Titel: F. Kohl über die Schablonenstech- oder Stüpfelmaschine, insbesondere über das dabei zu benutzende farbige Harzpulver.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 2 (S. 311–312)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi04_2

F. Kohl über die Schablonenstech- oder Stüpfelmaschine, insbesondere über das dabei zu benutzende farbige Harzpulver.

Die bei Spamer in Leipzig erschienene Schrift des Hrn. Friedrich Kohl in Plauen, unter dem Titel: Die Schablonenstechmaschine u. s. w. enthält eine vollständige Beschreibung und Abbildung der Schweizer, der Schönherr'schen und der Heubner'schen Stechmaschine. Eine solche Maschine kostet 16–25 Rthlr., die in Plauen am häufigsten angewendete Schweizer Stüpfelmaschine mit Tisch 20 Rthlr.

Als Beweis der Gründlichkeit, mit welcher der Verfasser seinen Stoff behandelt, theilen wir seine Bemerkungen über das zu benutzende Harzpulver mit. Er sagt:

Für das blaue Harzpulver verwendet man die besten Sorten des Berlinerblaues, wovon das reinste, das Pariserblau, seiner Ergiebigkeit halber selbst in pecuniärer Beziehung gegen geringere Sorten obenan steht; ferner den Indigo und möglicherweise auch die beste Sorte des künstlichen Ultramarins. Da jedoch das letztere Pigment, ohne wesentlichen Vorzug zu bieten, weniger ergiebig und daher relativ theurer als das Pariserblau ist, so wird auch davon abgesehen und nur über die ersten beiden Farbstoffe Weiteres angeführt.

Das mit Pariser- oder Berlinerblau präparirte Harzpulver besitzt zwar auch nach dem Fixiren noch eine schönere, intensivblaue Farbe und ist billiger darzustellen als das Indigoharzpulver; dennoch gewährt das letztere mehrere Vorzüge, welche auf eine innigere Verbindung des Indigos mit dem Harze schließen lassen.

Bei näherem Vergleiche hat sich nämlich ergeben, daß das mit Berliner- oder Pariserblau versetzte Harzpulver beim Reiben durch die Schablone gleichzeitig auch stärker durch das Gewebe fällt, als dieß beim Indigopulver stattfindet, so daß dessen sparsamerer Verbrauch den Mehraufwand für den Indigo ziemlich ausgleicht. Dieses starke Anhäufen auf dem Gewebe oder Papier so wie auf der Unterlage, führt neben dem Verluste an Farbstoff auch den Uebelstand größerer Unreinlichkeit herbei, welcher die Stickereigewebe beim Auflegen auf die Arbeitstische ausgesetzt sind. Weniger stark würde zwar das erstere Farbpulver durch die Schablonen und Gewebe fallen bei einem größeren Zusatze von Colophonium in der Harzmischung, oder indem man |312| etwas Unschlitt, Stearin oder auch einige Tropfen Oel zusetzt, doch äußert sich dieß immer insofern nachtheilig auf den Reiber oder Filzwischer, daß dessen reibende Fläche hart wird.

Ein anderweiter Nachtheil des mit Berlinerblau versetzten Harzpulvers besteht darin, daß es sich auch nach dem Fixiren leichter abreibt und verwischt, weßhalb es für gebleichte oder weißzunähende Stickereigewebe unbrauchbar wird, indem es das Stickgarn färbt. Auch tritt dieser Uebelstand noch hervor, wenn Nähwaaren in feuchten Localen liegen oder mit Wasser in Berührung kommen.

Von den Harzsorten sind folgende anwendbar: Colophonium, Schellack, Dammar, ganzer Terpenthin, Mastix, Sandarak, und zur schwarzen Farbe Asphalt. Für sich allein sind diese Harze jedoch nicht zur Verbindnng mit dem Farbstoffe geeignet, da sie, den Schellack ausgenommen, zu klebrig sind, und dieser daher immer als Zusatz dient. Da nun das Colophonium das ungleich billigere Harz ist und mit Schellack eine sehr geeignete Harzmischung gibt, so soll hier zunächst die Bereitung eines sehr vorzüglichen Indigoharzpulvers mitgetheilt werden.

Beide Harze werden zu gleichen Theilen und auf ein Pfund der Mischung neun Loth des besten Indigos, oder einige Loth mehr von einer minder guten Sorte genommen. Seiner Milde wegen ist der Guatemala-Indig anderen Sorten vorzuziehen. Nachdem das Colophonium für sich ganz geschmolzen ist, wird der Schellack unter Umrühren portionenweise zugesetzt. An dem anfangenden Aufsteigen der Harzmischung erkennt man, daß der später zugesetzte Schellack vollständig geschmolzen ist, worauf der pulverisirte Indigo zugeführt wird. Wegen des leichten Ueberschäumens ist die Schmelzung am sichersten über gelindem Kohlenfeuer oder in einer geheizten Kochröhre und in einem etwa doppelt so großen Gefäße, als der Umfang der Masse selbst ist, vorzunehmen.

Da eine schnelle Abkühlung die Mischung um so spröder macht und um so leichter zerkleinern und pulverisiren läßt, so ist es zweckmäßig, dieselbe auf einer Steinplatte in einen möglichst dünnen Kuchen, oder da man sie meist auf nassem Wege zubereiten wird, in eine zum Theil mit Wasser angefüllte Wanne auszugießen.

Nachdem diese Harzfarbe im Mörser möglichst fein zerstoßen worden ist, kann das weitere Präpariren derselben entweder auf trockenem oder auf nassem Wege erfolgen. Im ersteren Falle wird nach fortgehend wiederholtem Stoßen jedesmal das Feinste durch ein in einem Kasten verschlossenes Haarsieb gesiebt oder besser noch durch ein Beutelzeug getrieben. Immer ist aber diese Operation wegen des nicht zu verhütenden Stäubens mit viel Farbverlust und Unreinigkeit verbunden, und daher die Zubereitung auf nassem Wege vorzuziehen. In diesem Falle wird das feingestoßene und mit Wasser angemachte Harzpulver auf dem Reibsteine oder auf einer Farbreibmaschine, wozu auch die gewöhnlichen Glasurmühlen der Töpfer dienen können, feingerieben und dann an einem luftigen Orte auf Horden oder Gypsplatten getrocknet. Ofenwärme eignet sich zur Trocknung deßhalb nicht, weil der Farbenteig dadurch sehr fest zusammenbäckt.

Bei ganz gleichbleibender Bereitungsart würde man auf 1 Pfd. Harzmischung (½ Pfd. Colophonium und ½ Pfd. Schellack), je nach der Güte 20–30 Loth Berlinerblau oder circa 9 Loth Pariserblau nehmen.

Als schwarzes Harzpulver für Stickereigewebe läßt sich eine Verbindung von 1 Pfd. Harzmischung mit 1 Pfd. des besten Frankfurter Schwarz empfehlen. Will man ein noch kräftigeres oder tieferes Schwarz haben, so ist ein Zusatz von etwas Indigo zweckmäßig.

Ein mit Ruß versetztes Harzpulver ist wohl zur Vervielfältigung von Zeichnungen auf Papier, nicht aber für Stickereigewebe anwendbar, da es beim Bleichen schwieriger daraus zu entfernen ist.

Auch ohne Verschmelzen der Harzmischung mit dem Farbstoff läßt sich durch nasses Verreiben von vier Theilen Sandarak und einem Theil Pariserblau oder Indigo ein sehr brauchbares Harzpulver auf bequemere Weise schnell bereiten. Da jedoch der Uebelstand, daß die Reiber hart werden, hiebei ebenfalls vorkommt, so ist auch die Verwendung dieses Harzpulvers dadurch beschränkt. (Aus oben angeführtem Werke, durch polytechn. Centralblatt, 1848, S. 704.)

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