Titel: Ueber Düngung durch städtische Abfälle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 10 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi02_10

Ueber Düngung durch städtische Abfälle.

Der Herzog von Portland kaufte im Jahr 1819 in der Nähe des Städtchens Mansfield (in England) ein Stück Land von ungefähr 700 Hectaren, der Pachthof von Clipstone-Park genannt. Der Boden desselben war von so geringer Fruchtbarkeit, daß die Hectare nur zu 12 Fr. 15 Cent., das Ganze um 8650 Fr. verpacktet wurde. Ein kleines Thal, von dem Bache Maun bespült, wurde als ganz werthlos betrachtet; unter andern waren 40 Hectaren Sumpfboden von 2,50 bis 3 Meter Tiefe vorhanden, welchem die Landwirthe gar keinen Nutzen abgewinnen zu können glaubten. Der Herzog unternahm es, alles dieses fruchtbar zu machen. Vorerst fand er, daß die beiden Seiten des Thals, dessen Abhänge er untersuchen ließ, durch das Wasser des Maun befeuchtet werden könnten, indem man dieses am Eingang des Thals, unterhalb des Städtchens Mansfield, auffaßt. Hierauf ließ er alles Wasser der Gossen der Stadt in diesen Canal leiten, während es bisher unbenutzt und zum Nachtheil der Gesundheit sich verlor. Der Erfolg übertraf die Erwartung; an der Stelle unfruchtbarer Halden wurden Wiesgründe geschaffen, welche nach einigen Jahren zu 175–250 Fr. per Hectare verpachtet werden konnten. Die Sümpfe, welche nicht durch natürliche Quellen, sondern nur durch Mangel an Abfluß des Maunwassers sich erzeugt hatten, verschwanden durch Ableitung dieses Wassers und umsichtige Trockenlegung; jetzt befinden sich an ihrer Stelle die schönsten Wiesen des Guts.

Der ganze Pachthof stellt jetzt ein rentirendes Capital von 2 Mill. 500,000 Fr. dar. Die Herstellung dieser Wiesgründe hat zwar 750 Fr. per Hectare gekostet, die Kosten der Kunstarbeiten für Vereinigung des Gossenwassers und für die Canäle inbegriffen, aber es ist damit ein herrliches Werk vollbracht, welches sich unter gleichen Umständen mit gleichem Erfolg überall ausführen läßt.

Hr. Cooper, welcher das Gossenwasser von Mansfield, nachdem er es durch Ruhe hatte absetzen lassen, sorgfältig analysirte, fand in 4 Liter des klaren Wassers 5 Gramme fester Substanz, welche durch Abdampfen bis zur Trockne erhalten wurde, und zwar 0,804 Ammoniak, 1,926 Chlor, 1,420 Kalk, 0,526 Schwefelsäure, 0,210 Talkerde und 0,214 Natron, phosphorsauren Kalk und auflösliche thierische und vegetabilische Substanzen. Diese Bestandtheile sind dieselben, welche in den Gossen Edinburghs, Manchesters und Londons von andern Chemikern aufgefunden wurden. – Die Analyse der in dem trüben Wasser suspendirten unaufgelösten Substanzen ergab, daß dieselben sehr befruchtend sind, nämlich viel Stickstoff enthalten.

Welch großer Gewinn läßt sich aus dem in Städten erzeugten Dünger ziehen, den man in der Regel verloren gehen läßt, während man den theuren Guano aus fremden Welttheilen bezieht! (Moniteur industriel, 1848 Nr. 1215.)

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