Titel: Ueber das Schwarzfärben der gedruckten Kattune; von J. B. Royer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 4 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi01_4

Ueber das Schwarzfärben der gedruckten Kattune; von J. B. Royer.

Die Kaufleute in Havana, nach New-York eine der größten und wichtigsten Städte in Westindien, können sich ihrer gedruckten Kattune, nachdem sie aus der Mode gekommen oder nicht mehr nach dem Geschmack der Käufer sind, auf keine andere Art entledigen, als daß sie dieselben entweder zu sehr niedrigem Preise verkaufen |79| oder schwarz färben lassen. Da die Sterblichkeit unter der heißen Zone ziemlich groß ist, so ist auch der Verbrauch von Trauerzeugen bedeutend. Bei meiner Ankunft daselbst konnten die dortigen Färber diese Zeuge theils gar nicht, theils nur ungenügend färben; das salpetersaure Eisen konnten sie nicht anwenden, weil die Salpetersäure 10–12 Francs per Kilgr. kostete und das essigsaure Eisen war ihnen nicht bekannt. Es mußte also eine Beize angewandt werden, deren niedriger Preis mit dem wohlfeilen Preis der Trauerkattune in Verhältniß stand; denn die Engländer verkaufen ihre gedruckten Kattune 1800 Lieues von Europa entfernt zu demselben Preise wie man sich dieselben zu Paris verschaffen kann.

Um solche gedruckte Kattune schwarz zu färben, verfuhr ich folgendermaßen: in einer viereckigen Kufe, auf welcher ein Haspel angebracht werden konnte, setzte ich ein Bad an mit Eisenvitriol und Kochsalz, nebst soviel Kupfervitriol als dieselben zusammen wogen: diese Flüssigkeit zeigte 8–10° am Aräometer, eher mehr als weniger. Die Stücke wurden nach vorhergegangenem Laugen und Waschen mittelst Dividivischoten stark gallirt. Hierauf trocknete man sie an der Sonne, gallirte sie noch zwei bis dreimal und nahm sie dann zehn Minuten lang durch obige Beize, worauf man sie bloß auswusch. Ein Arbeiter nahm sie dann wieder vor und gab dann einem Stück nach dem anderen ein Bad von Blauholzabsud; man trocknete sie nun, um sie dann zu waschen und ihnen den Appret zu geben. Auf diese Art erhielten sie eine tiefschwarze Farbe, welche man dem Blauschwarz vorzieht, weil letzteres in diesem Lande leicht gesprenkelt oder fleckig wird.

Das Brasilienholz (Caesalpinia crista) findet sich längs des Meeres sehr häufig; die Amerikaner laden viel davon im Hafen von Nuevitas und sollen es zu Hause für St. Marthenholz verkaufen.

Das Gelbholz (Morus tinctoria) gedeiht in der Gegend von Holguin bei Santiago de Cuba sehr gut; es ist schön hellgelb, aber minder ergiebig als dasjenige der Küste von Campeche. — Die Engländer nennen Fustet den Rhus cotinus und Fustic die Morus tinctoria. (Moniteur industriel, 1848, Nr. 1252.)

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