Titel: Ueber die Anwendung von Messingdrahtstricken zu Blitzableitern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 2 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi02_2

Ueber die Anwendung von Messingdrahtstricken zu Blitzableitern.

In manchen Ländern, z.B. in Bayern, haben sich die Messingdrahtstricke als so vollkommene und zweckmäßige Leiter für die Elektricität bewährt, daß ihre Anwendung zu Blitzableitern eine allgemeine Verbreitung erlangt hat. Die physikalische Abtheilung des niederösterreichischen Gewerbevereins hebt die Vortheile, welche dieselben im Vergleich zu Eisenstangen oder Eisenstreifen darbieten, in folgender Weise hervor:

1) Die Ableitungen aus Messing können mehr als 1/2 dünner gemacht werden, als jene aus Eisen, da sich im Durchschnitte der Versuche von Ohm, Pouillet und Lenz das Leitungsvermögen des erstern zu dem des letztern wie 167 zu 109 verhalt. Dadurch wird nicht nur eine Ersparniß an Metall erzielt, sondern es werden auch die Gebäude weniger belastet. Warum man übrigens statt eines einzigen dickern Drahtes lieber mehrere dünnere zusammengedrehte wählt, hat seinen Grund darin, weil sich in den dickern sehr leicht größere Höhlungen vorfinden können, welche äußerlich nicht bemerkbar sind, während dieses bei dünneren Drähten weniger zu fürchten ist.

2) Das Messing ist den schädlichen Einwirkungen der Atmosphäre weniger ausgesetzt als das Eisen, denn wenn sich gleich ersteres nach und nach auch mit einer Oxydschicht überzieht, so bildet diese doch nur ein äußerst dünnes Häutchen, welches sehr fest an der Oberfläche haftet und jedes weitere Eindringen der Oxydation verhindert

3) Ein Messingdrahtstrick von der zu Blitzableitern erforderlichen Dicke (4,7 bis 6,7 Linien im Querschnitt) schmiegt sich sehr leicht jeder Biegung, welche die Vorsprünge und Ecken der Gebäude nothwendig machen, während die Eisenstangen oder Schienen nur entweder im Feuer oder mit solcher Gewalt gekrümmt werden können, daß nicht selten Risse entstehen, welche, wie unbedeutend sie auch anfangs erscheinen mögen, durch das Eindringen von Regen dem Rosten ausgesetzt, in der Folge immer größer werden und so nicht selten schädliche Unterbrechungen des Zusammenhanges veranlassen. Seile aus Eisendraht sind weniger zweckmäßig, weil sie einerseits dicker seyn müssen und andererseits leicht rosten.

4) Es ist sehr leicht, sich Messingdrahtstricke von jeder beliebigen Länge in einem Stücke anzufertigen, auch das Ansetzen eines Stücks an ein anderes läßt sich leicht |156| dadurch bewerkstelligen, daß man die zwei Strickenden in Blech von Kupfer oder Messing einhüllt und sodann durch Hartloth fest verbindet. Zu Ableitungen aus Eisen dagegen werden gewöhnlich nur 10–15 Fuß lange Stangen oder Streifen verwendet, die daher aneinander geschraubt oder genietet werden müssen, wodurch nie eine vollkommene Continuität hergestellt und erhalten werden kann, weil durch den zwischen den abgeglätteten Enden, Schrauben etc. eindringenden Regen Rost gebildet und so ein allmähliches Abbrechen der Stangen herbeigeführt wird.

5) Die Aufstellung eines Blitzableiters mit Benutzung von Messingstricken ist viel einfacher und bequemer als die mittelst eiserner Stangen und erfordert kaum so viele Stunden, als im letztern Falle Tage gebraucht werden. Reicht die Länge des Drahtstricks für eine zweifache Ableitung aus, so umschlingt man mit seiner Mitte die Auffangstange zweimal über dem Stiefel und führt die beiden Enden dem Erdboden zu Ist der Strick für eine doppelte Ableitung zu kurz, so umwindet man mit dem einen Ende die Auffangstange oberhalb des Stiefels drei- bis viermal und leitet das andere auf dem kürzesten Wege zum Boden Zum Festmachen des Strickes dienen Stifte mit Ringen, die 6–10 Zoll über das Dach und aus den Mauern hervorragen, oder bei Strohdächern eingekittete Holzpfähle; bei Metalldächern kann das eine Ende des Strickes mittelst eines um letztern gewickelten und festgelötheten Drahtes unmittelbar auf das Dach genietet werden.

6) Die Instandhaltung einer Ableitung aus Messingdraht erfordert, da sie haltbarer und einfacher ist, als die Ableitung mittelst eiserner Stangen, keinen erheblichen Kostenaufwand und keine ängstliche Beaufsichtigung.

7) Die gedachten Leitungen sind um 1/3 bis 1/2 billiger herzustellen als die eisernen.

In Betreff der für eine hinlängliche Wirksamkeit erforderlichen Dicke der Messingstricke mag endlich noch die Angabe beigefügt werden, daß diejenige nach C v. Yelin's Erfahrungen als genügend anzusehen ist, welche ein 10 bayer. Fuß langes Stück hat, dessen Gewicht genau 1 bayer. Pfund beträgt. Ein solcher Drahtstrick hätte bei einem spec. Gewicht des als Material dienenden Messings von 8,4 einen Querschnitt von 4,7 Quadratlinien. (Verhandl. des Niederösterreich. Gewerbvereins.)

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