Titel: Ueber die Verfälschung des Essigs mit Salzsäure; von Ed. Moride und Adolphe Bobière.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 8 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi03_8
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Ueber die Verfälschung des Essigs mit Salzsäure; von Ed. Moride und Adolphe Bobière.

Ein Essig, welcher mit salpetersaurem Silber einen Niederschlag gibt, ist deßhalb noch keineswegs als mit Salzsäure oder Kochsalz verfälscht zu betrachten, welches letztere ihm zugesetzt werden könnte, um ihm ein größeres spec. Gewicht zu ertheilen. Gewisse Weine und die damit bereiteten Essige enthalten von Natur aus salzsaure Salze, durch welche obige Reaction entsteht. Solche Weine sind die von den Inseln Ré und Obéron (Flotte-Weine, vins de la flotte genannt); sie enthalten manchmal so viel salzsaure und schwefelsaure Salze, daß die davon bereiteten Essige von den Essighändlern zurückgeschlagen und Entschädigungs-Processe veranlaßt wurden. Ueberdieß enthalten die aus ihnen bereiteten Essige noch mehr Salz, was durch die Verdunstung der Flüssigkeit während der Essigbildung zu erklären ist (in 1000 Gewichtstheilen 0,15 bis 0,22 Theile Schwefelsäure und 0,07 bis 0,09 Chlor). Nach zahlreichen Versuchen, welche von französischen Chemikern angestellt wurden, kann man annehmen: daß jeder Essig, welcher im Liter mehr als 3 Decigramme Chlor enthält, nicht normal zusammengesetzt ist und ihm entweder Kochsalz oder Salzsäure zugesetzt wurde. Dieß ist sehr leicht zu ermitteln, indem man die schwefelsauren Salze nur durch salpetersauren Baryt zu fällen, der filtrirten Flüssigkeit salpetersaures Silber zuzusetzen und den erhaltenen Niederschlag zu glühen braucht. Daraus folgt:

1) es kann ein Essig mit salpetersaurem Silber einen reichlichen Niederschlag geben, ohne deßwegen mit Salzsäure oder Kochsalz verfälscht zu seyn. (Die Probe mit salpetersaurem Silber wurde als ausreichend empfohlen von Hrn. Guibourt, der aber nur mit Weinen von Orleans Versuche angestellt hatte);

2) der Expert sollte, um in dem zu untersuchenden Essig etwa enthaltene Salzsäure zu entdecken, die Destillation desselben nie unterlassen;

3) die quantitative Analyse sollte, ob nun Chlor oder Schwefelsäure aufzusuchen ist, in zweifelhaften Fällen nie unterlassen werden. (Journal de Chimie médicale, 1847 Nr. 9.)

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