Titel: Ueber die Anwendung verschiedener Pflanzen zur Papierfabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 107/Miszelle 8 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj107/mi107mi06_8

Ueber die Anwendung verschiedener Pflanzen zur Papierfabrication.

Hr. Chaix von Maurice hat der Ackerbaugesellschaft in Paris seine Beobachtungen mitgetheilt, wodurch er sich überzeugte, daß die Wurzeln des Luzernerklees einen zur Papierfabrication ganz besonders geeigneten Faserstoff enthalten. 1 Hektare Feld liefert 50 bis 60,000 Kilogr. Wurzeln, deren Ernte alle sieben bis acht Jahre stattfinden kann. Nach dem Ausziehen muß die Wurzel gewaschen und hierauf mittelst Walzen oder auf andere Art zermalmt werden. Sie liefert beiläufig die Hälfte ihres Gewichts Faserstoff.

Hr. Chevreul bemerkte bei dieser Gelegenheit, daß sehr viele Pflanzen, welche Faserstoffe enthalten, zur Papierfabrication angewandt werden können; er führt insbesondere den Ginster an. Er sah aus sehr dicken Ginsterstengeln verfertigtes Papier, welches eine gute Sorte war; er untersuchte auch Papiere, welche mit den Fasern des Paradiesfeigenbaums, der amerikanischen Aloe etc. verfertigt waren. Diese Papiere waren sehr gut, die Hauptsache sind aber immer die Gestehungskosten. Es wäre sehr wünschenswerth, ein wohlfeiles Papier verfertigen zu können, welches dem Falten zu widerstehen vermag; dazu genügt es aber nicht, Faserstoffe zu besitzen, welche zäh sind, wie sie z.B. der gehechelte Flachs und Hanf liefern, sondern |467| man muß auch ein Verfahren der Fabrikation ermitteln, welches nicht wie das gegenwärtige – wo man den Papierzeug in der Bütte mit harzsaurer Thonerde und Stärke leimt – eine außerordentliche Zertheilung des Papierzeugs erfordert; solches Papier hat unter übrigens gleichen Umständen niemals die Festigkeit des mit der Form geschöpften und dann mit thierischem Leim geleimten.

Brongniart bemerkte, daß nicht alle Fasern der Vegetabilien ein gleich gutes Papier geben; man muß in dieser Hinsicht zwei Arten von Fasern unterscheiden: diejenigen des Basts, welche viel länger, biegsamer und zäher sind, und diejenigen des Holzes, welche in der Regel ein sprödes Papier liefern. Die Aufgabe wäre also, hauptsächlich erstere zur Papierfabrication zu verwenden; solche sind die Rinden des Maulbeerbaums, Ulmbaums, Lindenbaums etc. Die Wurzeln des Luzernerklees bieten übrigens den Vortheil dar, daß sie zur Familie der Leguminosen gehören, deren Fasern im Allgemeinen sich durch einen großen Widerstand auszeichnen, zwar nicht gegen das Zerreißen, aber gegen chemische Veränderungen. (Moniteur industriel, 1848 Nr. 1208.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: