Titel: Buchanan, über die Anwendung des See-Aräometers.
Autor: Buchanan, Georg
Fundstelle: 1848, Band 109, Nr. L. (S. 282–283)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/ar109050

L. Ueber die Anwendung des See-Aräometers; von Georg Buchanan, Civilingenieur und Präsident der königl. schottischen Gesellschaft der Künste.

Aus dem Edinburgh new philosophical Journal, Jan. — April 1848, S. 307.

Dieses Instrument fand ich sehr nützlich, um das Vorherrschen des See- oder des Flußwassers bei den Einmündungen der Flüsse in die See (estuaries) zu ermitteln und die Gränzen dieser Wässer in Bezug auf die See zu bestimmen. Diese Untersuchung ist nicht nur an und für sich interessant, sondern fand in Schottland eine wichtige praktische Anwendung hinsichtlich der Lachsfischereien. Bekanntlich sind nämlich in Flüssen die Verfahrungsweisen beim Fischen beschränkt, während man sich in der See jedes Mittels die Lachse zu fangen bedienen kann, z. B. der Pfahlnetze und anderer fixer Vorrichtungen. Nach der Einführung dieser neuen Verbesserung im Fischen entstand die große Frage, wie die Gränze zwischen dem Fluß und der See, und dadurch der Punkt zu bestimmen sey, wo jene Beschränkungen für die Fischer aufhören können und der Gebrauch von Apparaten gestattet ist. Die Meinungen hierüber waren sehr getheilt; als ein Untersuchungsmittel wurde auch das Vorherrschen des süßen oder des Salzwassers aufgestellt.

Bei mehreren derartigen Untersuchungen überzeugte ich mich, daß es für jeden Zweck hinreicht, die Beschaffenheit des Wassers durch dessen specifische Schwere zu ermitteln, weil dadurch das Vorherrschen des See- oder des süßen Wassers stets genau angegeben wird. Man hätte demnach das Wasser jedesmal auf die gewöhnliche Weise mittelst einer feinen Waage auf sein specifisches Gewicht zu prüfen. Da dieses Verfahren aber langwierig und da kaum anwendbar ist, wo viele Proben auf der Stelle und während der Schiffs-Inspection untersucht werden sollen, fiel mir ein, daß ein aräometerartiges Instrument dazu eingeführt werden könnte, wodurch dieses Geschäft erleichtert würde. Ein diesem Zwecke entsprechendes Instrument besteht aus einem gewöhnlichen Weingeist-Aräometer von Messing, welcher im Seewasser gerade bis unter die Kugel einsinkt; die Spindel ist mit einer sehr dünnen Scala versehen, um die Abstufungen des Salzgehalts mit Genauigkeit messen zu können; ein dünner Streifen Fischbein oder Elfenbein eignet sich vollkommen dazu.

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Die specifische Schwere des Seewassers längs der Ostküste von Schottland fand ich selten über 1026, das Süßwasser zu 1000 angenommen. Ein ganz kleiner Zusatz von Salz zum Süßwasser wird schon durch das Steigen des Aräometerstiels angezeigt. Eine Probe von Granton Pier bei niederm Wasserstand zeigte 1024, also 1 Thl. Süßwasser auf 13 Thle. Salzwasser; bei Hochwasser ergab sich genau dasselbe Resultat, sowie auch oben und auf dem Grunde; dieß ist jedoch selten der Fall bei Flußmündungen und wo Fluß- und Meerwasser sich begegnen, weil das süße Wasser in der Regel in der Höhe bleibt, namentlich bei Flüssen die einen raschen Fall in das Meer haben, wobei den verschiedenen Wässern keine Zeit gelassen ist sich zu vermischen. Ich fand hier sehr oft das Wasser auf der Oberfläche ganz süß, in 4–5 Fuß Tiefe stieg aber der Aräometer beinahe bis an das Ende der Scala, was das gänzliche Vorherrschen des Meerwassers in dieser Tiefe beweist. Die Süßwasser erhalten sich, nachdem sie in die offene See gelangt sind, oft lange Zeit auf deren Oberfläche und werden von dem vorherrschenden Wind in verschiedenen Richtungen herumgetrieben. Eine zu Queensferry genommene Probe von der Oberfläche ergab 1023 spec. Gewicht oder 1 Theil Süßwasser auf nahezu 9 Theile Seewasser; in der Tiefe von 14 Fuß hatte es 1023½ spec. Gewicht, oder 1 Theil Süßwasser auf 10½ Seewasser. Zu Alloa hingegen, wo das Wasser bei niederm Stande beinahe ganz süß war, zeigte eine bei Hochwasser genommene Probe auf der Oberfläche 1010½, und in der Tiefe 1013 spec. Gewicht, also erstere eine Mischung von 10 Theilen Süßwasser und 16 Theilen Meerwasser, und letztere genau beide zu gleichen Theilen.

Für die Seen des Nordens fanden Dr. Marcet, Dr. Scoresby und Dr. Fife 1026,7 spec. Gewicht, und zwar ziemlich gleich in allen Tiefen. Unter dem Aequator 1028. Im Mittelmeer 1028,82, wonach also dieses Meer bedeutend mehr Salz enthält, als die die Erdkugel umgebenden Oceane. Das salzreichste, wenigstens das schwerste von allen Wassern der Erde ist das todte Meer, welches nicht bloß Salz, sondern auch schweflige und erdharzige Bestandtheile führt. Das spec. Gewicht einer vor vielen Jahren von Hrn. Gordon mitgebrachten Probe desselben war = 1211, wonach es also einen achtmal größern Gehalt hat als das Seewasser.

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