat die Gewerbtreibenden auf die vielseitige Nutzbarkeit der Gutta-percha aufmerksam zu machen und sie über den Ursprung dieses Stoffes zu belehren; sie führt den Titel: „Gutta-percha, ein neuer Stoff für die Industrie, in seiner naturhistorischen und technischen Bedeutung dargestellt von Prof. Dr. Klencke. Kassel 1848, im Verlag von H. Hotop. 8. brosch. Preis 5 Sgr.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: