Titel: Die chemische Vergoldung und Versilberung der Seide, erfunden von Dr. med. Kröning in Stolberg a. Harz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 2 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi01_2

Die chemische Vergoldung und Versilberung der Seide, erfunden von Dr. med. Kröning in Stolberg a. Harz.

Seit mehreren Jahren hat der Gewerbeverein für Preußen auf die Erfindung einer chemischen Vergoldung der Seide, ohne daß dieselbe in ihren sonstigen Eigenschaften eine Veränderung erleidet, einen Preis von 1000 Thlr. und die große goldene Medaille ausgesetzt. Der bisher ungelöste Preis ist mehrere Jahre erneuert worden.

Vor einiger Zeit erhielt Dr. Kröning in Stolberg zufällig Kenntniß von dieser Aufgabe, in Folge dessen er Versuche anstellte, die den glücklichsten Erfolg ergaben. Auch die Versilberung der Seide auf chemischem Wege erfand vor kurzem Dr. Kröning und bedingt dieselbe ein von der Vergoldung wesentlich abweichendes Verfahren.

Die Proben von glatten, façonnirten und brochirten Seidengeweben, welche vom Erfinder vergoldet sind, haben einen durchaus reinen Metallglanz, ohne daß der Biegsamkeit und Weichheit der Seide ein Eintrag geschähe, so daß die Anwendung der Vergoldung bei Strähnen zum Verweben mit andern Farben dadurch möglich ist. Eine mikroskopische Untersuchung vergoldeter Seidenfasern ergab eine innige Durchdringung der Fasern mit dem Golde und nicht etwa eine Ablagerung dieses Metalls auf der Oberfläche, wie sie durch Anwendung des galvanischen Stromes bewirkt wird. Der Metallglanz ist in seiner Vollendung noch mehr in die Augen springend bei versilberten Stoffen, die sich nicht minder durch ihre beibehaltene, der Seide eigenthümliche Weichheit und Biegsamkeit auszeichnen. Die Versilberung wird für die praktische Anwendung noch bedeutungsvoller werden, da versilberte Stoffe leicht zu vergolden sind und auf diese Weise mit geringeren Kosten herzustellen seyn dürften.

Es ist leicht zu ermessen daß diese Erfindung für die Seiden-Industrie und Färberei von besonderer Bedeutung ist und im Laufe der Zeit noch mehr werden wird, wenn durch dieselbe eine Reihe der prachtvollsten Luxus-Artikel entsteht, die sich ebenso durch ihren Werth, wie durch das Einfachschöne der Verbindung dieser edlen Stoffe auszeichnen werden. Durch die Verwebung der vergoldeten Rohseide mit anderen |77| Farben können die schönsten Muster für Kleiderstoffe, Bänder etc. erzielt werden und bald werden unsere eleganten Salons in Folge dieser neuen Erfindung mit reichen und glänzenden Stoffen prangen. Auch die Fabrication der goldenen Borten, Tressen, Schnüre etc. wird eine ganz andere werden müssen.

In Preußen ist Dr. Kröning bereits um ein Patent eingekommen und ist, soviel wir hören, nicht abgeneigt, sein Geheimniß an unternehmende Fabricanten und Färberei-Besitzer abzutreten. Derselbe sandte Proben an die Akademie der Wissenschaften in Paris, welche diese in ihren Publicationen als ausgezeichnet anerkannte, in Folge dessen dem Erfinder von Lyon aus glänzende Offerte gemacht sind; ein Gleiches ist von Wien aus geschehen. Es ist zu wünschen, daß diese deutsche Erfindung auch in Deutschland verbleibe und hier einen neuen wichtigen Industriezweig heraufführe, den das Ausland noch nicht besitzt.

C. S.

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