Titel: Neues Verfahren in Kupfer und Stahl zu ätzen; von Dr. H. Schwarz aus Merseburg und Dr. Rud. Böhme aus Dresden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 4 (S. 313–314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi04_4

Neues Verfahren in Kupfer und Stahl zu ätzen; von Dr. H. Schwarz aus Merseburg und Dr. Rud. Böhme aus Dresden.

Die Aetzmethode des Kupfer- und Stahlstiches basirte sich bis jetzt auf die Anwendung der mehr oder weniger verdünnten Salpetersäure. Die dabei nothwendig eintretende Entwickelung von Stickoxydgas brachte vielerlei Unannehmlichkeiten mit sich. Einmal machten die sich am Metall anhängenden Gasblasen, indem sie gewisse Partieen vor der Einwirkung der Säure schützten, eine beständige Aufmerksamkeit und ein beständiges Entfernen mittelst eines Pinsels nöthig, wenn die Striche nicht sehr ungleichmäßig ausfallen sollten.

Dann zeigte sich auch eine bis jetzt wenig erklärte Neigung dieser Aetzflüssigkeit, weniger in die Tiefe zu gehen und leicht die Ränder zu unterfressen, so daß es sehr schwer war, einigermaßen feine Striche hinreichend tief zu bekommen.

Ferner wurde die Wirkung oft durch die Absorption der sich aus dem Stickoxydgase bildenden salpetrigen Säure mehr beschleunigt als man wünschte. Diesem Uebelstande hätte man durch Zusatz von Harnstoff besser noch, als durch Kreosot begegnen können. Endlich fiel auch die große Menge entwickelter salpetriger Säure der Brust sehr beschwerlich. Es war daher wohl wünschenswerth, Aetzflüssigkeiten zu finden, die keine Blasenbildung bewirken konnten.

Am einfachsten schien uns, daß dieser Zweck, durch Anwendung von Haloïden, die sich direct mit den Metallen verbinden, werde zu erreichen seyn.

Versuche im Kleinen gaben die erwünschtesten Resultate, und so erlauben wir uns denn den Künstlern unsere Methoden zur weiteren Prüfung vorzulegen.

a) Aetzflüssigkeit für Kupfer. Man nimmt 10 Theile rauchende Salzsäure des Handels (40 Proc. trockene Säure enthaltend), verdünnt sie mit 70 Thln. Wasser, und setzt dazu eine siedende Lösung von 2 Thln. chlorsaurem Kali in 20 Thln. Wasser. So erhalten wir eine Lösung, die so zu sagen disponibles Chlor in bedeutender Menge enthält. Man kann dieselbe nun mit 100 oder 200 Thln. Wasser verdünnen, um damit die schwächeren Partieen zu ätzen. Durch längere Dauer oder |314| durch Zusatz von stärkerer Flüssigkeit bringt man die tieferen Töne hervor. Der schwache Chlorgeruch ist nicht so unangenehm, als die Dämpfe der salpetrigen Säure.

b) Aetzflüssigkeit für Stahl. Man nimmt 2 Thle. Jod und 5 Thle. Jodkalium und löst beides in 40 Thln. Wasser auf. So erhält man die stärkste Flüssigkeit. Man kann mit nochmals 40 Thln. Wasser verdünnen und damit die schwächsten Linien ätzen.

Längere Dauer und stärkere Flüssigkeit bringen die tieferen Töne hervor.

Die so erzeugten Linien sind sehr tief, ungemein scharf, haben ganz gerade Ränder, und selbst die feinsten, mit der Liniirmaschine nebeneinander gezogenen Linien fließen nicht ineinander. Die Temperatur ist unwesentlich, wenn sie sich in den gewöhnlichen Gränzen hält. Wegen der langsamen Einwirkung braucht man sich nicht zu übereilen.

Die bereits gebrauchte Flüssigkeit ist wegen des hohen Preises des Jods nicht wegzuwerfen, sondern mit etwas kohlensaurem Kali zu versetzen, abzufiltriren und durch Zusatz von etwas Chlorwasser wieder wirksam zu machen.

Sollten Künstler bei Anwendung dieser Flüssigkeiten auf Schwierigkeiten stoßen, so sind oben erwähnte Erfinder gern bereit dieselben nach Möglichkeit zu lösen. (Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. LXVI S. 61.)

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