Titel: Ueber verschiedene Benutzungsarten einer Auflösung von Gutta-percha in Schwefelkohlenstoff; von Prof. Vogel jun. in München.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 3 (S. 148–149)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi02_3
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Ueber verschiedene Benutzungsarten einer Auflösung von Gutta-percha in Schwefelkohlenstoff; von Prof. Vogel jun. in München.

In kochendem Terpenthinöl löst sich die Gutta-percha sehr gut auf; aber diese Auflösung besitzt einige Uebelstände; auf Marmor, Glas etc aufgetragen, trocknet sie langsam aus und hinterläßt auf deren Oberfläche etwas Klebriges. Auf Papier hinterläßt sie Flecken und der unangenehme Geruch des Terpenthinöls verschwindet nur langsam.

Die in Alkohol und Aether vollkommen unauflösliche Gutta-percha löst sich aber leicht und in allen Verhältnissen in Schwefelkohlenstoff auf, ohne daß man die Temperatur zu erhöhen braucht. Der im Handel vorkommende Schwefelkohienstoff enthält Spuren von Schwefelwasserstoff, wovon man ihn zuvor durch Schütteln mit etwas Bleiglätte oder Bleiweiß reinigen muß.

Da eine Auflösung von Gutta-percha in Schwefelkohlenstoff, auf eine Fläche ausgegossen, sehr schnell verdampft und dann eine vor dem Einfluß des Wassers und der Luft schützende dünne Schicht von Gutta-percha zurückläßt, so ist diese Lösung zur Deckung von Schnittwunden gut zu benutzen. Da der Schwefelkohlenstoff wegen seiner großen Flüchtigkeit beim Verdampfen auf der Haut Kälte erzeugt, so wirkt diese Lösung außer der schnellen Vereinigung der Wundränder noch als antiphlogistisches Mittel.

Diese Gutta-percha-Lösung kann auch zum Ueberziehen von Früchten verwendet werden. Bekanntlich werden Früchte, wenn sie versendet oder in wissenschaftlichem Interesse aufbewahrt werden sollen, mit Wachs überzogen. Neben der Unsicherheit der Conservirung auf diese Weise, ergibt sich noch der Nachtheil, daß es nicht leicht ist, das Wachs ohne Verletznng der Frucht vollkommen zu entfernen. Ueberstreicht man dagegen eine Frucht mit der Gutta-percha-Lösung, so wird sie durch diese dünne Schicht vor Luft und Wasser geschützt und somit auch das Eintrocknen verhindert, abgesehen davon, daß der Ueberzug von Gutta-percha sehr leicht auf mechanischem Wege oder auch durch heißes Wasser abgenommen werden kann.

Da durch Benetzen mit der Gutta-percha-Lösung in Schwefelkohlenstoff, Druckpapier augenblicklich in Schreibpapier umgewandelt wird, so ist diese Flüssigkeit sehr zweckmäßig auf radirten Stellen statt des Sandaraks anwendbar.

Zeichnungen auf Papier, welche mit dem Zeichnenstift, Kreide oder Kohle gemacht sind, lassen sich vermittelst der erwähnten Gutta-percha-Lösung fixiren, so daß die Striche durch Reibung nicht mehr vertilgt werden können. In der Folge dürfte daher die Auflösung der Gutta-percha in Schwefelkohlenstoff von den Malern und Zeichnern zum Ueberziehen der Cartons anstatt des jetzt gebräuchlichen Leims angewandt werden. (Journal de Pharmacie, Mai 1848, S. 333.)

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