Titel: Die Patent-Steingußfabricate der HHrn. Gran und v. Bosse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 2 (S. 232–233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi03_2

Die Patent-Steingußfabricate der HHrn. Gran und v. Bosse.

Es gibt in der Geschichte der Wissenschaften und der Industrie nicht wenig Beispiele von wichtigen und erfolgreichen Erfindungen, die durch reine Zufälle veranlaßt wurden. Bald war es ein ungeahnter Fund an einem Orte, wo man nichts oder etwas Anderes suchte, oder ein glücklicher Griff aufs Gerathewohl in eine chaotische Masse gethan, der Neues oder Verlorengegebenes zum Vorschein brachte, bald ein an sich ganz gewöhnliches Ereigniß, das zu günstiger Stunde eine neue Idee in einem großartigen Geiste erweckte, oder auch wohl ein nie vorherzusehendes und noch weniger planmäßig zu bewirkendes Zusammentreffen verschiedenartiger Umstände, das |233| auf Unbekanntes hinleitete. Nicht geringer aber ist auf der andern Seite die Zahl auch solcher Fälle, wo bedeutende Entdeckungen, resp. Erfindungen, Ergebniß und Folge langdauernder, mit Vorbedacht begonnener und planmäßig und unermüdlich fortgesetzter Anstrengungen oft nicht eines einzigen nur, sondern einer Reihe Gleichgesinnter gewesen sind, wo ein einmal ausgesprochener Gedanke, eine einmal aufgenommene Untersuchung, eine einmal angeregte Hoffnung, wenn auch vielleicht scheinbar vergessen oder aufgegeben, doch fortgelebt und lange Zeit hindurch im Stillen fortgewirkt hat, bis es endlich gelang alle Schwierigkeiten zu überwinden und das Ziel zu erreichen. Und eben hiervon liegt uns in der in Dresden (Alaungafse, Nr. 55 b) so eben eröffneten kostenfreien Ausstellung des Patent-Steingusses aus der für das Inland patentirten Fabrik der HHrn. Gran und v. Bosse ein neues Beispiel vor Augen. Dieser ganz neuen, für die gesammte Industrie höchst wichtigen Erfindung, worüber sich bereits die Gewerbvereine in Zittau und in Dresden sehr günstig ausgesprochen haben, möge noch etwas näher gedacht seyn. Die „Patent-Steingußfabricate“ werden auf kaltem Wege aus allen Arten Stein, Metall, Schlacken, Stein- und Braunkohlen, Asche u. dgl. hergestellt. Das Wie? ist nur den obengenannten Erfindern bekannt, welche dieß gegen ein angemessenes Honorar mitzutheilen bereit sind. Die „Patent-Steingußfabricate“ sind nämlich: 1) Marmor-Fußplatten, schöner und bedeutend billiger als von natürlichem Marmor, bereits von dem Hofbaumeister v. Wolframsdorf u. A. angewandt; 2) Bimsstein; 3) Wetz- und Schleifsteine, in jeder Hinsicht den Erfordernissen entsprechend und um die Hälfte billiger als die natürlichen, bereits von den landwirthschaftlichen Vereinen zahlreich beachtet; 4) verschiedene Sorten Sandstein,“ an Dichtigkeit und Festigkeit die natürlichen übertreffend; 5) Mühlsteine, sehr dauerhaft; 6) verschiedene, wahrhaft vortreffliche Kunstgußgegenstände (Porträts, Rosetten, architektonische Verzierungen aller Art); letzterer in solcher Schönheit bisher noch nicht vorhanden gewesene Kunstartikel ist nicht nur ein Schmuck jedes Zimmers, sondern dürfte auch hauptsächlich den Bauherren und Baumeistern die beste Gelegenheit zur Entgegennahme dauerhafter und billiger architektonischer Verzierungen darbieten. Man beabsichtigt auf diese wichtige Erfindung ein Actien-Unternehmen zu begründen; die vielseitige Brauchbarkeit der obengenannten „Patent-Steingußfabricate“ läßt mit Sicherheit einen günstigen Erfolg von diesem Unternehmen erwarten.

B.

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