Titel: Neue Aufbewahrungsart des Hopfens für die Biererzeugung. Von Prof. Balling.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 9 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi01_9

Neue Aufbewahrungsart des Hopfens für die Biererzeugung. Von Prof. Balling.

Bisher war eine zweckentsprechendere Aufbewahrungsmethode des Hopfens, als das Zusammenpressen ist, nicht bekannt; aber nicht bloß die gleiche Wirksamkeit des Hopfens zu erhalten, sondern sich auch von den, nach den Schwankungen der Hopfenernte richtenden Preisen und vor einer Uebertheuerung des Hopfens zu verwahren durch Anlegung von Vorräthen zur Zeit, wenn derselbe wohlfeil, ist der Zweck einer guten Aufbewahrungsmethode des Hopfens, und in diesem Anbetrachte dieselbe für den ökonomischen Betrieb des Brauwesens von nicht geringer Wichtigkeit. Ein Mittel zu kennen, welches beiden Zwecken dient, nämlich den Hopfen mit größerer Sicherheit |80| nicht nur für ein, sondern für mehrere Jahre in seinem besten Zustande erhält, dann aber auch dem Bierbrauer die Möglichkeit gewährt, sich zur Zeit, wenn der Hopfen wohlfeil ist, Vorräthe davon für die Zukunft anzuschaffen, um sich dadurch dem Wucher des Hopfenhandels zu entziehen und davon unabhängig zu machen, wird demnach jedem Brauereibesitzer willkommen seyn, und dieses Mittel dürfte sich in der unterm 18. Februar 1847 für die k. k. österreichischen Staaten patentirten Erfindung des Hrn. F. G. Rietsch, fürstlich Oettingen-Wallerstein'schen Rathes (derzeit in Währing, nächst Wien, Herrngasse Nr 24), ergeben haben. Diese Erfindung besteht darin: den Hopfen entweder gleich oder in den nächsten Monaten nach seiner Ernte, mit dem von dem Erfinder eigens bereiteten Malzgetreide-Extract vermengt und getrocknet, in Kisten oder Fässer einzustampfen, wodurch der Hopfen ebenfalls auf einen kleinen Raum zusammengebracht und für lange Zeit gegen jede Veränderung geschützt wird, indem er dadurch von der unmittelbaren Berührung mit der atmosphärischen Luft ausgeschlossen, gewissermaßen in das Malzgetreide-Extract eingehüllt, der nachtheiligen Einwirkung derselben entzogen, und die Verflüchtigung sowohl als Verharzung des aromatischen Hopfenöls gehindert wird. Diese Aufbewahrungsmethode zeichnet sich zugleich durch Wohlfeilheit gegen andere vorgeschlagene Methoden der Art aus.

Da das Mengenverhältniß bekannt ist, in welchem Malzgetreide-Extract und Hopfen mit einander untermengt wurden, so kann hiernach jeder Brauer das zu einem Gebräue erforderliche Quantum der festen Hopfenmasse berechnen und anwenden, und da die Substanz, womit der Hopfen gewissermaßen eingehüllt wurde, Malz- oder Malzgetreide-Extract, mithin dieselbe Substanz ist, die sich auch in der Bierwürze aufgelöst befindet, so wird dadurch nichts Fremdartiges in das Bier gebracht, und an der sonst üblichen Schüttung wird so viel Malz abgebrochen, als im Aequivalente Malz-Extract in dem zuzusetzenden Hopfen bereits enthalten ist, wodurch sich der Aufwand an Malz-Extract zur Aufbewahrung des Hopfens bezahlt.

Bewährt sich diese Erfindung (und seit mehr als einem Jahre damit im Kleinen gemachte Versuche haben der sichern Hoffnung dazu Raum gegeben), so wie sich dieß nach den mir vorgelegten Proben auch mit aller Wahrscheinlichkeit schon schließen läßt, so ist damit ein wichtiger Vortheil für das Braugewerbe gewonnen; entweder läßt sich dabei wegen der bessern Erhaltung der Wirksamkeit des Hopfens ein Theil desselben ersparen, oder, wenn man dieß nicht will, jedenfalls ein besseres und haltbareres Bier erzeugen, was besonders für die Haltbarkeit und Güte der obergährigen Sommerbiere von Wichtigkeit ist.

Möge es daher mehreren Brauereibesitzern gefallen, recht bald Versuche damit im Großen anstellen zu lassen, und die Ergebnisse derselben seiner Zeit, z.B. nach Verlauf eines Jahres, zum Besten des Braugewerbs öffentlich mitzutheilen.

Weit entfernt zu verlangen daß aller Hopfen, den man des Jahres zur Biererzeugung bedarf, auf diese Art aufbewahrt werden solle, ist es hinreichend, wenn dieß mit jenem Hopfenquantum geschieht, welches man in den spätern Sommermonaten verwenden oder für den Fall einer Hopfentheuerung vorbehalten will, und wobei die neue patentirte Hopfenaufbewahrungsmethode Vortheil gewähren kann.

Der Erfinder wird jeder Brauerei auf mündliche oder in frankirten Briefen an ihn gestellte Anfragen die nähere Unterweisung in dem dabei zu befolgenden Verfahren ungesäumt mittheilen.

Uebrigens ist von dieser patentirten Erfindung, den Hopfen aufzubewahren, bereits im IV. oder Supplementbande meines Werkes über Gährungschemie, Seite 47, Anzeige gemacht worden. (Böttger's polyt. Notizblatt, 1848 Nr. 2.)

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