Titel: Anwendung des Mikroskops zur Erkennung von Pflanzenalkalien, insbesondere jener des Opiums.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 3 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi03_3

Anwendung des Mikroskops zur Erkennung von Pflanzenalkalien, insbesondere jener des Opiums.

Professor Anderson in Edinburgh schlägt zu diesem Zwecke ein neues Verfahren vor. Man löst das Alkaloïd in verdünnter Salzsäure auf und setzt einem, auf eine Glasplatte gebrachten Tropfen dieser Lösung (behufs der Erkennung des Alkaloïds) einen Tropfen schwache Ammoniakflüssigkeit, oder um eine Schwefelcyanverbindung damit zu bilden, Schwefelcyankalium zu und bringt alsdann die Glasplatte in das Gesichtsfeld eines 250mal vergrößernden Mikroskops. Man bereite die Lösung nicht zu concentrirt, weil sonst die Krystalle wirre ausfallen und schwieriger zu bestimmen sind. Die verschiedenen Alkalien verhalten sich dabei wie folgt:

Das salzsaure Strychnin gibt mit Ammoniak sogleich kleine, sehr deutliche, an Größe beinahe gleiche, prismatische Krystalle. Das schwefelblausaure Strychnin gibt bald einzeln, bald in unregelmäßigen Gruppen stehende, abgeplattete Nadeln, die in einem spitzen Winkel enden oder abgestumpfte Enden haben.

Das Brucin gibt nach einigen Augenblicken unregelmäßig, sternförmig zusammengestellte Krystall-Gruppen; das schwefelblausaure Brucin krystallisirt in kleinen äußerst dünnen Büscheln.

Die Morphinsalze geben mit Ammoniak rhomboedrische Krystalle. Das schwefelblausaure krystallisirt nicht.

Das Narcotin gibt zweigartige Krystalle. Das schwefelblausaure ist amorph.

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Das Cinchonin bildet körnige Massen, die aus mehr oder weniger deutlichen nadelförmigen Krystallen bestehen, welche wie aus einem Mittelpunkt ausstrahlen, auch zuweilen wirre Körnchen. Das schwefelblausaure Cinchonin liefert sechsseitige Krystalle, mit unregelmäßigen und abgeplatteten rechtwinkligen untermengt.

Das Chinin bildet einen amorphen Niederschlag; das schwefelblausaure kleine unregelmäßige Gruppen von nadelförmigen Krystallen, die jenen des Strychnins sehr ähnlich, jedoch länger und nicht so regelmäßig sind. Das Ammoniak ist ein sehr geeignetes Reagens, um diese Basen zu unterscheiden, indem das Strychnin mit demselben Krystalle gibt, das Chinin aber eine amorphe Masse.

Atropin wird nur von Ammoniak amorph niedergeschlagen.

Das Mikroskop wurde schon früher zu gerichtlich-medicinischen Untersuchungen angewandt; so auch zu jenen verdächtiger Opiumsorten. Obiges Verfahren setzt wohl einige Uebung vor der Anwendung voraus. (Journal de chimie médicale, Juni 1848.)

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