Titel: Ueber eine sehr dauerhafte und schwer schmelzbare Verzinnung; von A. Budy und J. Lammatsch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 6 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi04_6

Ueber eine sehr dauerhafte und schwer schmelzbare Verzinnung; von A. Budy und J. Lammatsch.

Die gewöhnliche Verzinnung leidet an zwei wesentlichen Uebelständen: sie wird nämlich einerseits bei täglichem Gebrauch und häufigem Scheuern der verzinnten Gefäße wegen der Weichheit des Zinns leicht abgerieben; andererseits schmilzt dieselbe schon bei so niedriger Temperatur, daß man trockene Gegenstände gar nicht, flüssige aber bei freiem Feuer nur unter Beachtung bestimmter Vorsichtsmaßregeln in verzinnten Gefäßen erhitzen kann, ohne ein theilweises Abschmelzen des Metallüberzugs fürchten zu müssen. Nach Budy erhält man eine zum Verzinnen vorzüglich geeignete Legirung, welche jene Fehler nicht zeigt, wenn man dem Zinn etwas Nickel, |315| und zwar auf 1 Pfd. Zinn 2 Loth Nickel zusetzt. Die physikalischen Eigenschaften, welche diese beiden Metalle für sich haben, gleichen sich beim Zusammenschmelzen gegenseitig so vortheilhaft aus, daß die Legirung hiedurch besondere Vortheile erlangt, die ihr eine wichtige Rolle unter den zum Ueberziehen anderer Metalle gebräuchlichen Metallen oder Metallgemischen anweisen. Das Nickelmetall gibt dem Zinn eine große Festigkeit und Zähigkeit, wie eine schwerere Schmelzbarkeit, das Zinn dagegen dem Nickel eine leichtere Streck- und Dehnbarkeit.

Da Nickel bekanntlich erst in der höchsten Weißglühhitze schmilzt, so hat man bei der Verschmelzung desselben mit dem Zinn darauf zu achten, daß das letztere Metall, welches schon bei sehr niedriger Temperatur schmilzt, gegen Oxydation und Verflüchtigung geschützt wird. Dieß geschieht, wenn man die Metalle zusammen in einen Schmelztiegel bringt und mit einer hinreichenden Menge von Borax und Glaspulver bedeckt, wekche bei höherer Temperatur zu einem Glase zusammenschmelzen, durch welches der Zutritt der atmosphärischen Luft zu den glühenden und schmelzenden Metallen verhindert wird.

Was die bei der Anwendung dieser Legirung zu befolgenden Manipulationen anlangt, so kommen dieselben ganz mit denjenigen überein, welche man bei der gewöhnlichen Verzinnung befolgt; man kann damit eben so Eisen (selbst Gußeisen), als Kupfer und Messing verzinnen, entweder durch Verreiben des schmelzenden Metallgemisches unter Beihülfe von Salmiak oder Chlorzinkammonium, oder durch Eintauchen der zu überziehenden Metalle in das Metallbad. Die Legirung schmilzt noch einmal so schwer als Zinn, und verbindet sich mit andern Metallen oberflächlich viel inniger und fester als das letztere; sie besitzt ferner eine solche Härte, daß andere harte Körper, z. B. Sand, keine tiefen Kritzeln darauf hervorbringen. Gebrannter Zucker, zu dessen Bereitung verzinnte Gefäße nicht anwendbar sind, läßt sich in mit dieser Legirung verzinnten Gefäßen schmelzen, ohne daß der Ueberzug im geringsten leidet u. s. w. In Betreff des Einflusses auf die Gesundheit ist das Nickelzinn als eben so ungefährlich wie das reine Zinn anzusehen, und es kann daher der Gebrauch desselben zu Küchengeräthschaften kein Bedenken erregen.

Der höhere Preis der in Rede stehenden Legirung im Vergleich zu Zinn, soll durch die größere Dauer derselben, wie dadurch völlig ausgeglichen werden, daß man davon zum Ueberziehen nur halb so viel braucht, als man Zinn brauchen würde.— Auf eine ähnliche Legirung (7 Thle. Zinn, 1 Th. Nickel und ½ Th. Wismuth) erhielt J. Lammatsch im Jahre 1842 ein österreichisches Privilegium. (Aus Brevets d'Invention, durch polytechn. Centralblatt, 1848, S. 530.)

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