Titel: Ueber Hellmann's Gerbsurrogat.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 7 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi01_7

Ueber Hellmann's Gerbsurrogat.

Hr. Hellmann in Neckarsteinach bezeichnet jetzt, nach Erlangung eines zwölfjährigen Patents in Preußen, sein (im polytechn. Journal Bd. CVI S. 324 besprochenes) Gerbsurrogat als Birkenrinde.

Die alte Birkenrinde wird schon seit langen Zeiten in Berlin und vielen andern Orten, wo keine junge Eichenrinde zu beschaffen ist, zu den Sohlleder-Treibfarben benutzt, und zeichnet sich das damit aufgetriebene, und durch alte Eichenrinde gegerbte Leder durch eine helle, schöne Farbe, und ungemein große Haltbarkeit aus, erlangt aber, bei vollkommen satter Gerbung, nie die so sehr beliebte Festigkeit der guten rheinischen Fabricate und trägt sich auch nicht ganz so sauber.

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In Schweden wird die Birkenrinde vielfach und fast ausschließlich als Gerbmaterial benutzt; das damit gegerbte Leder ist von sehr zarter heller Farbe, auch guter Dauer, aber sehr milde, sogar locker, und sollen bedeutend größere Quantitäten dieses Surrogats, als von der Eichenrinde, erfordert werden, was die in Berlin gemachten Erfahrungen und die bekannten chemischen Analysen nur bestätigten.

Für die Hellmann'schen Behauptungen (daß sich mit dem Surrogat eine vollkommen satte Gerbung billiger erzielen lasse als mit der besten jungen Eichenlohe) ließe sich dagegen der mit den bisherigen Leistungen nicht in Einklang stehende, sehr bittere, adstringirende, und somit auf großen Gerbgehalt hindeutende Geschmack der Birkenrinde, sowie auch das die Eichenrinde weit übertreffende Gewicht derselben, welches wenigstens bei der festeren ziemlich maßgebend für den Gerbgehalt ist, anführen; am besten spricht aber dafür die in Berlin durch Birkenrinde erzielte vollkommen satte Gerbung. Wenn diese, was Hr. Hellmann erweisen müßte, durch die Eigenthümlichkeit seines Verfahrens gleich wohlfeil und gut wie durch Eichenrinde erlangt werden, und wenn bei dem Mangel an alten Birkenbeständen seine Angaben durch junge Birkenrinde erfüllt werden könnten, so wäre bei dem sicher bald eintretenden Mangel an Eichenrinde diese Erfindung von hohem staatlichen und gewerblichen Interesse. (Aus einem Berichte des Hrn. W. Kampffmeyer in den Verhandl. des Vereins zur Beförd. des Gewerbfl. in Preußen, 1847, 6te Liefer.)

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