Titel: Ueber den in England gebräuchlichen Malzessig und die Prüfung dieses Essigs, von Dr. Andr. Ure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 6 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi02_6

Ueber den in England gebräuchlichen Malzessig und die Prüfung dieses Essigs, von Dr. Andr. Ure.

Der Essig kommt in England von der verschiedensten Stärke und Reinheit im Handel vor. Der aus Malz bereitete enthält in der Regel soviel Kleber, daß er bald in Fäulniß übergehen würde, wenn man derselben nicht durch Zusatz von Vitriolöl begegnete — eine durch das Gesetz sanctionirte Verfälschung!

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Um den Malzessig zu untersuchen, dampfe ich 1000 Gran desselben in einer Porzellanschale in einem Salzwasserbad (86° R.) ab, wiege den Rückstand, wasche ihn dann mit Alkohol von 0,840 spec. Gew. und filtrire. Der Alkohol zieht die Schwefelsäure aus, welche man mit einem Barytsalz niederschlägt und so quantitativ bestimmt. Der Kleber kann durch Verbrennen des vorher trocken gewogenen Filters bestimmt werden; die salzigen oder alkalischen Unreinigkeiten bleiben hiebei zurück. Letztere bestehen gewöhnlich aus kohlensaurem Natron, weil verdorbener oder schlecht gegohrener Malzessig nicht selten durch Zusatz von Holzessig verstärkt wird, welcher bisweilen essigsaures Natron enthält. Die vorgeschriebene Behandlung des Rückstands mit Alkohol ist durchaus nöthig, um die freie Schwefelsäure vom schwefelsauren Kalk abzusondern, welcher letztere im Product aller Essigsiedereien vorkommt deren Wasser gypshaltig ist. Der schwefelsaure Kalk ist im Weingeist von der erwähnten Stärke unauflöslich. — Schwache Essige werden bisweilen mit Salpetersäure oder Salzsäure geschärft. Um erstere zu entdecken, läßt man einen oder zwei Tropfen schwefelsauren Indig in den Essig fallen und erhitzt ihn dann; enthielt er Salpetersäure, so verschwindet die blaue Farbe und die Flüssigkeit wird bräunlichgelb. Um Salzsäure zu entdecken, destillirt man eine Portion des Essigs und bringt in die Vorlage einige Tropfen salpetersauren Silbers; ein weißer klumpiger Niederschlag zeigt Salzsäure an. — Zum Prüfen des Essigs auf seinen Säuregehalt verwendet man am besten flüssiges Aetzammoniak von bekannter Stärke.

Um die Fäulniß des Malzessigs ganz zu verhüten, müßte man den Kleber desselben oxydiren und dadurch unauflöslich machen, wie es bei dem bayerischen Bierbrauerei-Verfahren geschieht. Eine solche Oxydation des Klebers findet auch bei Ham's bekannter Bereitungsart des Malzessigs statt. (Mechanics' Magazine, 1848 Nr. 1293.)

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