Titel: Stucco a lucido; von W. Salzenberg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 108/Miszelle 11 (S. 467–468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj108/mi108mi06_11

Stucco a lucido; von W. Salzenberg.

In Oberitalien findet man nicht selten auf den Mauern im Innern, mitunter auch im Aeußeren der Gebäude einen Ueberzug angewendet, der eine feste, ebene und glänzende Oberfläche hat, und den man Stucco a lucido, auch marmorino und scaliolo nennt. Er ist entweder ganz weiß, oder mit verschiedenen Farben tingirt, und eine der bekannten Marmorarten nachahmend, unter denen giallo antico die beliebteste ist. Der Zweck seiner Anwendung ist nicht immer größere Eleganz, sondern mitunter auch Reinlichkeit und Sauberkeit, z.B. auf Abtritten, weil er ohne Nachtheil abgewaschen werden kann. In Parma fand ich die Wände der Krankenzimmer in einem neu errichteten Hospitale mit diesem Stucco a lucido überzogen. Die Art seiner Anfertigung ist einer gefälligen Mittheilung des Hrn. Luigi Ceruti in Mailand und dem, was ich noch an anderen Orten erfragt und beobachtet habe, zufolge etwa diese:

Auf einem Unterputze von 1/3 Zoll Dicke, dessen Mörtel aus drei Theilen scharfen, feinen und rein gewaschenen Sandes und einem Theile durch ein Sieb geschlagenen Kalkes bestehend, gut durchgearbeitet mit kräftigem Wurfe auf die Mauer gebracht, mit Kelle und Richtscheit gut abgezogen, und demnächst gehörig ausgetrocknet ist, wird der eigentliche Stucco in der Dicke von 1/12 Zoll mit der Kardätsche (einem langen schmalen Reibebrett) aufgetragen, recht eben abgezogen und gut abgerieben (in Parma wurden zwei Lagen Unterputz genommen, die untere dicker, die obere |468| schwächer und mit feinerem Sand, und bei jeder der gehörige Grad der Trockenheit abgewartet).

Der Stucco besteht aus drei Theilen Marmormehl von weißem Marmor und einem Theile durchgesiebten Kalk, und muß gut durchgearbeitet werden. Um dem Stucco-Ueberzug den Glanz zu geben, nimmt man drei Theile weiße Seife und einen Theil gesiebtem Kalk, zerreibt diese Theile gut untereinander zu einem Brei, verdünnt den Brei mit reinem Wasser in einem Gefäße bis zur Consistenz der gewöhnlichen Wasserfarbe oder Weißkalktünche, trägt diese Tünche mit einem Pinsel auf den gut angetrockneten Stuck und polirt sie, nachdem sie angezogen hat, mit einer besonders dazu vorgerichteten Maurerkelle. Die Kelle von Stahl etwa 1/4 bis 1/3 Zoll dick, nicht über 5 1/2 Zoll lang und über 2 1/2 Zoll breit, mit einem hölzernen Handgriffe versehen, an der Unterfläche sanft gewölbt und hell polirt, in glühenden Holzkohlen auf 32 bis 35° R. erwärmt, wird mit Hülfe eines Holzstückchens in der linken Hand von dem Arbeiter fest, aber nicht übermäßig gegen die Oberfläche des Stucks angedrückt und mit der Rechten in langen sanften hin- und wiederkehrenden Zügen über die Fläche hingeführt, um den Glanz hervorzurufen. Es gehört zu dieser Arbeit und der richtigen Handhabung der Kelle einige Geschicklichkeit und Uebung. Um immer eine gehörig erwärmte Kelle zu haben, müssen mehrere dergleichen vorhanden seyn und in den glühenden Kohlen liegen. Die Farben werden der letzten Tünche zugesetzt und auch Nüancirungen und Adern bei der Nachahmung von Marmor darin eingetragen. An einigen Orten war auch die Rede von einem Zusatze von weißem Wachs zu der Seife, ich habe nicht erfahren in welchem Verhältnisse. Bei der Anwendung im Aeußeren wird die polirte Fläche Wohl noch mit Leinöl und einem wollenen Lappen abgerieben.

Die angegebenen Mischungsverhältnisse des Mörtels, Stucco's u.s.w. gelten für Mailand und sind an anderen Orten nach Beschaffenheit der Materialien vielleicht abzuändern, was jedoch nur durch Versuche ermittelt werden kann.

Zu Parma wurden die Kosten einer Quadratbraccia Stucco a lucido zu einem Lire Milanense angegeben, was etwa 1 5/6 Sgr. für den Quadratfuß preußisch beträgt. (Notizbl. des Architekten-Vereins zu Berlin, neue Folge, Nr. 1. S. 15)

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