Titel: v. Hackewitz's Verfahren Figuren auf galvanoplastischem Wege darzustellen.
Autor: Hackewitz,
Fundstelle: 1848, Band 108, Nr. LXXIII. (S. 350–358)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/ar108073

LXXIII. Verfahren zur Darstellung von Figuren vermittelst Galvanoplastik in hohler Form; von Hrn. v. Hackewitz.58)

Aus den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1848, 1ste Lieferung.

Mit einer Abbildung.

Dem Zwecke der vorliegenden Arbeit, Anderen als Anhalt zu dienen, werbe ich in rein praktischer Richtung mit bestimmten Worten zu entsprechen suchen, wie folgt.

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1. Die Form.

Ein wohlgelungener galvanoplastischer Niederschlag copirt bekanntlich mit größester Treue die Fläche, auf welcher er abgelagert ist. Daher ist für die galvanoplastische Darstellung eines Kunstwerkes vor allem die Erschaffung einer säurebeständigen festen Form, deren innere Fläche getreu das Modell wiedergibt, unerläßlich. Da nun guter Gyps bekanntlich ein sehr scharfes Formmittel ist, so hat man häufig empfohlen, auch behufs des Niederschlages galvanoplastischer Figuren die Form aus Gyps zu gießen, und diese dann durch Tränken in heißem Wachs, Oel, Terpenthin oder Harzlösungen säurebeständig zu machen.

Ich meinerseits muß aber, nach meiner fünfjährigen Erfahrung, gegen eine solche Formerei entschiedene Abneigung aussprechen, wenn es sich um die Darstellung einer Statue, oder überhaupt nur eines Niederschlages von größerer Ausdehnung handelt, indem wachs- oder harzgetränkter Gyps durchaus keine zuverlässige Sicherheit gegen die chemische Reaction der Säuren gewährt. Bei der Darstellung meiner für die Preisbewerbung gewählten Figur bediente ich mich als Formmasse einer Mischung von Graphit, Wachs und dickem Terpenthin, welche, in mäßiger Wärme bereitet, nicht allein mit größester Schärfe das vorher mit Leinölfirniß bestrichene Gypsmodell wiedergibt, sondern auch die sauberste Beschabung mittelst eines eisernen Schabers und Schachtelhalms auf denjenigen Stellen gestattet, wo die Näthe der einzelnen Formstücke mittelst einer dünnen, heißen eisernen Klinge gewissermaßen zusammengelöthet oder verschmolzen worden sind.

Die Verhältnisse der Mischung obiger Ingredienzien ergeben sich sofort aus der Praxis, wenn man dieselben in kleinen Portionen so lange ausprobirt, bis die erkaltete Masse mit dem Eisen gekratzt einen sauberen festen Schabespan hergibt, und mit einem wollenen Lappen gerieben, eine fast polirte blanke Fläche zeigt.

Zu der behufs der Preisbewerbung aufgestellten Figur sind folgende Verhältnisse der Mischung angewendet worden. Um einen Centner Formmasse zu erhalten, wurden bei mäßiger Wärme und bei vorsichtigem Abschäumen gemischt:

22 Pfund Wachs,
22 „ Terpenthin (dicker gewöhnlicher),
11 „ Colophonium,
55 „ Graphit, geringerer Sorte als Pottloth.
–––––––––
110 Pfund.

Hat man nun diese Masse vorbereitet, so ist zunächst wohl zu überlegen, in welchen Haupttheilen man die Form, behufs des galvanoplastischen |352| Niederschlages, anfertigen will; diese Haupttheile sind auf dem Gypsmodelle mit farbigen Strichen mittelst eines Pinsels zu markiren. Die Haupteintheilung muß immer so getroffen werden, daß man beim Proceß des Niederschlages, soweit es die Gestaltung irgend zuläßt, in das Innere hineinsehen und wo möglich mit dem Arme oder den Fingern, oder mit einer feinen flachen Zange, welche lange eiserne Stiele hat, hineinreichen kann.

Die Form der zur Preisbewerbung gestellten Figur zerfiel hiernach in folgende Haupttheile.

1) Die Plinte mit den Beinen, welche über dem Knie durch einen passenden Curvenschnitt nahe unter dem Gewande abgenommen waren;

2) der Hauptkörper, soweit das Gewand oben reicht;

3) beide Arme mit der Schale bis zum Gewande;

4) die rechte Schulter in der Saumtiefe des Gewandes abgelöst;

5) der Kopf mit Hals, Schulter und Brust, soweit sie nackt ist, dicht am Saume des Gewandes in der Tiefe gelöst.

Die Formmasse wird von unten auf, oder auch in beliebiger, dem Gegenstande entsprechender Ordnung der Hauptabtheilungen mäßig erwärmt, breiartig mittelst einer kleinen eisernen Mauerkelle schichtenweise auf das Modell aufgetragen, bis die Lage nach Befinden die Stärke von 2 1/2 – 3 Zoll erreicht, wobei selbstredend diejenigen Stellen der Figur, welche unter sich gehen, vorher nach den bekannten Grundsätzen der Formerkunst mit Stückenformen (Kernstücken) derselben Masse ausgelegt werden müssen. Die in solcher Weise bereiteten Haupttheile der Form werden auf den Schnittflächen, wo sie zusammenstoßen, nach der bekannten Weise mittelst kleiner Stollen und Löcher so genau aneinander gepaßt, daß nach Regulirung des Ueberganges der inneren Flächen mittelst Schaber und Modellirholz die Theile zu jeder Zeit vollkommen passend auf einander gesetzt werden können, ohne daß Verschiebungen zu befürchten sind. Die einzelnen Keilstücke der unter sich gehenden Form werden an ihrem Orte mit den Hauptformstücken auf früher erwähnte Weise mit einem feinen heißen Eisen verschmolzen und bann mittelst des Schabers die Schmelznäthe genau und sauber verarbeitet, so daß nichts von ihnen zu sehen ist.

Hierauf wird der inneren Fläche eine größere und sicherere Leitungsfähigkeit gegeben, als die Masse an und für sich haben würde, indem man mittelst eines weichen Pinsels die Form mit feingeschlämmtem spanischen Graphit, oder mit Bleichbronce fleißig, unter mäßiger Erwärmung, einstäubt. Auch kann man sie mit Blattsilber oder Blattgold belegen, wenn man dieß seinem Zwecke angemessen erachtet, was die Farbe betrifft.

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Man macht in gleicher Weise auch die Flächen leitend, wo die Formtheile zusammenpassen, so daß der Zusammenhang mit der innern Fläche durch keinen schlechten Leiter getrennt ist, befestigt sodann mittelst längerer breitköpfiger messingener Nägel auf die Schnittflächen Elektricitätsleitungen von dünngewalztem Messing- oder Bleiblech, und bedeckt hierauf die Schnittflächen der Hauptformstücke mit einem dünngewalzten Streifen von Wachs, welcher noch um 1 Zoll breit über die innere Fläche an den Wänden übergreift, damit weder auf die Schnittflächen, noch auf die inneren Wände zunächst Niederschlag fallen kann, welcher später ihr gutes Zusammenpassen hindern würde.

Sind auf diese Art alle Vorbereitungen mit der Form getroffen, so kann man die Kupferablagerung in derselben beginnen. Diese geschieht zunächst gleichzeitig mit allen Hauptformtheilen, ohne dieselben zusammenzusetzen.

2. Der Kupfer-Niederschlag in der Form.

Man reducirt das Kupfer am vortheilhaftesten aus einer auf 24° gesättigten Lösung von Kupfervitriol, welche man durch einen Zusatz von Wasser auf 18° bringt und wiederum, der größeren Leitungsfähigkeit halber, durch einen Zusatz von freier Schwefelsäure bis auf 22° verstärkt hat. Man darf hierbei keineswegs die so oft grundlos erhobene Besorgniß hegen, daß die freie Schwefelsäure der Güte des Niederschlags schaden werde. Sie erhöht vielmehr die Leitungsfähigkeit der Solution und schadet nur erst dann, wenn sie in solchem Ueberschuß vorhanden ist, daß dadurch bräunliche Streifen und Flecke in dem Niederschlage sichtbar werden. Dieß geschieht bei einem ruhigen Strome von mittlerer Temperatur niemals, so lange die Flüssigkeit nicht 34° überschreitet. Geschieht dieß, so muß man durch Zusatz von Wasser die Lösung um 6–8° verschwächen und den rechtzeitigen Ersatz durch Speisung mit Kupfervitriolstücken, die man in Körben in die Flüssigkeit einhängt, bewirken.

Der Niederschlag des Kupfers aus den Lösungen kann in zweierlei Weise erstrebt werden:

1) durch Elektromotore, welche mittelst Diaphragmen in das Innere der Form selbst eingeführt werden;

2) durch den elektrischen Strom, welcher in der Flüssigkeit zwischen dem positiven und negativen Pole einer Batterie erregt wird, die außerhalb derselben aufgestellt ist.

Die erstere Art ist der zweiten an Schnelligkeit der Wirkung und Percussions-Sicherheit weit vorzuziehen, und muß bei dem Niederschlage |354| von Figuren überall angewendet werden, wo man nur irgend Diaphragmen einführen kann, ohne die Niederschlagsflächen zu berühren. Als die zweckmäßigsten Stoffe zu den Diaphragmen bezeichne ich unbedenklich thierische Blasen, Därme und Thierfelle im ungegerbten Zustande; doch sind auch Local-Behälter von guter fester Pappe wohl anwendbar. Aus den Blasen und Fellen näht man mit wohl gewichstem Zwirn überwendlich, behufs des Figurenniederschlages, Beutel mannichfacher Form, Länge und Dicke, welche mittelst Gerippen von Fischbein und spanischem Rohre in die verschiedenen Falten und Engen der Niederschlagsform eingeführt werden.

In die so bereiteten Diaphragmen wird ein aus Zinkblech gebogener Elektromotor in entsprechender Biegung eingebracht, welcher mittelst der früher erwähnten, auf der Schnittfläche der Form angebrachten Leitstreifen, durch Klammern oder Schraubenzwingen, mit der inneren Niederschlagsfläche der Figur in Verbindung gebracht worden, und mit einer Mischung von 1 Theil Schwefelsäure und 50 Theilen Wasser erregt worden ist, worauf dann bald ein schönes glänzendes hellrothes Kupfer als Niederschlag fallen wird, wenn alle Vorbereitungen nach Vorschrift ausgeführt worden sind. Erscheint dieser krystallinisch schimmernde, fleischfarbige Niederschlag nicht, so darf man die Operation nicht fortsetzen, sondern muß den Fehler in den mangelhaften Vorbereitungen aufsuchen.

Bei kleinen Figuren und überhaupt solchen Niederschlägen, die weder durch ihr eigenes Gewicht, noch durch von Außen oder Innen einwirkende Kräfte einen großen Druck zu erleiden haben, kann sich der aufmerksame und fähige Beobachter auf die vorerwähnte normale Färbung des Niederschlages, als einer genügenden Bürgschaft für ein dem vorliegenden Zwecke hinlänglich festes Gefüge des reducirten Kupfers verlassen, ohne schwierige und subtile Regulirungen des Stroms, behufs der continuirlichen Erzielung eines Kupfers von der Dichtigkeit des Schmiedekupfers, anstellen zu dürfen, die allerdings unentbehrlich sind, wo der Niederschlag einen großen Druck zu ertragen hätte, wovon bei so kleinen Figuren nicht die Rede seyn kann.

In der erwähnten Weise mittelst diaphragmatischen Einhängens treibt man, wie schon bemerkt, alle Theile der Form gleichzeitig, zu denen man nur irgend gelangen kann, selbst die engeren Röhren der Arme und Beine bei Figuren, wie die vorgestellte ist. Die ganz engen Partien der Form dagegen, in welche man kein Diaphragma einzuführen vermag, ohne die Niederschlagsfläche zu berühren, muß man mittelst |355| eines elektrischen Stromes bearbeiten, der durch eine abgesonderte Batterie von entsprechender Elementenzahl erregt und in die Kupferlösung geleitet wird.

Unter den vielen Arten von elektromotorischen Combinationen, welche man behufs solcher Zwecke verwenden kann, und die sehr verschieden an Spannung, Percussionskraft und Wirkung sind, bedient man sich der Billigkeit, Einfachheit und ruhigen Arbeit halber mit Vortheil der sogenannten Daniell'schen Zink-Kupfer-Kette mit Diaphragmen. Um diese schnell und billig für vorliegende Zwecke bei kleineren Figuren herzustellen, läßt man etwa 2 Duzend offene Cylinder von mäßig dickem Zinkblech biegen, welche 5 Zoll hoch sind und 2 Zoll Durchmesser haben. Diese setzt man in gewöhnliche cylinderartige Biergläser von 4 1/2 Zoll Höhe, stellt in den Zinkcylinder einen von 1/8 Zoll starker Pappe über einem hölzernen Boden mit Messingstiften genagelten und mit Wachs verstrichenen Pappbecher, welcher wohlfeiler ist als ein leichter, demselben Zweck entsprechender Thonbecher; in diesen endlich einen dem Zinkcylinder an Fläche gleichen übereinander gebogenen offenen Cylinder von dünnem (1/20 Zoll dickem) Kupferblech. Die Erregungsflüssigkeit für den Kupfercylinder besteht zweckmäßig in einer gesättigten und mit freier Schwefelsäure verschärften Lösung von Kupfervitriol, für den Zinkcylinder dagegen in einem Gemische von 1 Theil Schwefelsäure und 50 Theilen Wasser. Es ist viel vortheilhafter und sicherer mit solchen kleinen Elementen zu arbeiten, als mit wenigen großen derselben Gattung, weil im ersten Falle ein befähigter und aufmerksamer Beobachter es sehr bald durch Uebung in seine Gewalt bekommen wird, durch einfaches Abnehmen und Hinzufügen solcher Elemente zur Kette einen Strom zu erzielen, welcher für jeden concreten Fall eben genügt, um örtlich in den Verengungen der Form ein gutes Kupfer abzulagern. Das einzelne kleine Element ist bei der Kombination zur Batterie gewissermaßen als Einheit zu betrachten, während die Regulirung der Ströme, welche von wenigen Elementen mit großen Flächen erregt werden, sehr viel schwieriger ist, weil dieß durch die Querschnitte der Leitungen und Kuppelungen und durch Verschwächung oder Verstärkung der Erregungsflüssigkeiten, sowie durch Vergrößerung oder Verkleinerung der im Angriff befindlichen elektromotorischen Flächen bewirkt werden müßte.

Bei der Ausführung localer Niederschläge mittelst abgesonderter Batterien sind nun folgende Hauptpunkte ins Auge zu fassen, die sich am leichtesten an einem Beispiele erläutern lassen, wozu ich den Niederschlag der dünnen Finger in der Hand wähle, deren innere Niederschlagsfläche, |356| nach früher gegebener Anweisung zur Aufnahme des Kupfers vorbereitet ward.

Textabbildung Bd. 108, S. 356

a, a, a, a, a ist ein Gerippe von starkem 1/4'' dickem Kupferdraht, welches in den Fingerspitzen mit einem kugelartigen Knopf ausläuft, und mittelst dünner Glasstäbchen g, g, g, g innerhalb der hohlen Form der Hand so eingekittet ist, daß es, völlig isolirt von der Niederschlagsfläche, diese in keinem Punkte berühren kann. Von dieser völligen Isolirung hängt alles ab, daher die größeste Sorgfalt darauf zu verwenden ist. Ist das Kupfergerippe fest und sicher eingebracht, so wird diese bis zum Handgelenk reichende Form der Hand in die Kupfersolution mittelst eines einfachen Gestelles von Holzleisten in schräger Lage so versenkt, daß die Oeffnung nach unten, die Handspitze dagegen um 45° erhoben liegt, welche Lage in jeder Beziehung vortheilhafter ist, als eine horizontale oder gar senkrechte.

Um nun den Niederschlag zu bewirken, koppelt man sieben der vorher beschriebenen, in gleicher Höhe gestellten Daniell'schen Elemente zu einer Batterie zusammen, indem man durch 4 Zoll lange, 1 Zoll breite und 1/16 Zoll dicke Leitstreifen von Bleiblech den Zink Nr. 1 mit dem Kupfer Nr. 2, den Zink Nr. 2 mit dem Kupfer Nr. 3, den Zink Nr. 3 mit Kupfer Nr. 4 u.s.f. bekanntermaßen durch messingene Schraubenzwingen oder Klammern verbindet. Schließt man hierauf die Kette, indem man den Leitstreifen L, Z der Niederschlagsfläche mit dem frei gebliebenen Zinke Nr. 7, und den Leitstreifen des Kupfer-Gerippes mit dem freien Kupfer Nr. 1 in gleicher Weise wie oben verbindet, so wird sich in der Form, wenn auch viel langsamer, als wie vor Einhängen, doch sicher und gleichmäßig ein Niederschlag von gesunder Farbe ablagern, wie erstrebt wurde, wobei natürlich vorausgesetzt wird, daß in den vorgeschriebenen Vorbereitungen keine Fehler gemacht worden sind.

Man verhindert durch eine über die Form gelegte blattähnlich gewalzte Wachsfolie auch bei dieser Bearbeitung der Hand, daß der Niederschlag nach dem Handgelenk, von der Spitze an gerechnet, höher fällt als bis w, w, w, so daß über dem Niederschlage, wie erklärtermaßen bei allen Formtheilen geschieht, zunächst der ebenso gedeckten Schnittfläche |357| rund herum ein zollbreiter Gürtel der Niederschlagsfläche ausgespart bleibt, der nicht eher von der Wachsdecke befreit und dem Strome ausgesetzt wird, als bis die Form der zu genügender Kupferstärke gediehenen Hand mit der daran passenden Form des Unterarmes vereinigt wird, worauf dann der Niederschlag in der Armröhre und der obern Hand, mittelst eines passenden diaphragmatischen Einhängers, kräftig durch die ganze Form weiter gefördert wird, wobei denn die frei gebliebenen Flächen am Zusammenstoß der Formtheile sich in solcher Weise mit Niederschlag belegen, daß ein vollständiges Zusammenwachsen zu einem einzigen Stücke in der Form stattfindet.

Nach diesem speciellen Beispiele wird kein Zweifel mehr obwalten können, wie man sich überhaupt bei dem Niederschlage enger Partien in der Form zu verhalten hat, welche nicht durch (Anhänger gefördert werden können. Es bleibt mir nun noch übrig, die Ordnung anzugeben, in welcher die großen Abtheilungen der Form zunächst partial vorbereitet, und dann zu einem einzigen Ganzen in der Form vereinigt worden sind. Das Verfahren hierbei war folgendes:

Sämmtliche Hauptformtheile wurden in abgesonderten hölzernen Wannen gleichzeitig bearbeitet, bis der Niederschlag die Hälfte der gegenwärtigen Metallstärke erreicht hatte. Hierauf wurde der Formtheil, welcher die Plinte und die Beine bis zum Gewande enthielt, mit dem darüber stehenden Formtheile vereinigt, welcher das Gewand bis zur nackten Brust umschloß, welches gar keine Schwierigkeiten machte, da bereits bei Vorbereitung der Form die Anpassung aufs genaueste geschehen und vor jedem Verderben durch die vielerwähnte Wachsfolie bis dahin geschützt worden war, welche bei beiden Formtheilen die Schnittflächen und den inneren Rand der Form einhüllten. Nach der Vereinigung wurde mittelst Einhänger von oben her ein starker Niederschlag durch den ganzen Körper und durch die Beinröhren bis in die Plinte hinein gefördert, wobei auch die in dieser mündenden Oeffnungen der Füße benutzt werden konnten, um den längeren, dünnen und cylinderförmigen Diaphragmen die Richtung zu geben, und dieselben darin zu erhalten.

Als die vollkommene Zusammenwachsung der beiden ersten Haupttheile geschehen und außerdem fast die jetzige Stärke des Niederschlages durch die ganze Fläche erreicht worden war, setzte man in ganz gleicher Art den dritten Haupttheil der Form auf, welcher den Kopf und den nackten Theil des Oberkörpers enthielt, und führte durch die offen gebliebene rechte Schulter, unter Umlegen der Finger auf die Seite, passende Diaphragmen ins Innere ein, welche die galvanische Zusammenwachsung |358| dieses Theils mit den beiden früheren zu einem einzigen Stücke nicht allein vollkommen bewirkten, sondern auch die letzteren wiederum im Metall verstärkten. Hierauf wurde die rechte Schulter mit dem bisher geförderten Körper vereinigt, und endlich beide Arme in die dazu gehörigen Löcher mittelst niedergeschlagener Ansätze eingeschoben und von Außen durch einen langsamen Strom verbunden.

Auf diese Art ist eine galvanoplastische Figur hergestellt worden, welche, bis auf die vorstehenden Arme, ganz und gar aus einem einzigen cohärenten Niederschlage besteht, welcher, der Vorschrift der Preisaufgabe entsprechend, ganz innerhalb der Form reducirt worden ist, und alle Nuancen derselben getreu wiedergab.

Schließlich bemerke ich, daß ich mich zu Niederschlagsgefäßen nur der Fässer aus gutem kiefernen Kernholze bediene, und daß die Ergänzung und Speisung des reducirten Kupfers mittelst Stücken von blauem Vitriol geschieht, welcher in Körben von entsprechender Form in die Kupferlösung an passenden Orten eingehängt wird.

Ueberzeugt, daß die hier gegebene Beschreibung des angewendeten Verfahrens jedem für die Sache eifrigen und befähigten Praktiker genügen wird, um als Anhalt zu dienen, schließe ich dieselbe ab, indem ein eigentliches Recept für solche, die weder Anlage noch Ausdauer für dergleichen Experimente haben, nicht gegeben werden kann, selbst wenn man die ermüdendsten Details anführen wollte.

Der Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen hatte einen Preis, bestehend in der goldenen Denkmünze nebst 500 Thlrn., für die Darstellung einer Statue von 2–3 Fuß Höhe auf galvanoplastischem Wege in hohler Form aus einem Stücke, und für die Mittheilung des dabei beobachteten Verfahrens ausgeschrieben. Dieser Preis wurde am 10. Januar d. J. dem Hrn. Baron v. Hackewitz zuerkannt; derselbe hatte eine Figur von etwa 30 Zoll Höhe in hohler Form galvanoplastisch in Kupfer niedergeschlagen) diese Figur war bis auf die vorgestreckten Arme in einem einzigen Stücke gebildet, die Arme dagegen für sich in hohler Form erzeugt und später angesetzt worden.

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