Titel: Vortrefflicher Zahnkitt von W. Stein in Dresden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 10 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi06_10

Vortrefflicher Zahnkitt von W. Stein in Dresden.

Die bis jetzt angewendeten Arten von Zahnkitt sind in der Regel Auflösungen von Harzen in Aether, mit oder ohne mechanisch beigemengte in Aether unlösliche |467| Stoffe. Wie aber auch ihre Zusammensetzung seyn mag, immer sind sie mit einigen nicht unerheblichen Uebelständen behaftet. Sie kleben an den Händen und haften nicht in der Höhlung des Zahnes, wenn dieselbe nicht möglichst trocken ist. Das Austrocknen derselben hat aber große Schwierigkeiten und daher ist die Application des Zahnkittes stets sehr beschwerlich. Ein weiterer Uebelstand ist das Zerbröckeln des Kitts im Zahne durch die Einwirkung der Feuchtigkeit. Ich glaube daher den Zahnleidenden einen Dienst zu erweisen, indem ich ihnen einen Zahnkitt namhaft mache, der nicht allein frei ist von allen Unbequemlichkeiten, sondern auch so gut wie gar nichts kostet. Es ist dieß die seit kurzem bekannt gewordene und im Handel schon ziemlich verbreitete Gutta-percha (Peitschengummi). Man nimmt von derselben ein Stückchen, was ungefähr die Größe der Oeffnung des hohlen Zahnes hat, und legt es in kochendes Wasser. Es wird dadurch so weich wie Wachs und läßt sich zwischen den Fingern leicht in eine runde oder jede, nach der Höhlung des Zahnes wünschenswerthe Form bringen. Sobald man ihm dieselbe gegeben hat, ist weiter nichts zu thun, als dasselbe aus dem heißen Wasser herauszunehmen und in den hohlen Zahn zu stecken.

Hat man die Größe gut getroffen, so ist der Zahn ohne die geringste Unbequemlichkeit verkittet; war das Stückchen zu groß, so drängt sich beim Zusammenbeißen der Zähne der überflüssige Theil nach den Seiten und verursacht in der ersten Zeit vielleicht auch durch einen geringen Druck auf den Nerven, ein unangenehmes Gefühl. Dieß hält jedoch nicht lange an, die Gutta-percha nimmt eine sehr angenehme ungefähr dem Knorpel ähnliche Festigkeit an, ohne im geringsten spröde zu seyn und haftet nach meinen bis jetzt gemachten Erfahrungen ganz vortrefflich. Durch die dieser Substanz eigenthümliche Elasticität ist auch ein Zerbeißen und Zerbröckeln nicht möglich und daher ein Stückchen, selbst wenn es einmal locker werden und aus dem Zahne herausfallen sollte, immer wieder brauchbar. (Polyt. Centralbl. 1848, S. 67. Die Redaction desselben bemerkt hiezu. Unseren eigenen Erfahrungen zufolge können wir in manchen Fällen, namentlich wo sehr reizbare, Schmerzen verursachende Zahnnerven bedeckt und vor Luft geschützt werden sollen, nicht genug das Auspinseln des mit weichem Fließpapier gehörig ausgetrockneten hohlen Zahnes mit einer Auflösung der Gutta-percha in Schwefelkohlenstoff empfehlen, deßgleichen bei leichten Schnittwunden das Ueberpinseln mit derselben Lösung.)

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