Titel: Ueber die Ausfüllung des Mantels der sogenannten feuerfesten Kassenschränke; von Professor Dr. Remigius Fresenius.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 7 (S. 236–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi03_7

Ueber die Ausfüllung des Mantels der sogenannten feuerfesten Kassenschränke; von Professor Dr. Remigius Fresenius.

Die Meinungen sind getheilt, welche Substanz zur Ausfüllung des Mantels feuerfester Kassenschränke die geeignetste seyn möchte; ob es besser sey, den Mantel einfach zu machen, oder denselben durch Zwischenwände zu theilen u. s. w. — diese Fragen sind für den praktischen Werth der sogenannten feuerfesten Behältnisse von Bedeutung, und aus dem, was bis jetzt über die Wärmeleitungsfähigkeit u. s. w. der zur Ausfüllung geeigneten pulverförmigen Substanzen bekannt war, können dieselben nicht mit Zuverlässigkeit beantwortet werden. Ich unternahm es daher, den wahren Sachverhalt durch neue Versuche festzustellen. Dieselben beziehen sich

1) auf den relativen Werth des Holzkohlenpulvers, der Holzasche, des gebrannten Gypses und der Steinkohlenlösche als Ausfüllungsmittel des Mantels;

2) auf den relativen Werth eines einzigen Mantels zu einem durch Zwischenwände und eine Luftschicht getheilten.

|237|

I.

Der Apparat, mit welchem ich die auf den ersten Punkt bezüglichen Versuche unternahm, bestand in einem hohlen, unten durch einen ebenen Boden verschlossenen, oben offenen Cylinder von dünnem Eisenblech (Durchmesser 3 Zoll, Höhe 2½ Zoll), in welchem mittelst dreier Drähte ein dem ersten ähnlicher, aber kleinerer Cylinder (Durchmesser 2 Zoll, Höhe 2 Zoll) in der Weise eingehängt wurde, daß der größere einen Mantel um den kleineren bildete. Aus den angegebenen Verhältnissen erhellt, daß der Zwischenraum zwischen beiden Cylindern unten und auf den Seiten gleich war und ½ Zoll betrug. Der Zwischenraum wurde nun nach der Reihe

a) mit Holzkohlenpulver,
b) mit Buchenholzasche,
c) mit gebranntem Gyps,
d) mit Steinkohlenlösche

unter Aufklopfen angefüllt. Der kleinere Cylinder enthielt feinen trockenen Sand und in dessen Mitte ein durch ein Stativ gehaltenes Thermometer. Auf die Mitte der Grundfläche des äußern Cylinders ließ ich bei den vier unmittelbar nacheinander angestellten Versuchen eine mit gleichbleibender Stärke brennende Weingeistlampe aus stets gleicher Entfernung einwirken.

a) Versuch mit Kohlenpulver.

Zeit. Thermometerstand. Differenzen.
Nach 0 Minuten 17° Cels
Nach 5 Minuten 24° Cels
Nach 10 Minuten 46° Cels 22°
Nach 15 Minuten 63° Cels 17°
Nach 20 Minuten 78° Cels 15°
Nach 25 Minuten 90° Cels 12°
Nach 30 Minuten 99,5° Cels 9,5°
Nach 30,5 Minuten 100° Cels 0,5°.

b) Versuch mit Buchenholzasche.

Zeit. Thermometerstand. Differenzen.
Nach 0 Minuten 17,5° Cels
Nach 5 Minuten 23,5° Cels
Nach 10 Minuten 43° Cels 19,5°
Nach 15 Minuten 64° Cels 21°
Nach 20 Minuten 85° Cels 21°
Nach 25 Minuten 104° Cels 19°
Nach 30 Minuten 119° Cels 15°

c) Versuch mit gebranntem Gyps.

Zeit Thermometerstand. Differenzen.
Nach 0 Minuten 17,5° Cels
Nach 5 Minuten 23° Cels 5,5
Nach 10 Minuten 43° Cels 20°
Nach 15 Minuten 64° Cels 21°
Nach 20 Minuten 80° Cels 16°
Nach 25 Minuten 95° Cels 15°
Nach 30 Minuten 105,5° Cels 10,5°.

d) Versuch mit Steinkohlenlösche.

Zeit. Thermometerstand. Differenzen.
Nach 0 Minuten 17,5° Cels
Nach 5 Minuten 24,5° Cels
Nach 10 Minuten 48° Cels 23,5°
|238|
Zeit. Thermometerstand. Differenzen.
Nach 15 Minuten 74,5° Cels 26,5°
Nach 20 Minuten 98° Cels 23,5°
Nach 25 Minuten 112,5° Cels 14,5°
Nach 30 Miunuten 132° Cels 19,5°.

Bei halbstündiger Einwirkung einer gleichen Wärmequelle wurde somit der Inhalt des innern Cylinders erhitzt, bei Ausfüllung des Mantels

mit Kohlenpuler von 17° auf 99,5°
mit Gyps von 17,5° auf 105,5°
mit Asche von 17,5° auf 119°
mit Lösche von 17,5° auf 132°

oder der Inhalt des innern Cylinders wurde bei gleicher Wärmezuführung von 17,5° auf 100° Cels. erwärmt

bei Lösche in 20,7 Minuten
bei Asche in 24 Minuten
bei Gyps in 27,5 Minuten
bei Kohlenpulver in 30,5 Minuten

Aus den angeführten Versuchen ergibt sich somit für die Praxis der unmittelbare Schluß, daß von den vier geprüften Substanzen, Kohlenpulver den meisten, Lösche den geringsten Schutz gewährt. Diese Thatsache wird bei den Siedepunkt des Wassers übersteigenden Temperaturen sich mit noch größeren Unterschieden darthun, da schon aus den bei den Versuchen angegebenen Differenzen zu ersehen ist, daß bei Kohle die verhältnißmäßige Wärmeleitungsfähigkeit in besonders merklichem Grade abnimmt, je höher die Temperatur steigt.

II.

Der Apparat, mit welchem ich die auf den zweiten Punkt bezüglichen Versuche anstellte, bestand aus vier Cylindern von Eisenblech und zwar aus den zwei zuvor beschriebenen und zwei größeren. Sie waren in der Art ineinander gehängt, daß drei, unten und auf den Seiten gleich weite (½ Zoll betragende) Zwischenräume entstanden, während die oberen Ränder alle in einer Ebene lagen. — Der innere Cylinder enthielt, wie bei der ersten Versuchsreihe, Sand und ein Thermometer, der innere und äußere Zwischenraum wurde bei dem nunmehr zu beschreibenden Versuche mit Kohlenpulver angefüllt; der mittlere blieb leer und wurde oben durch einen Blechring verschlossen. — Als Wärmequelle wendete ich eine große Weingeistlampe mit doppeltem Luftzuge an.

Zeit. Thermometerstand. Differenzen.
Nach 0 Minuten 18,5° Cels.
Nach
Nach
Nach
Nach
Nach
Nach
5
10
15
20
25
30
Minuten
Minuten
Minuten
Minuten
Minuten
Minuten
19,5°
23°
30°
41°
52,5°
65°
Cels.
Cels.
Cels.
Cels.
Cels.
Cels.

3,5°

11°
11,5°
12,5°
in 5 Minuten.
Nach
Nach
Nach
40
50
60
Minuten
Minuten
Minuten
87°
106°
120°
Cels.
Cels.
Cels.
22°
19°
14°
in 10 Minuten.

Es wurden jetzt die zwei mittleren Cylinder herausgenommen und der kleinste in den größten gehängt, so daß nur ein Zwischenraum entstand, welcher so groß war, als zuvor die drei zusammen; er wurde ganz mit Kohlenpulver angefüllt, und der Apparat derselben großen Weingeistflamme bei vollkommen gleicher Stärke und Entfernung ausgesetzt.

|239|
Zeit. Thermometerstand. Differenzen.
Nach 0 Minuten 16° Cels.
Nach
Nach
Nach
5
10
15
Minuten
Minuten
Minuten
17,75°
22°
28,5°
Cels.
Cels.
Cels.
1,75°
4,25°
6,5°
in 5 Minuten.
Nach 25 Minuten 60° Cels. 31,5° (in 10 Minuten.)
Nach 37 Minuten 82° Cels. 22° (in 12 Minuten.)
Nach 50 Minuten 91,5° Cels. 9,5° (in 13 Minuten.)
Nach 60 Minuten 100° Cels. 8,5° (in 10 Minuten.)

Demnach wurde der Inhalt des innersten Cylinders bei einstündiger Einwirkung einer gleichen Hitze

ohne trennende Lustschicht von 16° auf 100°,

mit trennender Luftschicht von 18,5° auf 120°

erhitzt; oder der Inhalt des innern Cylinders wurde bei gleicher Wärmezuführung von 18,5° beziehungsweise 16° auf 100° gebracht

mit trennender Luftschicht in 47 Minuten,
ohne trennende Luftschicht in 60 Minuten,

Demnach nützt eine Luftschicht und die Zwischenwände, welche die Arbeit weit umständlicher machen und sehr vertheuern, für die Abhaltung der Wärme nicht allein nichts, sondern sie sind nachtheilig — und als Endresultat meiner Versuche ergibt sich somit, daß der Mantel eines feuerfesten Kassenschranks am besten ohne Zwischenwände gemacht und mit trockenem Holzkohlenpulver fest angefüllt wird. Daß der Schutz gegen von außen wirkende Wärme um so kräftiger ist, je weiter der Mantel, je dicker somit die Kohlenpulverschicht, ergibt sich von selbst. (Mittheil. für den Gewerbverein des Herz. Nassau, 1848, S. 1.)

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