Titel: Ueber die Benutzung des Platins als Legirung zu Schmucksachen, Schreibfedern und Rädern für Taschenuhren; von Mention und Wagner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 4 (S. 396–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi05_4

Ueber die Benutzung des Platins als Legirung zu Schmucksachen, Schreibfedern und Rädern für Taschenuhren; von Mention und Wagner.

Als Material für Schmucksachen hat das Platin bis jetzt noch keine nachhaltige Verwendung gefunden, da es an Schönheit der Farbe und des Glanzes von dem weit billigern Silber übertroffen wird und seine übrigen vorzüglichen Eigenschaften hier nicht in Betracht kommen, ja zum Theil sogar, wie z.B. seine Unschmelzbarkeit im Ofenfeuer, hindernd wirken. Die Verf. haben jedoch die Erfahrung gemacht, daß das Platin, nachdem es mit Silber oder Kupfer legirt worden, eine höchst vortheilhafte specielle Benutzung in dem in Rede stehenden Industriezweige gestatte, nämlich zur Darstellung emaillirter Artikel.

Bisher war man genöthigt, als Unterlage für das Email immer Gold anzuwenden, da das Silber, namentlich dann, wenn es mehrfache Löthstellen zeigt, nicht |397| das zum Schmelzen des Emails erforderliche Muffelfeuer auszuhalten vermag. Eine in passenden Verhältnissen zusammengesetzte Legirung aus Platin und Silber oder Platin und Kupfer, ist so schmelzbar wie 20karätiges Gold, so dehnbar und hämmerbar, wie 18karätiges und so wenig oxydirbar wie 14karätiges; ja sie hat vor dem 18karätigen Golde noch den Vorzug, daß sie sich im Feuer nicht schwärzt, sondern ihren vollen Glanz behält, während bekanntlich das Gold sich mit einem schwarzen Ueberzuge von Kupferoxyd bedeckt, wodurch das feste und vollkommene Aufschmelzen des Emails oft verhindert wird. Aus diesem Grunde springt auch das letztere sehr leicht von dem Golde ab, so wie man es zu biegen versucht; auf Platin findet in diesem Falle kein Ablösen der Emailmasse statt. Ein weiterer Vorzug der Legirung, welcher die Verfasser den Namen platine au titre beilegen, ist deren im Vergleiche zum Golde sehr niedriger Preis, welcher der Anwendung von Emailverzierungen auf Luxusartikeln ein weites Feld eröffnen dürfte, zumal auch das Damasciren auf derselben in gleicher Weise vorgenommen werden kann, wie auf dem Gold.

Das Legirungsverhältniß bildet keine constante Größe, es kann vielmehr, je nach den Umständen, auf die mannichfachste Weise abgeändert werden. Die Verf. führen beispielsweise folgende Zusammensetzungen an:

Platin Nr. 1 (platine au premier titre) besteht aus 35 Platin und 65 Silber; das dazu bestimmte Loth aus 98 Platin und 20 Kupfer.

Platin Nr. 2 (platine au second titre) aus 17 1/2 Platin und 82 1/2 Silber; das Loth dazu aus 97 1/2 Platin und 2 1/2 Kupfer.

Die erstgedachte Legirung eignet sich besonders zur Anfertigung von Uhrgehäusen, wie überhaupt von solchen Gegenständen, bei welchen eine große Dichtigkeit und Zähigkeit des Materials wünschenswerth ist; die zweite Legirung dagegen paßt, ihrer größern Billigkeit wegen vorzugsweise für größere Gegenstände, die bei Anwendung von Gold einen zu hohen Preis erreichen würden. Es bedarf wohl kaum der besondern Erwähnung, daß diese Platinlegirungen sich gleichfalls sehr leicht plattiren oder vergolden und versilbern lassen.

In Betreff der Bereitung der Legirungen ist zu erwähnen, daß man das Silber zuerst in einem Schmelztiegel zum Fluß bringt und dann das Platin, in der Form von Platinschwamm, und zwar in kleinen Portionen auf einmal zusetzt. Soll auch Gold oder Kupfer hinzukommen, so schmilzt man diese zuerst mit dem Silber zusammen; durch Zusatz von 6–8 Proc. Gold kann die Legirung für manche Zwecke noch wesentlich verbessert werden.

Zur Anfertigung von Schreibfedern paßt folgende Legirung: 4 Platin, 3 Silber und 1 Kupfer; diese Legirung erleidet keine Oxydation beim Gebrauche, wie der Stahl, und besitzt vor dem Gold und Silber den Vorzug größerer Elasticität und Biegsamkeit.

Von besonderm Nutzen dürften endlich die vorgedachten Legirungen für die Fabrication der Taschenuhren seyn, da die daraus bereiteten Räder mannichfache Vorzüge vor den aus Tomback oder Messing dargestellten Rädern ansprechen können. Es ist bekannt, daß die Flügel, an welche das Steigrad stößt, oft von dem letztern geritzt werden, daß durch die Reibung der Metallzähne an einander nicht selten eine Verzögerung der Bewegung veranlaßt wird, wie gleicherweise durch das Dickwerden des als Schmiermittel verwendeten Oeles, durch eintretende Oxydation des Kupfers, oder durch Auslaufen oder Abschleifen der metallenen Theile. Diese Uebelstände können zwar bis zu einem gewissen Grade durch Vergoldung der letzteren aufgehoben werden, allein die Vergoldungsoperation, die fast ausschließlich auf heißem Wege vorgenommen wird, führt leicht zu anderen Nachtheilen, namentlich zu dem, daß die Härte und exacte Justirung der Räder etc. mehr oder weniger verloren geht.

Die Platinlegirungen der vorbemerkten Art erhalten sich vollkommen blank und oxydfrei unter dem Einfluß von Luft, Wasser und Oel; sie besitzen ein dichteres Gefüge und eine größere Zähigkeit als die Kupfer-Zinklegirungen und lassen sich doch ebenso leicht feilen und abdrehen wie diese; sie üben auf Stahl einen weit geringern Reibungswiderstand aus, als Messing oder Tomback, und werden durch kaltes Hämmern in derselben Weise hart und elastisch, wie die letzteren; endlich sind sie, zu Uhrrädern verarbeitet, nicht theurer als Tombackräder, da sie keine Vergoldung brauchen. Hiernach scheint es allerdings wahrscheinlich, daß sie mit Vortheil zur Herstellung |398| von, wo nicht allen, doch vielen Gegenständen der Uhrenfabrication benutzt werden können, die man gegenwärtig aus vergoldetem Tomback oder Messing anfertigt. (Aus den Brevets d'invention, 1847, Bd. LXIV. S. 425, durch das polytechn. Centralblatt, 1stes Märzheft 1848.)

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