Titel: Verfahren Stiefel und Schuhe mit Gutta-percha zu besohlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 13 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi04_13

Verfahren Stiefel und Schuhe mit Gutta-percha zu besohlen.

Die Haupt-Agentschaft der Londoner Gutta-percha-Compagnie in Wien veröffentlicht hiezu folgende Anleitung:

Man verfertigt den Stiefel oder Schuh auf die gewöhnliche Art bis zur Sohle. Nachdem ein gewöhnlicher Lederrahmen und die Brandsohlen eingestochen sind, klopft man den Boden möglichst glatt, und macht ihn mit einer Raspel rauh. Rahmen und Boden müssen eine Fläche bilden.

Nun schmilzt man Abschnitte von Gutta-percha-Leder in einem kleinen thönernen Topf; das Schmelzen muß langsam in einem Ofen oder auf einer Herdplatte geschehen, und man muß sorgfältig darauf Acht haben, daß man die Masse nicht verbrennt, was auf offenem Feuer oder in einem metallenen Gefäß gewiß geschehen würde. Wenn die Masse so weit geschmolzen ist, daß sie sich manipuliren läßt, so wird sie mit einer flachen Klinge über den Sohlenboden und Rahmen gestrichen, und dann mit einem warmen Eisen überfahren und geebnet.

Nun wird die Gutta-Percha-Sohle über Kohlenfeuer gehalten, um sie klebrig zu machen, und ebenso auch der bestrichene Boden des Stiefels erwärmt; die heiße Sohle wird auf den warmen Stiefelboden sorgfältig von der Spitze bis zum Absatz angelegt, wobei man darauf zu sehen hat, daß keine Luftblasen entstehen. Die Sohle kommt ungefähr 9 Linien keilförmig unter den Absatz zu liegen. Der Absatz wird von gewöhnlichem Leder aufgemacht.

Die auf diese Art aufgeklebte Sohle hält sehr fest; jedoch kann man sie aus Vorsicht noch an den Rahmen festnähen. Man macht an der Gutta-percha-Sohle |320| einen schiefen Nahtriß, und näht sie mit weiten Stichen an den Rahmen fest, so daß die Stiche am äußersten Ende des Rahmens sind und wie Steppstiche aussehen. Der Nahtriß wird mit einer heißen Klinge durchgezogen und rückwärts zusammengedrückt. Die Sohle wird hierdurch so fest, als wenn sie nicht aufgeritzt worden wäre. Die Kanten der Sohle werden mit einer scharfen Kneipe beschnitten, der Boden wird eben geraspelt, mit Glas abgezogen und mit Glaspapier polirt. Die Kanten werden mit einem mittelgroßen Absatzbolzen geglättet. Zuletzt werden die Kanten mit Lack bestrichen, denn ohne diese Grundlage würde die Wichse nicht daran halten.

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