Titel: Ueber den Döglingthran; von C. A. Scharling.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 11 (S. 238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi03_11

Ueber den Döglingthran; von C. A. Scharling.

Der sogenannte Döglingthran stammt von einer Delphinart her, welche in Island Dögling oder Andhral (Balaena rostrata Chem.) genannt wird. Dieser Thran ist bald farblos, bald braun und zeichnet sich durch einen sehr widerlichen Geruch und eine überaus große Dünnflüssigkeit und Leichtigkeit vor anderen Thranarten aus, weßhalb er leicht durch die gewöhnlichen Gefäße hindurchdringt. Sein spec. Gewicht beträgt nur 0,87 bei 16° R.

Um diesen Thran so zu reinigen, daß er seinen unangenehmen Geruch verliert, kann man sich einer sehr dünnen Kalkmilch bedienen, womit man ihn zu wiederholtenmalen schüttelt und dann ruhig hinstellt, damit der überflüssige Kalk zugleich mit den gebildeten Kalksalzen und das Wasser Gelegenheit haben sich zu senken, während der leichtere Thran nach oben steigt. Selbst durch gewöhnliches Wasser und Stehen in der Sonne kann dieser Thran zum Theil gereinigt werden. – 1 Theil kochender Alkohol löst 1/2 Theil Döglingthran auf und die größte Meage davon scheidet sich beim Erkalten des Lösungsmittels wieder ab.

In technischer Hinsicht ist bei diesem Thran besonders zu bemerken, daß er mit einer viel helleren Flamme brennt als der gewöhnliche Thran, so daß die Stärke des Lichts zwischen zwei Argand'schen Lampen, von welchen die eine gewöhnlichen Thran und die andere Döglingthran enthielt, wie 1 zu 1,57 war. Als eine Folge der vollständigeren Verbrennung bemerkt man auch viel weniger Qualm als von anderm Thran. Bei der Vergleichung des Gewichts des verbrauchten Thrans bei den genannten Versuchen zeigte es sich, daß, während in zwei Stunden 770 Gran gewöhnlichen Thrans verbrannten, in derselben Zeit in einer ganz ähnlichen Lampe 674 Gran Döglingthran, also 1/6 weniger als von ersterm verbrannt waren. Dieses Verhältniß ändert sich jedoch etwas, wenn die verbrauchte Thranmenge nach dem Maaße bestimmt wird, weil der Döglingthran, wie erwähnt, specifisch leichter ist. Da dieser Thran, so wie er von der grönländischen Compagnie geliefert wird, ferner sehr wenig Oelsüß enthält, so muß er als ein vorzügliches Beleuchtungsmaterial angesehen werden, dessen Werth noch dadurch erhöht wird, daß er sich leicht reinigen läßt und jede Verfälschung davon leicht entdeckt werden kann. Seine geringe specifische Schwere macht, daß man mit einem gewöhnlichen Alkoholometer gleich seine Reinheit prüfen kann. Bei 9° R. Temperatur zeigt der Döglingthran 74 1/2° Tralles oder ein spec. Gewicht von 0,88.

In chemischer Beziehung wird der Döglingthran noch dadurch charakterisirt, daß er mit großer Begierde und in bedeutender Menge Sauerstoff aus der Luft absorbirt und dadurch dickflüssiger und specifisch schwerer wird. Seiner Elementarzusammensetzung nach enthält er ungleich weniger Sauerstoff als gewöhnlicher, z.B. Koporkak- oder Tunolikthran und ist fast gleich mit dem Wallrath zusammengesetzt. (Nach dem Arch. for Pharm. aus dem Journal für prakt. Chemie Bd. XLIII S. 257).

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