Titel: Das Trockenlegen der Felder und Ländereien mittelst irdener Röhren, in England und Schottland.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 7 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi04_7

Das Trockenlegen der Felder und Ländereien mittelst irdener Röhren, in England und Schottland.

Die Société d'Encouragement in Paris widmet diesem für die Landwirthschaft so wichtigen Gegenstand seit einiger Zeit ihre besondere Beachtung. Unlängst theilte ihr Hr. de Gourcy die Beobachtungen mit, welche er in England und Schottland über dieses Trockensystem sammelte. Das Verfahren ist folgendes: man zertheilt das Feld durch ein System von tiefen und schmalen Einschnitten, deren |320| Richtung und Anordnung von der Beschaffenheit des Bodens abhängt, nämlich von der Wassermenge die er empfängt und zurückhält. Diese 3 Fuß 10 Zoll tiefen Einschnitte oder Gräben münden in andere Haupteinschnitte ein, welche ihre Wasser in Gräben ergießen, von denen es in Bäche oder Flüsse ablaust. Man muß die Einschnitte auf der Oberfläche so wenig breit als möglich machen und dem Grund die erforderliche Breite geben, damit die Röhren auf denselben eingeschoben werden können, ohne von der geraden Linie abzuweichen. Man bedeckt diese Röhren mit Erde, welche man so eindrückt, daß kein Wasser auf dem Grund des Einschnitts durch lockeres Erdreich anlangen kann; dasselbe muß durch gut eingedrückte Erde Passiren, damit es filtrirt auf dem Boden ankommt und klar in die Röhren gelangt.

Die Länge der Einschnitte richtet sich nach der Größe und Gestalt des Feldes.

Man wendet gewöhnlich Röhren von 27 Millimeter (1 Zoll) Durchmesser an, welche sich selbst nach einem großen Regen nie über zwei Drittel anfüllen.

Man darf niemals Einschnitte im Bereich der Hecken oder Baumwurzeln anlegen, besonders solcher, welche die Feuchtigkeit aufsuchen, denn diese Wurzeln würden die Röhren gänzlich verstopfen.

Die Kosten dieser Trockenlegung mittelst unterirdischer Abzugsröhren werden durch die ergiebigern Ernten und die Verbesserung der Felder reichlich gedeckt; die Wurzeln der Pflanzen dringen nämlich tiefer in den Boden ein und gelangen früher zur Reife, weil die Erde, aus welcher das Wasser abgezogen ist, eine höhere Temperatur behält.

In Folge eines Preises, welchen der landwirthschaftliche Verein zu Shrewsbury auf eine Maschinerie zur Fabrication solcher Röhren ausschrieb, meldeten sich vierzehn Bewerber (zwei patentirte Maschinen sind im polytechn. Journal Bd. XCVII S. 421 und Bd. CVI S. 176 beschrieben); den Vorzug erhielt die Maschine des Hrn. Clayton, welche stündlich 1500 Röhren von 1 Zoll Durchmesser fabricirt und zu ihrer Bedienung einen Mann, einen Knaben und zwei Kinder erfordert. Der Ofen zum Brennen der Röhren ist kreisförmig; er wird aus Thon mit sehr dicken Mauern erbaut, mit Steinkohlen gefeuert und faßt 47,000 Röhren, jede 1 Fuß lang. (Bulletin de la Société d'Encouragement, April 1848, S. 233.)

Ransome und Warren ließen sich im J. 1846 ein Verfahren Patentiren, um sehr poröse Trockenlegungsröhren zu erzeugen, in deren hohlen Raum also das Wasser von der anliegenden Erde durchfiltriren kann, während dem Sand etc. der Eintritt in die Röhre vollkommen verwehrt ist (polytechn. Journal Bd. CVI S. 176); bei Anwendung nicht poröser Röhren zum Austrocknen des Landes muß man eine lockere Verbindung derselben herstellen oder einen kleinen Zwischenraum an den Fugen lassen, damit das Wasser in die Röhre gelangen kann. – Watson wandte dieses System der Trockenlegung auf Eisenbahnen an; er benutzt eiserne Trockenröhren mit Schlitzen oder conischen Löchern, die sich von Außen nach Innen erweitern und deßhalb nicht verstopft werden können. Um beim Einfügen dieser Röhren in den Dämmen keine tiefen Einschnitte machen zu müssen, so daß sich dieselben leicht und mit geringen Kosten in den Boden einsetzen lassen, construirte er eigens hiezu eine Bohrmaschine (polytechn. Journal Bd. XCII S. 328). Die Redact.

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