Titel: Gantert, über Garnwaschmaschinen.
Autor: Gantert, Longin
Fundstelle: 1848, Band 108, Nr. LXVIII. (S. 326–328)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/ar108068

LXVIII. Ueber Garnwaschmaschinen, insbesondere für Türkischroth-Garnfärbereien; von L. Gantert.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Wer sich damit beschäftigte, Garne türkischroth zu färben, weiß wie viel Zeit und Arbeit man auf das öftere Waschen derselben verwenden muß, wie unangenehm und ungesund diese Beschäftigung ist, namentlich im Winter, und ich hoffe daher den Dank vieler zu verdienen durch die Beschreibung zweier Waschmaschinen, welche ihrem Zweck vollkommen entsprechen.

Die eine ist für Geschäfte bestimmt, welche keine Wasser- oder Dampfkraft besitzen; zwei Arbeiter waschen damit so viel, als sonst sechs bis acht von Hand waschen konnten, und nebst diesem noch gleichförmiger.

Die andere erfordert einige Pferdekräfte zum Betriebe, leistet aber dann noch viel mehr, und es kann ein Arbeiter allein mehrere solche Apparate besorgen.

Fig. 1 ist eine Seitenansicht, Fig. 2 ein Durchschnitt nach der Linie XY der von Hand getriebenen Waschmaschine. Gleiche Buchstaben bedeuten überall gleiche Theile.

a ist ein Balken, welcher an den zwei Stangen b, b horizontal aufgehängt ist. Letztere ruhen mittelst eines oben angefügten Querstücks c auf einem Gestell d, welches aus zwei parallel liegenden Balken besteht, die durch Pfeiler getragen werden. Die zwei Stangen können sich bei e pendelartig hin und her bewegen, wodurch der Balken a also eine hin und her gehende Bewegung erhält. Es ist nothwendig, daß diese Stangen unterhalb sich in weite Gabeln endigen, durch deren Ende und dem |327| Balken a, wie es die Zeichnung zeigt, ein eiserner Nagel gesteckt wird, um ein Seitwärtsschwanken der Arme, welche durch denselben gesteckt sind, zu verhüten.

An diesem Balken befinden sich drei Arme, die in gleichen Zwischenräumen angebracht sind und sich um ihre Achse drehen können, f, f, f. In Fig. 3 ist ein solcher in 1/25 seiner natürlichen Größe dargestellt. An diesen Armen wird das Garn aufgehängt, und sie müssen daher an jedem Ende sauber gearbeitete vorstehende Scheiben g, g haben, damit das Garn nicht von ihnen abfallen kann. Ferner müssen sie dick seyn, um das Garn von einander zu halten, sonst geräth es in Unordnung und wickelt sich auf; damit sie aber nicht zu schwer werden, macht man sie nicht massiv, sondern befestigt an einem dünnern Arme der Länge nach 4–6 Leisten h, h, Fig. 3, wodurch der Zweck eben so gut erreicht wird.

Denken wir uns nun, daß alle Arme voll Garn gehängt sind, welches unterhalb bis zu den Armen ins Wasser taucht, und daß zwei Arbeiter mittelst der Stangen i den Balken a vor- und rückwärts bewegen, so leuchtet ein, daß das Garn eben so geschwenkt wird, wie es gewöhnlich von Hand geschieht, aber es bleibt immer nur derselbe Theil im Wasser; der auf den Armen liegende Theil wird also nicht gewaschen. Um dieß zu vermeiden, wird den Armen eine drehende Bewegung ertheilt, was auf folgende Weise geschieht.

Unter dem beweglichen Balken a ist ein gleichlaufender fester Balken k angebracht, welcher nur einen kleinen Abstand vom obern hat; an diesem sind in Entfernungen, welche denjenigen der drei Arme entsprechen, drei Sperrfedern l angebracht, die bei der rückwärtsgehenden Bewegung von a in die drei Sperrscheiben m eingreifen, welche senkrecht an den Armen befestigt, und unter- und oberhalb etwas aus dem Balken a, in dem sie mitten eingeschnitten sind, herausschauen. Geht nun a über diese Federn weg, so greifen dieselben bei der Rückwärtsbewegung eine Zeit lang in die Sperrscheiben ein, bewirken daher eine Drehung der Arme um ihre Achse, und somit ein Kehren des Garns, Während bei der Vorwärtsbewegung die Federn über die Sperrscheiben weggleiten. Hiedurch findet also ein fortwährendes gleichförmiges Kehren des Garnes statt so lange gewaschen wird.

n ist nun noch eine Vorrichtung um den Arbeitern anzuzeigen, wenn die an dem Apparate befindlichen Garne fertig gewaschen sind; sie ist so einfach, daß keine weitere Erklärung nöthig ist. Je nachdem man nun degraissirte, alaunte oder gekrappte Garne etc. zu waschen hat, bestimmt man, wie vielmal das Glöcklein läuten müsse, bevor das Garn weggenommen werden darf.

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Die Waschmaschine, welche in Fig. 4 und 5 von der Seite und vornen dargestellt ist, und mittelst mechanischer Kraft betrieben wird, beruht auf den gleichen Grundsätzen. Ein Rad, welches durch Riemen oder Zahnräder in Bewegung gesetzt wird, und jeden Augenblick angehalten werden kann, hat an seinem Umkreise parallel mit dem Wendelbaum festgemachte Arme, welche den vorher beschriebenen ganz gleich sind; es steht über einem fließenden Wasser, und je nachdem man hinreichende Kraft hat oder nicht, läßt man dasselbe mit den Armen unterhalb etwas ins Wasser tauchen, oder nur die Oberfläche berühren. Im erstem Falle geht das Reinwaschen schneller. Man gibt diesem Rade die gleiche Schnelligkeit wie den Waschrädern für Zeuge. An die erwähnten Arme wird das Garn gehängt; bei den angegebenen Dimensionen kann man 40–50 Pfd. Garn auf einmal anhängen – von gekrapptem Garn nicht so viel – und dem Rade wird eine Bewegung gegen den Lauf des Wassers gegeben. Ein Arm nach dem andern zieht nun das an demselben befindliche Garn durch das Wasser, und die Garne kehren sich ohne eine andere Vorrichtung hier immer von selbst ganz gleichförmig; es wird daher ein Pfund genau so gut wie das andere gewaschen, und sehr schnell. Verwirrt sich das Garn an irgend einem Arme, so stellt man die Maschine schnell ab und löst es wieder; dieß wird aber sehr selten der Fall seyn, wenn die Maschine gut und sorgfältig gebaut ist.

Die Vorrichtung, welche als Maaßstab des Waschens dient, ist auf der Zeichnung weggelassen und besteht ganz einfach aus einigen ineinander greifenden kleinen Zahnrädchen, die einen Zeiger bewegen, der auf einem Zifferblatte die Zahl der Umdrehungen des Waschrades angibt. Diese Vorrichtung ist an einer Verlängerung des Zapfens des Wendelbaums vom Waschrade o am besten anzubringen.

Fig. 1, 2, 4 und 5 sind in 1/50 der natürlichen Größe gezeichnet.

Es braucht Niemand zu befürchten, daß er mit den beschriebenen Apparaten die Garne nicht eben so rein und gut waschen könne, als von Hand; sie sind längst bewährt.

Dietikon bei Zürich im Mai 1848.

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