Titel: Ueber das sogenannte Enkaustiren von Gypsgegenständen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 7 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi04_7

Ueber das sogenannte Enkaustiren von Gypsgegenständen.

Ueber dieses Verfahren, wodurch Gypsgegenständen ein sehr schönes weiß-marmorähnliches Aussehen, sowie die Eigenschaft gegeben wird, sich abwaschen zu lassen und nicht leicht Kritze anzunehmen, ist der Redaction des Monatsblattes des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen Folgendes mitgetheilt worden.

Die zum Enkaustiren angewandte Masse besteht aus Stearin, venetianischer Seife und Pottasche, und zwar im Verhältniß von 2 : 2 : 1. Nimmt man ¼ Pfd. Stearin, ¼ Pfd. venetianische Seife und ⅛ Pfd. Pottasche, so erhält man eine genügende Masse, um damit schon ziemlich viele Gypsfiguren enkaustiren zu können. Das Stearin und die venetianische Seife werden zerschnitten, in circa 3 Schoppen Lauge geworfen, kalt auf ein Flammenfeuer gesetzt und circa ½ Stunde lang unter beständigem Rühren gekocht. So oft die Masse steigt, wird etwas kalte Lauge zugegossen. Hierauf gibt man die Pottasche, die man zuvor mit etwas Regenwasser angefeuchtet hat, hinzu und läßt sie noch circa 5 Minuten mitkochen, und zwar unter fortwährendem Rühren. Dann wird der Topf vom Feuer weggenommen und die Masse bis zum Erkalten fortwährend gerührt, hierauf noch so lange kalte Lauge nachgegossen, bis die Enkaustik ganz dünnflüssig geworden ist und ohne sich zu ziehen, noch zu gerinnen vom Löffel abläuft. Vor dem Gebrauch muß die Masse ungefähr drei Tage lang wohl verdeckt gestanden haben. Die Enkaustik läßt sich Jahre lang aufbewahren.

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Soll ein Gypsgegenstand enkaustirt werden, so wird er vorher vollkommen sauber abgebürstet und die Flecken sorgfältig abgeschabt. Die Enkaustik wird sodann mit einem dicken Pinsel aufgetragen, so lange als der Gyps sie einsaugt. Ist der Ueberzug trocken, so staubt man ihn mit Leder oder einer weichen Bürste ab. Zeigt sich bei dem Abbürsten noch kein Glanz, so wiederholt man das Enkaustiren. Gelbe Gypsgegenstände bewahren hiebei ihre Farbe. (Monatsblatt des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen, 1848, S. 20.)

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