Titel: Rueff's Vorrichtung zum gleichzeitigen Messen und Wägen der Frucht.
Autor: Rueff, A.
Fundstelle: 1848, Band 109, Nr. LXXIII. (S. 423–426)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/ar109073

LXXIII. Ueber eine Vorrichtung zum gleichzeitigen Messen und Wägen der Frucht; von Dr. A. Rueff in Hohenheim.

Aus Riecke's Wochenblatt, 1848 Nr. 36.

Mit Abbildungen auf Tab. VIII.

Die Vorzüge des Wägens vor dem Messen der Frucht sind nicht allein wegen der durch die eigenthümlichen Manipulationen beim Messen bedingten Unmöglichkeit einer gleichförmigen Ausführung des Messens, sondern auch wegen der Unsicherheit in der Werthbestimmung der Frucht, in Folge welcher eine gerechte Festsetzung der Brodtaxe sehr erschwert wird, so anerkannt und die Einwendungen welche man gegen das Wägen gemacht hat, z. B. die Möglichkeit eines leichten Betrugs durch Befeuchtung der zu wägenden Frucht, sind durch mancherlei Versuche |424| und Erfahrungen so gründlich widerlegt, daß man wohl darüber nicht in Zweifel seyn kann, welche von beiden Methoden den Vorzug verdiene. Allein einer allgemeinen Einführung des Wägens beim Fruchthandel steht der Umstand entgegen, daß das Publicum überhaupt ungern neue Methoden annimmt, und besonders das, daß zugleich eine ganz andere Schätzungsweise der Waare aus dieser Methode erfolgt, in welcher der Käufer und Verkäufer noch keine Erfahrung hat.

Diese Schwierigkeiten brachten mich auf die Idee einer passenden Vereinigung der Vortheile des Messens und Wägens.71 Ich glaube, daß hiedurch am besten der Uebergang zur allgemeinen Einführung der Wage im Fruchthandel erreicht werden kann. Diese Idee glaube ich nun durch die Construction meines Scheffelmaaßes zur Ausführung bringen zu können. Eine nähere Beschreibung der durch beiliegende Zeichnung dargestellten Vorrichtung mag jedem die eigene Beurtheilung der Vortheile dieses Apparats möglich machen.

Ein viereckiger hölzerner, unten enger werdender Kasten, so zwar, daß der Bodendurchmesser die Hälfte des Kastendurchmessers beträgt, dessen cubischer Inhalt genau dem Scheffelmaaß entspricht, dient zur Aufnahme der Frucht. Durch ein in einem Falze laufendes Abstreichbrettchen a, Fig. 20, das eine besondere Handhabe hat, wird ein stets gleichmäßiges Abstreichen des Maaßes erreicht. Um ein Verstreuen der Frucht zu vermeiden, ist das Streichholz a etwas hoch und eine hohe Berandung des eigentlichen Maaßes läßt die überflüssige Frucht nicht auf die Seite abfallen, sondern nach vorn durch eine Art Rinne oder Ausguß b in ein bereit stehendes Gefäß abfließen. Um auch beim Einfüllen eine stete Gleichmäßigkeit zu erreichen, wäre es von Vortheil, |425| wenn die Frucht durch einen in einer bestimmten Höhe angebrachten Trichter eingeschüttet würde. Dieses Scheffelmaaß ist nun zwischen einem aus zwei durch ein Querstück verbundenen senkrechten Balken c, c bestehenden Gestell in der Weise aufgehängt, daß es durch eine einfache Kurbel mit einem Sperrhaken d über zwei Leitrollen m, n mittelst eines Seils in die Höhe gehoben werden kann. Zur Vermeidung einer störenden Reibung sind an den beiden Seitenwandungen des Kastens kleine Rollen angebracht, welche zwischen zwei Schienen des Gestells laufen.

Um nun ohne besondere Mühe und Zeitaufwand das Gewicht des gegebenen Maßes zn erhalten, habe ich vorerst an dem Modell eine Federwage an dem Aufhängepunkt des Meßkastens angebracht. Eine Hahn'sche Zeigerwage oder auch eine Federwage, in Verbindung gesetzt mit dem oberen Endstück des Aufhängestranges72 würde zwar ebenso leicht und billig herzustellen seyn und den Vortheil gewähren, daß nur die Hälfte der Tragkraft der Wage erforderlich wäre, allein es werden wohl erst Erfahrungen im Großen (nicht am Modell) nöthig seyn, um zu entscheiden, ob auf diese Art die erforderliche Empfindlichkeit der Wage erreicht werden kann. Bei der Construirung des Gestells habe ich jedoch auch darauf Rücksicht genommen, daß fast jede Brückenwage eingeschoben werden kann, wodurch die Kosten der Anschaffung einer Federwage erspart würden. Allein hiedurch ginge dann der wesentliche Vortheil verloren, daß das Gewicht sich selbst anzeigt, wie es bei der Hahn'schen und Federwage der Fall ist. Doch könnte man auch eine solche Brückenwage, wenn sie zweckmäßig in dem Gestell angebracht ist, mit einer Zeigerwage in Verbindung bringen, welche Verbindung gegenwärtig auf dem Bureau der Eisenbahn in Stuttgart mit großem Zeitgewinn in Anwendung kommt. Jedenfalls müßte aber die Brückenwage so eingesetzt werden, daß die Schalen zum Gewicht auf einer Seite neben dem senkrechten Balken des Gestells angebracht wären, um das Einbringen des Sackes zum Zweck der Entleerung nicht zu hindern.

Wenn nun das abgestrichene volle Scheffelmaaß mit Hülfe der Kurbel aufgezogen worden ist, hat man entweder schon unten durch die Brückenwage oder im Schweben durch die Zeigerwage das Gewicht der Frucht erhalten und es kann nun die Entleerung geschehen. Dieß wird auf eine bequeme Weise dadurch erreicht, daß von der hintern Seite des |426| Gestelles (nach vorn steht das Gefäß zur Aufnahme der abgestrichenen Frucht) von einem Manne die Mündung des Sackes, in welchen das Getreide gebracht werden soll, unter dem trichterförmigen Boden des Kastens angesetzt wird, so daß, wenn der zum Schieben eingerichtete Boden herausgezogen wird, die Frucht sich in den Sack entleert.

Was endlich die Größenverhältnisse betrifft, so müßte die Höhe des Gestells für ein Scheffelmaaß etwa 9′ betragen, die Breite von einem Seitenbalken zum andern 4′. Da die einzelnen Theile von einer Stärke seyn müssen, daß sie eine Last von etwa 4 Cntr. ohne Gefahr einer Beschädigung tragen können, so erreicht je nach der Holzart und der Stärke des Beschläges dieses Gestell nebst dem Maaß ein mehr oder weniger hohes Gewicht, so daß es zum freien Transport zu schwer wäre. Ich ließ deßwegen unten am Gestell vier kleine starke Räder k, k, k, k anbringen, auf welchen der ganze Apparat mit Leichtigkeit nach Belieben von einem Ort zum andern gebracht werden kann. Bei diesen Größenverhältnissen wird das Einfüllen des Maaßes, sowie die Entleerung in den Sack mit der größten Bequemlichkeit und ohne besondern Zeitverlust und Kostenaufwand geschehen können. Die Kosten der Anschaffung sind bei der Einfachheit des Apparats, besonders wenn eine vielleicht schon vorher vorhandene Brückenwage zur Bestimmung des Gewichts verwendet würde, im Vergleich mit den Vortheilen so unbedeutend, daß von dieser Seite her wohl kein Hinderniß einer Annahme dieses meines Vorschlages entgegentreten möchte, und ich glaube, daß durch eine allgemeinere Aufstellung eines solchen Maaßes nicht allein die Klagen über Ungleichheit und Benachteiligung im Messen beseitigt, sondern auch bald die Vorzüge des Wägens im Fruchthandel anerkannt würden.

|424|

Schon früher, ehe die Nachtheile und Vortheile des Messens und Wägens der Frucht allgemeiner zur Sprache gebracht wurden, fühlte ich die Nachtheile, welche durch die Ungenauigkeit und Unsicherheit beim gewöhnlichen Messen, besonders in Bezug auf die Verschiedenheit des Nahrungswerthes bei gleichem Maaß des Habers sich ergeben, um so deutlicher, als ich bei einzelnen Pferden, deren Fütterungsweise und Leistungen ich genau beobachten konnte, Gelegenheit hatte Erfahrungen zu machen über den Einfluß verschiedener Qualitäten von Körnerfutter. Ich bin deßwegen schon vor zehn Jahren, um diese durch die verschiedene Qualität des Habers bedingte Ungleichheit einer durch das Maaß bestimmten Futterration auf eine rationelle und bequeme Weise auszugleichen, in der Weise verfahren, daß ich das gewöhnliche Achtels- oder Halbvierlingsmäßchen, welches gewöhnlich zum Vormessen jeder Futterportion in den Ställen angewendet wird, mit einem verschiebbaren und wieder feststellbaren Boden versehen ließ. Nach jedem Ankauf einer neuen Habersorte wurde dieses Portionenmaß in der Weise hergerichtet, daß das Gewicht, welches dem Pferde nach Berechnung auf Grund des Gewichts eines guten Habers zukommen sollte, durch das Maaß auch erhalten wurde, bis wieder eine andere Sorte Haber eine kleine Erweiterung oder Verengerung des Gefäßes nothwendig machte.

|425|

Eine solche cylinderförmige Federwage ist in der Zeichnung bei e angedeutet. Bei Anfertigung der Wage müßte zunächst nur darauf Rücksicht genommen werden, daß dieselbe die einzelnen Pfunde zwischen dem niedrigsten und höchsten Gewicht der zu messenden Früchte durch den Zeiger deutlich angibt.

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