Titel: Ueber die Färbung des mit Gaskalk bereiteten Mörtels; von J. Girardin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 2 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi04_2

Ueber die Färbung des mit Gaskalk bereiteten Mörtels; von J. Girardin.

In der Leuchtgasfabrik zu Deville bei Rouen wurden die Alleen eines anstoßenden Gartens mit einer Schicht Kalk, welcher zur Gasreinigung gedient hatte, beschüttet und auf diese gut gestampfte Schicht breitete man dann Kies (Flintquarz vom aufgeschwemmten Lande) aus; nach kurzer Zeit hatten sich die meisten Weißen und gelben Feuersteine, womit der Sand vermengt war, schön blau gefärbt.

Bei der Untersuchung solcher Feuersteine erhielt ich folgende Resultate: sie waren nicht in ihrer ganzen Masse gefärbt, sondern bloß auf derjenigen Seite, welche unmittelbar auf dem Gaskalk lag und überdieß nur stellenweise; diese Farbe ist bald lebhaft blau, bald grünlichblau, bald schwach blau und beschränkt sich immer auf die Oberfläche des Steins. Wasser belebt diese Farbe, ohne sie anzugreifen oder auflösen. Salzsäure bringt die Farbe nach und nach zum Verschwinden, indem sie sich durch aufgelöstes Eisen stark gelb färbt. Aetzkali zerstört sie sogleich. Wenn man solche Feuersteine in einer Glasröhre zum Rothglühen erhitzt, so werden sie braun, |318| dann röthlich und geben ammoniakalische Dämpfe aus; behandelt man sie dann mit Salzsäure, so zieht diese Eisen aus. Diese Reactionen beweisen, daß der Farbstoff Berlinerblau ist.

Der Kalk, welcher zum Reinigen des Leuchtgases benutzt wurde, enthält immer Cyanverbindungen, welche durch die umgebende Feuchtigkeit aufgelöst, in die Masse des Feuersteins eindringen und mit dem darin enthaltenen Eisenoxyd Berlinerblau erzeugen, das in den Poren an der Oberfläche des Steins zurückbleibt. Daß die Färbung sich auf die Oberfläche beschränkt, ist der geringen Porosität dieser Steine und dem Umstand zuzuschreiben, daß das in der äußeren Kruste gebildete Berlinerblau die Poren verstopft, so daß die Auflösung der Cyanverbindungen nicht weiter einsickern kann.

Eine Mauer, welche in der Fabrik zu Deville aus Kies und mit Gaskalk bereitetem Mörtel aufgeführt wurde, war bald voll prächtiger blauer Flecken von verschiedenen Nuancen. Dieselben hielten sich lange Zeit, wurden aber nach und nach grünlich und viele verschwanden sogar gänzlich. Bekanntlich werden auch seidene Vorhänge, welche mit Berlinerblau gefärbt sind, durch die Einwirkung der atmosphärischen Agentien immer blässer und zuletzt weiß. (Comptes rendus, April 1848, Nr. 15.)

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