Titel: Ueber M. Goldschmid's Oelsauger bei Solarlampen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 10 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi04_10

Ueber M. Goldschmid's Oelsauger bei Solarlampen.

So viele Vorzüge die sogenannten Solarlampen auch sonst haben mögen, z. B. wegen der Einfachheit ihrer Construction und namentlich wegen des intensiven weißen Lichtes, das ihre Flamme entwickelt, so leiden sie doch an einem bedeutenden Mangel, der ihrer allgemeineren Verbreitung bisher wohl im Wege gestanden hat. Sie fangen nämlich, sobald selbst bei vollständiger Dochtlänge ⅔ bis ¾ der vorhandenen Oelmenge verzehrt ist, sehr trübe zu brennen an, und machen, wenn der Docht schon kurz ist, ein öfteres Nachgießen von Oel nothwendig. Da indessen die Construction der Solarlampen vielleicht noch nicht allgemein bekannt ist, so scheint es nöthig, Einiges darüber vorauszuschicken. Bei den Solarlampen steht der Brenner unmittelbar in dem auf dem Lampenfuße ruhenden Oelbehälter; dieser ist daher zum Durchlassen des inneren Luftzuges in der Mitte durchbohrt. Die Einrichtung des Dochtleiters und Dochtringes ist übrigens dieselbe wie bei andern Lampen. Ueber dem oben gewölbten Oelbehälter ist nun aber eine mit concentrischer Wölbung versehene Messingplatte so zu befestigen, daß sie einen Zwischenraum von 1½ bis 2 Linien für den von der Peripherie nach dem Centrum, d, h. nach der Flamme hinströmenden Luftzug übrig läßt, der also die Flamme von außen und zwar senkrecht darauf trifft. Der Glascylinder, in einen Messingring gekittet, wird auf die Deckplatte aufgeschraubt. Da die Flamme vermöge dieser Einrichtung, sowohl innen als außen, von einem starken Luftzuge getroffen wird, erscheint sie eben mit so weißem, andere Lampen bei weitem überstrahlenden Lichte. Da nun, wie erwähnt, der Docht unmittelbar in dem Oelbehälter steht, so wird beim allmählichen Sinken des Oel-Niveau's das Aufsaugen schwieriger, und bei kurzem Dochte bald sogar unmöglich. Diesem bedeutenden Uebelstande hat nun Hr. Mechanikus M. M. Goldschmid in Königsberg durch Hinzufügung eines Oelsaugers vollständig abgeholfen. Den von außen den Docht zunächst umgebenden Dochtleiter, eine einfache Blechröhre mit Längseinschnitt, versieht Hr. Goldschmid mit vielen ziemlich großen Oeffnungen, oder schneidet ihn gitterartig aus, und umgibt ihn mit einem sehr starken, oder mehreren über einander gezogenen gewöhnlichen Dochten, oder umwickelt ihn auch nur mit Barchent. Diese Docht- oder Barchentmasse wirkt nun als Oelsauger, und führt dem brennenden Dochte stets die nöthige Menge Oel zu, auch wenn dieser selbst die Oeloberfläche lange nicht mehr berührt. Zu bemerken ist noch, daß der Längseinschnitt des Dochtleiters von außen durch einen rinnenförmigen Blechstreifen überdeckt ist, damit der Stift des Dochtringes nicht etwa an den Fasern des Oelsaugers hängen bleibe. — Da durch diese Verbesserung jener Mangel der Solarlampen vollständig beseitigt ist, so steht zu erwarten, daß dieselben nun auch allgemeinere Verbreitung finden werden, und das um so mehr, da sie mit dem bedeutenden Vorzuge der außerordentlichen Helligkeit, auch noch den Vortheil einer leichten Reinigung bei der Abwesenheit aller engen |319| Röhren verbinden. Der Oelverbrauch ist zwar, wie natürlich, größer als bei einer andern Lampe von denselben Dimensionen, steht indessen in keinem Verhältniß zu der bedeutend gesteigerten Leuchtkraft. (Gewerbe-Vereins-Blatt der Provinz Preußen, 1847, Nr. 12.)

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