Titel: Ueber das Verhalten der vegetabilischen Kohle zu Chlor, Brom, Jod, Chlorkalk und Untersalpetersäure; von E. F. Schönbein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 7 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi03_7
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Ueber das Verhalten der vegetabilischen Kohle zu Chlor, Brom, Jod, Chlorkalk und Untersalpetersäure; von E. F. Schönbein.

Die große Analogie, welche das Ozon in vielen seiner chemischen Eigenschaften mit dem Chlor, Brom, Jod und der Untersalpetersäure zeigt, und die Thatsache, daß Kohlenpulver rasch das Ozon zerstört, veranlaßte mich im Laufe des Sommers das Verhalten der Kohle zu den vorhin genannten Körpern zu prüfen, wobei ich folgende Ergebnisse erhielt.

1) Wird atmosphärische Luft mit so viel Chlor beladen, daß das Gemenge gelblich erscheint, in demselben Jodkaliumkleister plötzlich blauschwarz sich färbt, und Indigopapier augenblicklich sich bleicht, mit Kohlenpulver geschüttelt, so verschwindet rasch das Chlor vollständig, daß davon in der Luft auch nicht eine Spur zurückbleibt.

2) Läßt man durch eine mit Kohlenpulver gefüllte Glasröhre mäßig rasch Chlor strömen, so kommt anfänglich zum offenen Ende der Röhre keine Spur dieses Gases heraus, die Kohle erhitzt sich stark entlang der ganzen Röhre, und erst wenn alle Portionen des Pulvers sich erhitzt haben, tritt das Chlor in die Luft. Die so behandelte Kohle riecht nicht nach Chlor, stößt an der Luft Salzsäuredämpfe aus und gibt an das Wasser kein Chlor, sondern nur Salzsäure ab. Auch entwickelt diese Kohle bei der Erhitzung kein Chlor; sie zersetzt jedoch Jodkalium, entbläut Indigolösung und bläut Guajaktinktur. Diese Eigenschaft verliert sie jedoch bei längerem Zusammenstehen mit Wasser oder Luft.

3) Chlorwasser mit der gehörigen Menge Kohlenpulver geschüttelt, verliert rasch seine Färbung, seinen Geruch, sein Bleichvermögen und wird salzsäurehaltig.

4) Eine wässerige Lösung des unterchlorichtsauren Kalks (Chlorkalks), mit Kohlenpulver behandelt, verliert ihre Bleichkraft u.s.w.

5) Die braune, aus Mangansuperoxyd und Salzsäure bereitete, nach Chlor riechende und bleichende Flüssigkeit wird durch Kohlenpulver entfärbt, und ihres Geruchs und Bleichvermögens beraubt, d.h. in das gewöhnliche Chlormangan verwandelt.

6) Die dickste Atmosphäre von Bromdämpfen wird selbst bei 80° R. durch Kohlenpulver sehr rasch und vollständig verschluckt. Reibt man schnell mit letzterem flüssiges Brom zusammen, so verflüchtigen sich von diesem Körper nur die Theile, welche nicht sofort in Berührung mit Kohle gekommen, weßhalb nur wenig Brom verloren geht, wenn die erwähnte Operation rasch ausgeführt wird. Die Bromkohle entwickelt bei 80° R. noch kein Brom, Wohl aber bei höherer Temperatur.

7) Wässerige Bromlösung mit Kohlenpulver geschüttelt, wird gänzlich entfärbt und ihres Geruches und Bleichvermögens beraubt. Hieraus erklärt sich, weßhalb die Bromkohle an das Wasser kein Brom abgibt; es zersetzt jedoch dieselbe das Jodkalium und zerstört die Farbe der Indigolösung. Es verdient hier bemerkt zu werden, daß käufliches Brom, welches Bromkohlenwasserstoff enthält, letzteren sofort an dem ihm eigenthümlichen Geruch erkennen läßt, wenn man Dämpfe solchen Broms durch Kohlenpulver aufsaugen läßt.

8) Joddämpfe werden durch Kohlenpulver selbst bei 80° R. rasch verschluckt, und reibt man einen Theil festen Jods mit neun Theilen Kohlenpulvers zusammen, so entwickelt sich aus einem solchen Gemenge selbst bei 80° R. keine Spur von Joddampf, indem Stärkekleister über so beumstandeter Jodkohle sich nicht bläut; bei merklich höherer Temperatur wird Jod frei. Jodkohle vermag, wie bloßes Jod, die Guajaktinktur zu blauen. Braungelbes Jodwasser läßt sich durch Kohlenpulver rasch und vollständig entfärben.

9) Schon vor geraumer Zeit zeigte ich, daß selbst in der größten Kälte Kohlenpulver aus dem ersten Salpetersäurehydrat Untersalpetersäure abscheidet, ohne daß hiebei Kohlensäure gebildet wird.

Wie mir scheint, hängt die merkwürdige Eigenschaft der Kohle: Chlor, Brom, Jod und Ozon zu verschlucken, zusammen mit dem Vermögen der gleichen Materie; Wasserstoffsuperoxyd, concentrirte Salpetersäure, Uebermangansäure etc. zu zersetzen, ohne Bildung von Kohlensäure. Dieses merkwürdige Verhalten dürfte seinen Grund weniger in dem Vermögen der Kohle haben, Gase zu verschlucken, als in einer Thätigkeit, die wir noch wenig oder gar nicht kennen. (Poggendorff's Annalen der Physik und Chemie, 1848 Nr. 2.)

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